9) Caballero
Gesetz gegen die gemischten Ehen und endlich eine Adresse, in der die Abdankung der drohen--dcn Heeresmacht gefsdert wurde. Der König antwortete mit allgemeinen Bereicherungen,gestand die Ausschließung der Katholiken von öffentlichen Ämtern zu und prorogirte dasParlament, nachdem er Geld erhalten. Die Cabale schte den Krieg gegen Holland fort, aberes wurde ungeachtet dreier Seeschlachten nichts entschieden. Im Oct. mußte der König dasParlanrent wieder berufen, und dies machte der Cabale ein Ende. Der König verlangteaufs neue Geld, um den Krieg mit Holland zu beenden; er trug auf die Bezahlung derdurch die Rentkammer eingezogcncn Güter der Nation an und versprach feierlich den Schutzdes Eigcnthums und der engl. Kirche. Allein die Häuser glaubten diesen oft gemachten Ver-sprechungen nicht mehr. Sie beantragten wiederholt die Annahme des Tcsteids, bewilligtenkeine Gelder, verwarfen die Vcrheirathung des Herzogs von Dort mit einer katholischenPrinzessin, drangen auf Auflösung des gefährlichen Bündnisses mit Frankreich, auf die Äb-schaffung des Heers und klagten die üble» Nathgebcr des Königs an. Neun Tage nach derEröffnung wurde das Parlament deshalb wieder prorogirt; zugleich nahm der König demGrasen Shaftesbury das Siegel ab und erließ eine Proclamation gegen die Katholiken undJesuiten. Aber damit war das Vertrauen des Volks nicht hergestellt. Der König, der jetztcinsah, daß seine Nathgebec den versprochenen Streich nicht auszuführen vermochten, son-dern seine eigene Stellung nur immer schwieriger und gefährlicher machten, gab vor derHand seine Entwürfe auf. Als im Jan. >67-1 das Parlament wieder zusammcntrat, fo-dertc er das Unterhaus auf, den Vertrag mit Frankreich zu untersuchen; auch erklärte er sichzu einem Frieden mit Holland geneigt, wenn er Geld empfinge, um ihn ehrenvoll zu unter-handeln. Das Unterhaus beachtete auch diese Rede nicht, sondern überreichte dem Könige eine >Adresse, in welcher alle Beschwerden zusammengefaßt waren, und in der dringend die Ab- sdankung der Cabale verlangt wurde. Das Oberhaus übergab eine gleiche, besonders gegendie Papisten gerichtete Adresse; überdies erklärten beide Häuser, daß das Reich in Gefahrsei, und beantragten einen allgemeinen Buß- und Bettag, den der König zu seinem und seinerPartei Ärgerniß auch bewilligen mußte. Die Schritte zur Auflösung des verhaßten Staats-raths folgten sich nun schnell. Das Parlament eröffncte gegen die drei übriggebliebcneuMitglieder der Cabale eine förmliche Untersuchung (Clifford war gestorben und Shaftes-bury ausgetreten), und der König mußte sich einen neuen Cabinetsrath wählen. Da aberbas Parlament die Testbill wieder aufnahm und dem Könige in einer erweiterten Formnochmals verlesen wollte, so löste er cs bis auf Weiteres auf. Die nächste Folge war nun,daß Karl II. ohne Geld und unter dem Gewicht der Volksstimmung den Frieden mit Hol-land schließen und das Bündniß mit Frankreich lösen mußte. Mit dem Falle der Cabale warindessen weder der Einfluß dieser Nathgebcr noch die Thätigkeit der papistischen Partei ge-brochen; doch das Parlament hatte durch sein festes Auftreten Ansehen und Stärke unddas Volk die Einsicht und Wachsamkeit gewonnen, diesen Umtrieben unter der ganzen Ne-gicrungsperiodc Karl's II. mir Erfolg eutgegenzutretcn.
Caballero (Don Fermin), Mitglied der span. Cortes, geb. am 7. Juli 1800 zuBarajas de Melo in der Provinz Cuenca, erhielt eine sorgfältige Erziehung, studirte dieRechte und wurde 1823 Advocat in Madrid. Als aber gleich darauf die durch den Um-sturz der Constitution veranlaßte Neaction eintrat, verließ er die Hauptstadt und ließ sich inEstremadura nieder, bis ihn die Aussichten, welche sich in den letzten Tagen Ferdinand's VI l.der liberalen Partei eröffneten, nach Madrid zurückführten. Hier gründete er 1833 das„Uoletill tiel comereio", das er nach dessen Unterdrückung 1834 in das „bicu tlel coitier-oiu" verwandelte, welches noch jetzt erscheint. Als Martinez de la Rosa die Cortes zusammen-bericf, wurde C. sowol in Madrid als in Cuenca zum Procurador gewählt und entschied sichfür letztere Provinz. Er trat sogleich in die entschiedenste Opposition gegen das MinisteriumMartinez de la Rosa, und unter allen damals an die Krone gerichteten Petitionen, welchedie Erweiterung der politischen Rechte der Spanier bezweckten, befindet sich der Name C-'Sgewöhnlich obenan. Unter dem Ministerium Toreliü sollte C. im Augi 1835 verhaftet wer-den, wußte aber der Haft in Zeiten zu entgehen. In den beiden Legislaturen unter Mcndi-zabal's erstem Ministerium sprach sich C. stets zu Gunsten der großen politischen Umwäl-zung aus, welche Mcndizabal durch Äufhebung der Klöster, Veräußerung der National-