86 ByZÄNtiiüsch-es Reich
zes, dem Nachfolger des Thcodorus Laskaris zu Nicäa (1222—55), eingenommen, der1242 auch Thcssalonich dem Epiroten Theodor entriß. Diesem folgte in Nicäa sein SohnTheodorll. (1255—59), dessen minderjähriger Sohn Johannes durch Michael VM.Paläo-logus verdrängt ward. Dieser eroberte mit Hülfe der Genuesen, die dafür Handelsplätzeerhielten, Konstantinopel am 25. Juli 1261 und machte so dem lat. Kaiserthum ein Ende;obwol sich einzelne von Lateinern gestiftete Herrschaften noch lange bis zum Untergang desbyzantin. Reichs erhielten. Balduin starb 1272 in Frankreich, Michael, mit dem das Ge-schlecht derPaläologenauf den Thron kam, den es bis 14 5 3 inne hatte, suchte die Machtdes Reichs zu erheben, erregte aber durch seine Vereinigung mit der lat. Kirche, von der diegriech. >954 sich entschieden getrennt hatte (s. Griechische Kirche), die heftigste Erbitterungdes Klerus und des Volks. Sein Sohn Andronikus II-, der ihm 1282 folgte, führte sogleichden griech. Ritus wieder ein; innere Unruhen und äußere Kriege, besonders gegen die Türken,gegen welche er catalonische Miethstruppen, die sich nachher in Gallipolis unabhängig mach-ten, in Sold nahm, zerrütteten das schwache Reich. Nach dem Tode seines Sohns Michael's IX.im J. 1326, den er zum Mitrcgenten genommen hatte, nöthigte ihn Andronikus Ul., seinEnkel, 1322 den Thron mit ihm zu theilen und raubte ihm denselben 1328 ganz. Androni-kus focht als Alleinherrscher unglücklich gegen die Türken, die Nicäa und Nikomedia 1339cinnahmen und auch die europ. Küsten plünderten. Erstarb 1341. Sein Sohn Johannes V.mußte den Thron mit seinem Vormunde Johannes Kantakuzcnos zehn Jahre lang theilen,auch dessen Sohn Matthias ward zum Kaiser ernannt; doch legte jener freiwillig, diesergezwungen 1355 die Krone nieder. Unter Johannes V. faßten die Türken, die sein Vormundselbst als Bundesgenossen gegen ihn gebraucht hatte, zuerst festen Fuß in Europa, von Galli-polis, das sie 1357 eroberten, breiteten sie sich bald weiter aus; Sultan Murad nahm 1361Adrianopel ein, das Residenz ward. Er und sein Nachfolger Bajazcd eroberten fast allesbyzantin. Land bis auf Konstantinopel, wo Johannes, den sein Sohn Andronikus eine Zeitlang vertrieben hatte, Tribut an Bajazed zahlte. Johannes'Nachfolger (seit 1391), seinenzweiten Sohn Manuel, belagerte Bajazed, der ein abendländisches Heer unter Sigismundvon Ungarn 1396 bei Nikopolis schlug, in Konstantinopel selbst und nöthigte ihn, die Herr-schaft mit Johannes, des Andronikus Sohn, zu theilen und den Türken in Konstantinopeleine Hauptstraße und einen eigenen Kadi zu gewähren. Timur's Einfall in die türk. Länderrettete 1492 Konstantinopel; Manuel nahm einige Landtheile wieder ein, doch benutzte erdiesen Zeitpunkt und die darauf folgende Uneinigkeit unter Bajazed's Söhnen nicht genügend,und schon 1422 ward Konstantinopel wieder von Murad II. belagert. Manuel's Sohn,Johannes VI. (1425—48), wurde von Murad II., nachdem dieser den Hülfszug des Königsvon Ungarn Ladislaus durch die Schlacht bei Varna vereitelt hatte, 1444 auf Konstantinopclbeschränkt und zu Tributzahlung gezwungen. Auf ihn folgte kurz nach dem Siege der Tür-ken über die Ungarn bei Kossova im I. 1448 sein Bruder Konstantin XI. Tapfer dochfruchtlos, kämpfte er mit seinem Feldherrn, dem Genueser Giustiniani, gegen die ungeheuretürk. Übermacht und fiel heldenmüthig bei der Vertheidigung Ksnstantinopels, durch dessenEroberung am 29. Mai 1453 Mohammed II. dem byzantin. Reich« ein Ende machte. Diekleinen lat. Dynasten, die hin und wieder in Griechenland sich behauptet hatten, wurdensowie die beiden Despoten Demetrius und Thomas, die in Morea herrschten, von Moham-med bis 1469 unterjocht; David, der letzte Kaiser von Trapezum aus dem Hause der Ko m-nenen (s. d.) unterwarf sich ihm im 1.1461.
Die Verfassung des byzant. Reichs beruhte im Wesentlichen auf den Einrichtun-gen, die schon Diocletian, namentlich aber Konstantin der Große im röm. Staatswesen ge-troffen hatten, wenn auch die durch den Letzter» geordnete Organisation der Verwaltung undder Staatsämter in ihren äußern Formen sich mit der Zeit veränderte. Sie war eine reindespotische. Die Kaiser, die sich als die wahren Nachkommen der Cäsaren und daher auch alsdie Oberherren des abendländ. röm. Reichs, auch nachdem dies durch Karl den Großen neugegründet worden war, bettachteten und demgemäß Beherrscher derRömer nannten, wurdenvon ^m Patriarchen zu Konstantinopel gesalbt und gekrönt. So großen Einfluß auch Wei-ber, Günstlinge, hohe Beamte und die Geistlichkeit, die sich aber nie von ihnen vollkommenunabhängig machen konnte, häufig genug auf Einzelne unter den Kaisern übten, so wurden