Byzantinisches Reich 85
Gemahl hincichten und erhob nacheinander auf den Thron Michael IV. 1031, Michael V.INI I, und Konstantin IX. >042. Russen, Pctschcnärcn und Araber verheerten indcß dasReich; in Asten traten die seldschukischcn Türken als gefährliche Feinde auf, in Unteritalicnward durch die Normannen die byzanti». Herrschaft aufOtranto eingeschränkt. Nach Kon-stantin's Tode im I. >054 ward Theodora, der Zoe Schwester, zur Kaiserin gewählt; Mi-chael VI., seit 1056 ihr Nachfolger, ward 1057 von Isaak I. Komnenus abgeseht. Dieser,nii't dem die Reihe der komnenischen Kaiser beginnt, ging >059 freiwillig ins Kloster;sein Nachfolger Konstantin X. Dukas focht glücklich gegen die Uzen. Eudocia, seine Gemahlin,feit 1067 Vormünderin seiner Söhne Michael, Andronikus und Konstantin, heirathete Ro-manus IV. Diogenes und gab ihm dadurch die Krone. Nachdem er anfangs glücklich gegendie Seldschukcn gefochten hatte, gerieth er in ihre Gefangenschaft; er kaufte sich los, aber balddarauf ward er durch Michael VII., Konstantin's Sohn, 1071 des Throns beraubt. Diesenentthronte 1078NicephorusIII. und diesen 1081 AlexiusI. Komnenus(1081—1 118), unterwelchem die Krcuzzüge begannen. Alexius zeigte in seinen Kriegen mit den Normannen undden Seldschukcn Tapferkeit und hinterlistige Verschlagenheit,' diese bewies er auch in seinemVerhältnis; zu den Kreuzfahrern; die nördlichen Grenzen sicherte er durch Siege über diePctschenären und Komanen Auch sein Sohn Johannes oder Kalo-Johannes (l 118—-13)und dessen Sohn Manuell (11-13—80) waren tüchtige Fürsten und in ihren Kriege»,namentlich mit den Türken, meist vom Glücke begünstigt. Manuel's Sohn, Alexius II., wardschon 1183 durch seinen Vormund Andronikus, einem Enkel Alexius' I., ermordet, dieser selbstaber, der letzte der komnenischen Kaiser, in einem Aufruhr, den seine Grausamkeiten erregthatten, 1185 umgebracht, und hierauf Isaak II. Angelus auf den Thron erhoben. Dieserward nach einer von außen und innen unruhigen Negierung von seinem Bruder Alexius 1I I.,der den Beinamen Komnenus annahm, im I. 1195 geblendet und gestürzt. Die Kreuzfahrersetzten mit Gewalt 1203 ihn und seinen Sohn Alexius IV., durch seine Schwester IreneSchwager Kaiser Philipp's von Schwaben, der bei ihnen Hülfe gesucht hatte, wieder ein,aber die unruhigen Konstantinopolitancr riefen erst Nikolaus Canabus, dann Alexius V.Murzuphlus zum Kaiser aus, welcher Alexius IV. ermordete- Zugleich starb Isaak II.
Jetzt rückten 1204 die Lateiner (Venetiancr und Franzosen) wieder vor Konstantinopcl,eroberten am 12. Apr. die Stadt und nahmen dieselbe wie die europ. Länder des Reichs inihren eigenen Besitz. Das Ganze ward in vier Theile getheilt, den einen mit der Hauptstadterhielt Graf Balduin von Flandern, der zum Kaiser erhoben ward (Lateinisches Kai-serthum 120-1—61) und von dem die andern Theile den übrigen Theilnehmern des Zugszu Lehen gegeben wurden. So erlangten die Venetiancr den Küstenstrich am Adriatischcnund Ägeischen Meere, ein Stück von Morca und viele Inseln, namentlich Zante und Kepha-lonia, auch Kreta, das ihnen Bonifacius, Markgraf von Montferrat, verkaufte, dem alsKönig von Thessalvnich Macedonien und ein Theil Griechenlands gegeben ward; noch wur-den viele Herzogthümer, Grafschaften u. s. w. zu Athen, Philippopolis und andern Ortenfür franz. Ritter gestiftet, aber auch einzelne griech. Dynasten behaupteten sich unabhängigsowol auf dem Festlande als auf den Inseln. In dem westlichen Theile Kleinasiens erhieltsich Theodorus Laskaris, der noch in Konstantinopel zum Kaiser gewählt worden war undNicäazum Sitz der Herrschaft erhob (KaiserthumNicäa). ImNordostcnKleinasiens,von Sinope bis zum Phasis machte sich zu Trapezunt der Statthalter der Provinz KolchiS,Alexius Komnenus, zum unbeschränkten Herrn, einer seiner nächsten Nachfolger, JohannKomnenus, gest. um 1245, nahm den Kaisertitel an (Kaiserthum Trapezunt). InKonstantinopel konnten weder Balduin noch seine Nachfolger den schwankenden Thronbefestigen. Balduin selbst starb 1206 in der Gefangenschaft der Bulgaren, ihm folgten Hein-rich, sein Bruder, der weise und tapfer bis 12 l 6 regierte, Peter, Graf von Auxerre und Cour-tenay, dessen Schwager, der bald nachher zu Durazzo von Theodor, dem griech. Fürsten vonEpirus, gefangen wurde, und, nachdem das Reich vier Jahre ohne Kaiser gewesen und ingänzliche Zerrüttung gekommen war, Peter's jüngerer Sohn Robert ( 1221 — 28 ). Unterihm und seinen Nachfolger»Johann vonBrienne, Titularkünig vonJerusalem (1228—37)und Balduin II. (1237—61), Robert's jüngerm Bruder, unter dessen Negierung auch 1242die Mongolen bis Adrianopel drangen, ward ein großer Theil des Reichs von Johann Vata-