Druckschrift 
3 (1845) Buchholz bis Czongrad
Entstehung
Seite
83
Einzelbild herunterladen
 

Byzantinisches Reich 83

Afrika, griff zu den Waffe», nah», Konstantinopel ein und ward, nachdem Phokas vomVolke zerrissen worden war, Kaiser (61v641). Während der ersten zwölf Jahre seinerRegierung plünderten die Avarcn und andere barbarische Anwohner der Donau die europ.Provinzen, die Perser eroberten Syrien, Ägypten und endlich Kleinasten; der Kaiser selbst,verzweifelnd, ward nur durch den Widerstand des Patriarchen abgehalten, die Residenz nachKarthago zu verlegen. Als cs ihm endlich gelungen war, die Avarcn zu beruhigen, zog erselbst 622 gegen die Perser, schlug sie zurück, und während die von neuem aufgestandenenAvarcn 626 Konstantinopcl vergebens bedrängten, drang er, unterstütztdurch eine Empörung,die gegen Kosroes ausgebrochen war, bis in das Innere Persiens ein. In dem mit Siroes628 geschloffenen Frieden erhielt er die verlorenen Provinzen und das heilige Kreuz, das diePerser aus Jerusalem geraubt hatten, zurück. Aber in den letzten Jahren seiner Negierungerschien ein neuer, furchtbarerer Feind in den Arabern, die durch Mohammed zum Eroberer-volk geworden waren. Sie unterwarfen sich, von den Feldherren desKhalifen Omar geführt,von 635641 die Länder am Euphrat, Syrien und Judäa und ganz Ägypten; bei denGriechen ward die Kraft zum Widerstand durch die Streitigkeiten zwischen den Rechtgläubigenund Monotheletcn (s. d), die bis 68V dauerten, geschwächt. In Serbien und Kroatienbildeten sich slawische Reiche, die sich bald von der anfänglichen byzantin. Oberhoheit freimachten. Konstantin III., der seinem VaterHeraklius 641 folgte, starb bald, sein StiefbruderHeraklconas, der bereits mit ihm gemeinschaftlich regiert hatte, verlor die Krone durch einenÄufruhr und ward verstümmelt. Sein Nachfolger Konstans (642668), Konstantin'sSohn, machte sich durch blutigen Verfolgungsgeist und die Ermordung seines Bruders Theo-dostus (656) beim Volke verhaßt. Mit den Arabern, die, ihre Eroberungen fortsetzend, ihmeinen Thcil von Afrika und die Inseln Cyprus und Rhodus entrissen, ihn selbst 653 zurSee geschlagen hatten, schloß er, durch Unruhen im Innern des Reichs genölhigt, Frieden.In Syrakus, wohin er sich aus Süditalien, das er vergeblich (66V) gegen die Langobardenzu schützen suchte, begeben hatte, ward er das Opfer einer Verschwörung. Konstantin IV.Pogonatus (668685), sein Sohn, überwand den syrakusanischen Gegenkaiser Mezentiusund thcilte anfänglich mit seinen Brüdern Tiberius und Heraklius die Regierung. DieAraber drangen in Afrika immer weiter vor, fielen in Sicilien ein, streiften durch Klcinasicnbis Thrazien und griffen seit 669 mehre Jahre hintereinander Konstantinopel zur See an.Dennoch erhielt er von ihnen, als 675 das Griechische Feuer (s.d.) gegen sie mit Erfolgangewcndet worden, einen guten Frieden; dagegen ward er von den Bulgaren, die in demalten Mösien ein Reich gründeten, 68V zum Tribut genüthigt.

Justinian ll.(685711), sein Sohn und Nachfolger, war glücklich gegen diemonothe-lctischcn Maroniten (s.d.), unglücklich aber gegen die Bulgaren (688) und gegen dieAraber (692). Seine Grausamkeit erregte eine Empörung, an deren Spitze Leontius stand,der ihn 695 absctzte, die Nase abschneiden ließ (daher Rhinotmetus) und nach dem taurischcnChersones verbannte. Leontius selbst ward 698 durch Apsimar oder Tiberius HI-, dieserdurch den König der Bulgaren Trebelius abgcsetzt, der 705 Justinian wieder auf den Thronbrachte. Leontius und Tiberius wurden enthauptet, ihre Anhänger mit furchtbarer Grau-samkeit verfolgt, die Chersoneser aber, an denen sich Justinian wegen der Geringschätzung,die er bei ihnen erfahren hatte, zu rächen gedachte, stellten ihm Philippicus Bardanes alsGegenkaiser entgegen. Von seinem Heer und den Bulgaren verlassen, ward Justinian 711ermordet, mit ihm erlosch des Heraklius Stamm. Philippicus machte sich durch Begünsti-gung der seit 68V verdammten Lehren der Monotheletcn verhaßt und wurde schon713 abge-setzt und geblendet. Sein Nachfolger Anastasius 11. begab sich 716 in ein Kloster, da dasgegen die Araber bestimmte Heer sich gegen ihn empörte und Theodosius III. als Kaiser aus-rief. Dieser legte 717 die Krone nieder, als Leo, ein Jsaurier und Feldherr der Truppen desOrients, ihn nicht anerkannte und gegen Konstantinopel anrückte. Leo 111. (717741)behauptete sich auf dem Throne gegen des Anastasius Versuche, sich der Regierung wiedcrzu-bemächtigcn, und trieb die Araber von Konstantinopel zurück. Im 1.726 gab er den Anlaßzum Ausbruch der Streitigkeiten über den ihm verhaßten Bilderdienst (s.d.) und zurEntstehung der Parteien der Jkonodulen und Jkonoklasten, die über ein Jahrhundert das