Byzantinisches Reich 81
g-childeu. Immer mehr und mehr entschwindet aus den Gestalten der byzantin. Kue.st dieRcminiscen; des Lebens, und nichts bleibt zuletzt übrig als die tobte mumienhafte Hülle.Jndeß hatte diese Hülle doch einst einen lebendigen Geist eingcschlosscn; sie war somit sebrwohl geeignet, eine neuerwachende Kunst von vornherein auf die würdige Fassung, auf dieangemessene Ausprägung des idealen Begriffs hinzuleiten. Dies geschah, als bei den Völkerndes Occidents (auch bei den Mohammedanern) sich das Bedürfniß nach einer künstlerischenGestaltung des Lebens wiederum geltend machte. Gewiß ist die byzantin. Baukunst, abge-sehen von einzelnen Fällen, wo man ihr System unmittelbar befolgte, wie an San-M.'.rcoin Venedig, nicht ohne Einfluß auf den Gewölbebau des Occidents gewesen; noch wichtigerals hierin war ihr Einfluß auf die bildende Kunst. Der Maler Cimabue (s. d.), der in derzweiten Hälfte des l 3. Jahrh. die erhöhte Thätigkeit der ital. Kunst einleitete, ist als einZögling byzantin. Kunstweise zu betrachten. Doch gab die Beobachtung der byzantin. Kunstnur den Anstoß; in sehr schnellem Fluge entwickelte sich der selbständige Geist der Völker desOccidents und wandelte die überlieferten Formen zu solchen um, die der unabhängige Aus-druck keiner inner» Eigenthümlichkeit sind. So höchst wichtig der Einfluß der byzantin. Kunstauf die occidental. und auf die arab. Völkerschaften war, so hat die Kunstforschung vor einigenIahrzehnden demselben dennoch zuviel Gewicht gegeben und dadurch für die kunsthistorischeBetrachtung des Mittelalters einen schiefen Gesichtspunkt aufgestellt. Durch die jüngstekunsthistorische Kritik sind diese Jcrthümer aber bereits beseitigt. Man hat erkannt, daß Das,was wir bei uns längere Zeit als byzantin. Baustil bezeichnten, im Wesentlichen von Byzan-tinismen frei ist; auch hat man bereits angefangen, dafür den passenden, Namen einesroman. Baustils zu gebrauchen. Ebenso ist man dahin gekommen, bei der arab. Baukunstnur einen sehr bedingten byzantin. Einfluß anzuerkennen. So auch findet man die Bezeich-nung einer byzantin.-niederrhein. Schule, mit welcher in der Boissere'e'schen Gemäldegaleriedie vornehmlich dem l 3. Jahrh. angehörigen Werke der altköliyschcn Schule benannt wurden,nicht mehr gültig, indem hier die traditionellen, allerdings zwar durch die Byzantiner über-lieferten Typen doch in demselben Grade durch den german. Volksgeist umgewandelt erschei-nen, wie in der ital. Kunst seit Giotto (s. d.). Für die Werke des Letztern und seiner Nach-folger ist nie die Benennung einer byzantin. Schule zur Anwendung gekommen.
Byzantinisches Reich, auch das oströmische, morgenländische, griechische Reichgenannt, entstand, da Theodosius der Große bei seinem Tode 3S5 das röm. Reich unter seinebeiden Söhne Arcadius und Honorius theilte, und umfaßte damals die Länder, welche zu denbeiden Präfecturen Oriens und Jllyricum gehörten, nämlich in Asien Syrien, Kleinasien,Pontus am Schwarzen Meere, in Afrika Ägypten, in Europa die Halbinsel südlich derDonau, die in die Provinzen Thrazien, Müsien, Makedonien und Griechenland zerfiel, undKreta. Dieses Reich erhielt derältesteSohn des Theodosius, der schwache Arcadius (s. d.),für welchen anfangs, da die Gothen unter Alarich (s. d.) Griechenland verheerten, seinMinister Rufinus, nachher als dieser, durch Stilicho, d^Rcichsverweserdes weström. Reichs,gestürzt worden war, der Verschnittene Eutropius, endlich nach dessen Sturz des RufinusMörder, Gainas, regierten. Der Letztere fand, als er selbst nach der Krone strebte, 301 seinenUntergang, und nun herrschte des Kaisers Gemahlin, die schamlose, habsüchtige Eudoxia, biszu ihrem Tode im I. 301. Dem Arcadius folgte sein minderjähriger Sohn Theodosius II.,(308—350), unter der Leitung desPräfcctus Prätorio Anthemius, der nach sechs Jahren dieVerwaltung des Reichs der Schwester des Kaisers, Pulcheria, übertrug, welche unter demTitel einer Äugusta derselben kräftig und umsichtig Vorstand, während ihr Bruder von allerTheilnahme an der Negierung entfernt gehalten ward. Das westliche Jllyrien, welches Pan-nonien, Dalmatien und Noricum umfaßte, ward von dem durch Theodosius im 1.323 ein-gesetzten weström. Kaiser Valentinian HI. abgetreten, und auch im Osten, wo der FeldherrÄrdaburius glücklich gegen die Perser gefachten hatte, vergrößerte sich das Reich durch einenTheil Armeniens. Aber Thrazien und Macedonien konnten zogen Attila, der diese Landernamentlich im J. 337 verwüstet hatte, nur durch Tributzahlungen gesichert werden. Nach»cs Theodosius Tode vermählte sich Pulcheria mit dem sechzigjährigen Senator Marcianue»(350-357), dessen Festigkeit Attila von den Grenzen des Reichs abhielt; durch den Ober-Eonv.-k«x. Neunte Aust Hl. ^