80 Byzantinische Kunst
giusPhranza, Paulus Silentiarius, Eeorgius Pisida, Niccphorus Patriarch«, TheovhaneS,Joannes Kameniata,Syn:eon Magister, Thcophylactus Simocatta, Gcnesius undZosimus.Vgl. Hanke, „Ile b^sntinarum rerum scrijworibus Arnec." (Lp;. 1677, 4 ).
Byzantinische Kunst. Die seit Konstantin dem Großen an die Stelle des altenRom getretene neue Kaiserstadt Byzanz suchte es der alten an dem Glanze der künstlerischenDenkmale gleichzuthun; dorthin zogen sich, in stets wachsender Zunahme, die künstlerischenKräfte der alten Welt zusammen, dort erhielt sich ein mannichfach künstlerischer Betrieb,während Kräfte und Thätigkeit im alten Rom, wie im gesammten Occident, unter dengewaltigen Völkcrfiürmen und bei der Auflösung aller Verhältnisse des alten Lebens, mehrund mehr erlöschen mußten. Byzanz wurde der Herd, welcher während der dunkeln Zeitendes frühcrn Mittelalters den glimmenden Funken der Kunst, an dem sich später ein neuesLeben entzünden sollte, aufbewahrte. Bis zur Eroberung des Reichs durch die Lateiner im1.1204 dauerte jener Zustand der byzantin. Kunst, den man als ihre Blüte bezeichnen muß;erst von dieser Epoche an beginnt ihr eigentlicher Verfall, ihre wirkliche Barbarisirung. DasVerdienst der byzantin. Kunst besteht zunächst in der Erhaltung der alten Tradition, deridealen klassischen Darstellungsweise, der Elemente der Technik. Dieses Verdienst, vornehm-lich in Bezug auf die Werke der Malerei, ist erst in neuerer Zeit genügend gewürdigt worden;in diesem Betracht sind unter andern die Miniaturmalereien eines in der Bibliothek zu Parisbefindlichen Psalteriums zu nennen, welche dem 10. Jahrh. angehören und die auf David,Moses pnd die Propheten bezüglichen Darstellungen noch immer in völlig antikem Geisteund mit aUtikcr Synrbolisirung ausgefaßt zeigen. Ein zweites Verdienst besteht darin, daßdie byzantin. Kunst gewiffes'bM Geiste des neuen Zeitalters entsprechende Typen aufnahmund charakteristisch feststellte, diejenigen Typen nämlich,- in welcher sich die christliche Kunst ^von vornherein als eine eigenthümliche der heidnischen gegenübergestellt hatte. Diese Aus- ^bildung einer selbständigen, eigentlich so zu nennenden byzantin. Kunst gehört vornehmlichdem Zeitalter des Justinian, der frühcrn Zeit des 6. Jahrh. an. Für die Baukunst gab dieSophienkirche zu Konstantinopcl, welche Justinian durch den Baumeister Anthemius vonTralles aufführen ließ und deren Vollendung in das I. 537 fällt, die gesetzliche Norm; einehöhere Ausbildung des Eewölbcbaus, eine von Pfeilern und Wölbungen getragene Haupt-kuppel, der sich andere Kuppeln anrcihten, erscheint hier und an andern Bauwerken als dasvvrzüglichst charakteristische Element der byzantin. Architektur. In der bildenden Kunst ent-wickelte sich das Gesetz einer wirkungsreichcn Symmetrie und einer feierlichen Würde in derBewegung der Gestalten, welches an sich einen vortheilhaften Gegensatz gegen die zerfahreneDarstellungsweise des spätröm. Alterthums ausmacht; zugleich erhielt jene geistvolle Sym-bolik, welche schon die frühesten Bildwerke christlichen Inhalts auszeichnet, hier ihre weitereAusbildung. Bei alle Dem aber fehlte cs der byzantin. Kunst, wie dem ganzen Staatslebendes oström. Reichs, an dem wahren innerlichen Lebensprincip; trotz dieser ersten Mani-festationen eines cigcnthümlich selbständigen Sinnes gewahren wir hier doch keine weitereEntwickelung, keinen Fortschritt in dem Begonnenen. So wenig jene unmittelbaren Über-lieferungen der antiken Kunst, die man in den Zeiten des Verfalls der letztem aufgenommenhatte, zu einer neuen Belebung de§ elastischen Sinnes führten/ ebensowenig vermochte mandas Eigene zu einer Höhen: Organisation zu entfalten; den Mangel der letztem wußte manlediglich nur durch Puh und Schmuck im Sinne des Orients, oft in höchst überladender Weise,zu ersetzen. Jenes merkwürdige Gewölbesystem der byzantin. Architektur blieb doch ohneinnere Entwickelung, wieviel buntes Säulenwerk, wie prächtige Stoffe, wie reichen bildne-rischen Schmuck man damit auch verband. Jene symmetrische Feierlichkeit der Gestaltenerstarrte dennoch unter dem Zwange eines höfischen Ceremoniels, unter den Lasten desPrunk-Costums, mit denen man sic umgab, unter dem Schillcrglanze des Goldes, das manzu ihrer Ausstattung anwandte. Für diejenigen Gestalten zwar, deren Bildung bereits inden frühesten Zeiten christlicher Kunstübung festgestellt war, namentlich für die des Heilandsund der Apostel, behielt man den antiken Zuschnitt und selbst die äußere antikisirende Behand-lungsweise bei; einen um so auffallender:: Gegensatz aber bildete die Darstellung der Figuren,die man erst später in die Kunst einführte, und um so schärfer fühlt der Beschauer, bei dernaiven Zusammenstellung beider, die Unfähigkeit, ein künstlerisches Ganze als solches durch-