76 Byron (George Noel Gordon, Lord)
erste unter jenen berühmten Weltumseglern (Wallis, Carteret und Cook) war, welche beiihren Unternehmungen nicht blos einen kaufmännischen, sondern auch einen wissenschaftlichenZweck hatten. Später erhielt er als Admiral während des amerikanischen Kriegs ein Com-mando i» Westindien. Nach London zurückgekehrt, starb er daselbst > 7 86.
Byron (George Noel Gordon, Lord), der Enkel des Vorigen, ist unstreitig der größteDichtergenius, den England seit Shakspeare und Milton hervorgebracht, mehr aber imAuslande als in seinem Vaterlande gewürdigt, wo die konventionelle Sitte noch immerseine Werke, ja sogar seinen Namen mit einem Bann in den socialen und Familienkreisenbelegt hat. Da er einen Zusammenhang seiner Familie mit den sranz. Birons behauptete,so sprach er seinen Namen nicht englisch, sondern französisch aus. Von mütterlicher Seite(daher er sich Gordon nannte) war er mit dem schot. Königshause verwandt. Sein Vater,des Commodore einziger Sohn, der tolle Hans B. genannt, seines unordentlichen Wandelswegen berüchtigt, verließ seine zweite Frau mit ihrem unmündigen Sohne und starb im Aus-lande 1791. Gcb.zuDovcram22.Jan. 1788,verlebte B. einen Theil seiner Jugend in denromantischen Gegenden Schottlands, unter der schwachen Obhut seiner von ihm zärtlich ge-liebten Mutter. Nachdem er durch den Tod seines Großoheims, des Lords B., in denBesitz der Stammgüter seiner Familie gekommen, ward er unter der Aufsicht seines Vor-mundes, des Grafen von Carlisle, erzogen. Auf der Harrowschule und in Cambridge lebteer ganz der Dichtkunst. Schon in seinem 13. Jahre schrieb er ein Drama, das er aber wiederverbrannte, unb M et in seinem 19. Jahre Cambridge verlassen, gab er„8oursvkidleness"(Newark 1897) heräus- die in dem „siidin burLÜ revien " durch den nachmaligen Lord Broug-ham eine bittere Kritik erfuhren, gegmbii B. seine berüchtigte Satire „Lnglisll bards undscotcll reviewors" richtete, die er später gern vergessen gemacht hätte. Eine andere Jugend-arbeit waren die „Imitations and translasions trom tlls sncient snd modern classic«togetker nitli original poems" (1809). Noch auf der Harrowschule faßte er eine leiden-schaftliche Neigung zu Miß Chaworch, deren Vgtcr von B.'s Großoheim im Zweikampfegetödtct worden war. Die ältere Dame zog dem knabenhaften Verehrer einen andern Be-werber vor. Tief dadurch verwundet, stürzte sich B. in Zerstreuungen und Ausschweifungenund schwächte seine Gesundheit wie sein Vermögen. Von seinen poetischen, grauenvollenOrgien in den Zellen der berühmten Newstead-Abbey, die er ererbt, weiß die Sage mehr alsdie beglaubigte Geschichte. Er war die Seele der Gesellschaft, aufgelegt zu jedem kühnenSpiele; nur den Freuden des Tanzes mußte er wegen seines Klumpfußes entsagen. Baldaber ekelte ihn die Monotonie des Vergnügens an. Nachdem er 1809 volljährig geworden,nahm er seinen Sitz im Hause der Pairs, Er mußte sich selbst, was gegen die Sitte ist, ein-führen; so hatte schon damals sein gesellschaftlicher Nus gelitten. Er nahm auf deü Op-positionsbänken seinen Platz, besuchte aber nur wenige Male das Haus. Die, eine Rede, dieer hielt, war unbedeutend. Unter den Vertretern der alten Satzungen war nicht sein Platz.In Gesellschaft seines Freundes John Cam Hobhouse machte er 1810 eine Reise durchPortugal, Spanien und Griechenland, die in den beiden ersten Gefangenes „Onido Ulsrold"(1812) beschrieben ist. Damals durchschwamm er den Hellespont. Im 1.1811 nach Eng-land zurückgekehrt, glänzte er in den ersten Cirkeln der Hauptstadt, und cs stieg nun sein Ruhmals Dichter ebenso schnell als die Bewunderung, die er in den Kreisen oer gebildeten Welterregte, wozu die gehcimnißvollen Beziehungen viel beitrugen, in welche man seine Persön-lichkeit mit den Charakteren seiner Dichtungen brachte. Schnell nacheinander erschienen„Urs Oiaour" ,,1'bo lrrids ok ^d^dos", „Tire corssir", „T>ara", „ksrisina", „Tire siege«5 cioriotk", und einige kleinere Arbeiten, wie seine Ode an Bonaparte. Im Jan. 1815vermählte er sich mit Anna Jsabella, der einzigen Tochter des Sir Ralph Milbank Noel,von der er aber schon im folgenden Jahre, nachdem sie ihm eine Tochter geboren, gerichtlichgeschieden wurde. Die Ursachen dieser Scheidung liegen noch im Dunkeln; nach den Be-richten der Zeitgenossen veranlaßte dieselbe von Seiten der Gattin eine in diesem Fall un-begründete Eifersucht, nach einem spätem Briefe der Lady B. an Moore der Verdacht, daßihr Gatte sinnverrückt sei. Mit dieser Trennungsgeschichte war B.'s Ruf vor der Gesell-schaft in London verwirkt und seine durch Prunk und Verschwendung zerrütteten Vermö-gensumstände trugen nicht wenig zu seiner Verstimmung bei. Bald nachher trat er seine