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3 (1845) Buchholz bis Czongrad
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Byron (George Noel Gordon, Lord)

zweite Reise an, um nicht mehr nach England zurückzukehrcn. Der Beschreibung seinerReise durch die Niederlande, die Schweiz und Italien sind die beiden letzten Gesänge desLliiltls Harold" gewidmet. Er lebte von nun an in Italien, in einer einsamen Abteibei Venedig, in einigen benachbarten Küstcnorten des Adriatischen Meers und eine Zeitlang auf einer der Inseln im Archipel. Von Venedig ließ er sich alle Morgen nach demFestlande übersetzen, um wilde Pferde zu bändigen, da er ein leidenschaftlicher und vorzüg-licher Reiter war. Später reiste er nach Rom und lebte nachher zu Ravenna mit der schönenGräfin Guiccioli in einem vertrauten Verhältnisse. Als deren Vater und Bruder, dieGrafen Gamba, wegen carbonarischer Umtriebe aus Ravenna verbannt wurden, nahm B.die ganze Familie unter seinen Schutz und ging mit ihr nach Pisa, wohin ihm die Gräfin,welche sich von ihrem Gemahl getrennt hatte, folgte. Als die Grafen Gamba auch in Pisanicht mehr geduldet wurden, führte B. sie 1822 nach Genua, wo Alle vereinigt lebten, bisdas Schicksal der Griechen ihn im Aug. 1823 nach Mifsolunghi zog, um dort sein Leben zubeschließen. Hier bildete er in Mifsolunghi, nachdem er schon vorher von Kephalonia ausder griech. Negierung 1200V Pf. St. zur Unterstützung der bedrängten Stadt übersendethatte, eine Brigade von Sulioten, von welchen 500 in seinem Solde standen, und hatte dieAbsicht, einen Zug gegen Lepanto zu unternehmen. Doch wie es seinem Feuereifer nicht ge-lang, Eintracht unter die Führer der Griechen zu bringen, so vermochte er auch nicht, seinezuchtlosen Scharen zum Gehorsam zu bringen. Diese traurige Wahrnehmung ergriff seinGemüth so lebhaft, daß er im Febr. einen epileptischen Anfall bekam. Noch schwach, zog ersich im Apr. auf einem Ritt bei Regenwetter ein Entzündnngsfieber zu, woran er in Misso-lunghi am 10. Apr. 1824 starb. Ganz Griechenland trauerte um ihn 21 Tage und bewahrtl sein Herz in einem Mausoleum zu Mifsolunghi. Der Graf Pietro Gamba, der ihm nach

s Griechenland gefolgt war, führte die irdischen Überreste seines edlen Freundes nach England,

wo sie in der alten Newstead-Abbey, die ein Freund B.'s erkaufte und zu dessen Ehren wiederin den ehrwürdigen Stand setzte, wozu B.'s Mittel nicht ausrcichten, beigesetzt wurden,und gab aus dessen Tagebuch dieNarrative ok lord R.'s last jonrne^ to Lreece" (Lond.1825) heraus. B. hinterließ eine Tochter, Ada, und eine Halbschwester, Mistreß Ligh,sein Vetter, der Schiffscapitain George AnsonB., bekannt durch cineNeise in die Südsce,erbte den Lordstitel.

Nach B.'s zweiter Abreise aus England erschienen von ihm die beiden letzten GesängedeS6bllds varold", ferner ,,'1'Im prlsoimr ol eblllon", das dramatische Gedicht5lan-tred", die venctianische Novelleveppo", dannl>Ia-mppa",von llnan", die dramati-schen Dichtungenlllarino Lalmri",Lardanapal",Um lwo l^oscarl",Kain",llea-ven and eartl»",Werner",Idie Island, or ('liristian and bis cowrades" (Lond. 1823)und kleinere Gedichte. In Verbindung mit Leigh Hunt und Percy Bysshe Shelley beganner 1822 eine periodische SchriftUm liberal", die dem Verleger in England eine Anklagezuzog. Seine Werke wurden in fast alle lebende Sprachen vielfach übersetzt; bei derSchwierigkeit, Eigenthümlichkeit und Kürze seiner Ausdruckswelse ist es nicht zu verwun-dern, daß noch keine ganz genügende deutsche Übersetzung erschien. Sein Einfluß apf diemoderne Dichtung war von welthistorischer Bedeutung. Er war der Erste, der mit so mäch-tigen Tönen die Disharmonien der Natur und des Lebens wieder klingen ließ in der Dich-tung, Töne, die nach ihm wie eine Sündflut in die Dichtung einbrachen. So sind nament-lich die neuern russ. Dichter fast nur ein Wiederhall von ihm. Aber er erscheint unter denZerrissenheitssängern auch wie ein letzter Gigant, ein Aristokrat unter lauter Demokraten,der im Untergange der Dinge, wie sie sind, sichberauscht, aber weder Verlangen noch Ah-nung einer bessern Möglichkeit in sich trägt. Über allen Gebilden B.'s schwebt ein trüber,drückender Himmel, der keine Aussicht nach einem heitern, Hellen Jenseit gestattet. Das oftgebrauchte Wort gloomx ist daher von ihm zur feststehenden Bezeichnung gestempelt. Unheil-barer Schmerz, starr verzweifelndes Leiden, Lebensüberdruß und Menschenhaß ohne Sehnsuchtund ohne Hoffnung auf ein besseres Dasein und ein geläutertes Menschengeschlecht sprechenuns klagend oder verspottend aus allen seinen Gedichten an; daneben zwar flammende Begei-sterung für die Herrlichkeit der Vorwelt, Freiheitswonne und Tyrannenhaß und gigantischerTrotz aufMenschcnkraft, aber eben nur wie sie ein hrit. Aristokrat empfindet. Seine Phantasie