Druckschrift 
3 (1845) Buchholz bis Czongrad
Entstehung
Seite
66
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60 Büsching (Joh. Gnst. Gottlieb)

1724 zu Stadthagen im Schaumburg-Lippischen geboren, wo sein Vater Advocat war,durch dessen Harte er sehr viel zu leiden hatte. Auf dem Waiscnhausc zu Halle vorgcbildet,studirte er seit 1744 daselbst die Theologie, wobei er an Baumgarten einen Freund, Be-schützer und Wegweiser fand. Nach vollendeten Studien fing er an, Vorlesungen auf derUniversität zu halten, ging aber 17 4 8 als Erzieher beim Grasen Byron nach Petersburg unddann nach Kopenhagen. Im 1.1754 erhielt er eine außerordentliche Professur der Philoso-phie in Göttingen und verheirathete sich im folgenden Jahre mit Christiane Dilthey, welchenicht nur von der Göttinger gelehrten Gesellschaft als Ehrenmitglied ausgenommen, sondernauch von dem damaligen Prorector der Universität zu Helmstedt, Häberlin, zur kaiserlichengekrönten Dichterin ernannt wurde. Um diese Zeit schrieb er zur Erlangung der theologischenDoctorwürde eine Abhandlung, in welcher er sein von dem kirchlichen etwas abweichendesSystem darlegte. Die Folge davon war, daß er der Heterodoxie beschuldigt und ihm 1757durch ein Rescript untersagt wurde, ferner theologische Vorlesungenzu halten und ohne Erlaub-niß des Geheimen Conciliums zu Hannover theologische Schriften drucken zu lassen. B. ver-theidigte sich in ernstem freimüthigcn Tone, wodurch die Sache nur noch mehr Aufsehen er-regte. Obgleich nach und nach die unangenehmen Folgen, welche dieses Ereigniß für ihnhatte, sich verloren, und er 1705 sogar zum ordentlichen Professor der Philosophie ernanntwurde, so war ihm dadurch der Aufenthalt in Eöttingen doch sehr verleidet worden. Alsnun hierzu noch die Drangsale des Siebenjährigen Kriegs kamen, die Göttingen hart trafen,so nahm er 1761 einen Nus als Prediger bei der protestantischen Pctersgemeinde in Peters-burg an. Ungeachtet der guten Ausnahme, die er dort anfangs fand, und seines rastlosenBestrebens, seinem Amte tvurditz' vvr^Okkeu . bildete ück doch eine Partei, die allen seinenSchritten entgegenstrebte, sodaß er sich 1765 bewogen fühlte,-seine Entlassung zu nehmvn,obgleich die Kaiserin Katharina ihm den Antrag machen ließ, mit Ablegung seiner theolo-gischen Würde bei der Akademie einzutreten und sich seinen Gehalt selbst zu bestimmen. Erwählte Altona zu seinem Aufenthalt, um dort seine schriftstellerischen Arbeiten fortzuschcn,wurde aber schon 1766 als Oberconsistorialrath und Director des Gymnasiums im GrauenKloster zu Berlin berufen. Hier lebte er in geräuschloser, aber wahrhaft bewundernswürdigerThätigkeit und starb am 28. Mai 1773. Bis zum Erscheinen von B.'sErdbeschreibung"(Th. l11, Abth. I, Hamb. 175402), deren erste Theile mehre Auflagen erlebten,die aber jetzt in Folge der veränderten politischen Eintheilung unbrauchbar geworden ist,hatten weder die Deutschen noch irgend eine andere Nation ein geographisches Werk, dasauf wissenschaftliche Behandlung und auf einige Vollständigkeit Anspruch machen konnte.Fortgesetzt wurde dieselbe von Sprengel und Wahl (LH. 11, Abth. 24, Hamb. 18027),von Hartmann (Th. 12, Abth. I, Hamb. 1700) und von Ebeling (Th. 13, Bd. 16,Hamb. 18603). Unter seinen andern überaus zahlreichen Werken erwähnen wir nurdasMagazin für Historie und Geographie" (2 5 Bde., Hamb. 17 6 703,4.),Beiträgezur Lebensgeschichte merkwürdiger Personen" (6 Bde., Hamb. 178380) undNeuesteGeschichte der Evangelischen Brüderconftssioncn in Polen" (3 Bde., Halle 178487, 4.).

Büsching (Joh. Gust. Gottlieb), ein um die altdeutsche Literatur, die deutsche Kunstund Alterthumskunde sehr verdienter Schriftsteller, der Sohn des Vorigen, geb. zu Berlinam 10. Sept. 1783, machte seine Schulstudien zu Berlin und die akademischen zu Erlangenund Halle, worauf er 1806 Referendar bei der Regierung in Berlin wurde. Frühzeitig vonder deutschen Kunst und Alterthumskunde angezogen, erhielt er 1810 den Auftrag, die säcu-larisirten Stifter und Klöster zu bereisen, um die in denselben verwahrten wissenschaftlichenund Kunstschätze zu übernehmen, dem er sich mit Umsicht und Eifer unterzog. Hierauf wurdeer 1811 königlicher Archivar zu Breslau, habilitirte sich 1816 bei der dasigen Universität underhielt 1817 eine außerordentliche und 1823 die ordentliche Professur der Alterthums-wissenschasten. Die Archivarstelle legte er 1825 nieder und starb am 4. Mai 1820. Gleichseinem Vater hat er eine erstaunenswerthe schriftstellerische Fruchtbarkeit entwickelt; nament-lich nahm er das lebhafteste Interesse an Allem, was in das Gebiet des germanischen Lebensim Mittelalter einschlägt. Auch ward er der Begründer des Vereins für schles. Geschichteund Alterthümer und war bis zu seinem Tode dessen thätigstes Mitglied. Mit von der Hagengab er herausSammlung deutscher Volkslieder" (Verl. 1807),Buch der Liebe" (Bd. :,