Druckschrift 
3 (1845) Buchholz bis Czongrad
Entstehung
Seite
63
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Burschenschaft 6,'!

beschlossen, die sich über alle Hochschulen Deutschlands verbreiten und deren Angelegenheitenein jährlich wechselndes Direktorium besorgen sollte. Schon im Oct. 1818 traten die Burschen-schaften von 14 Universitäten zusammen und vereinigten sich über eine gemeinschaftlicheConstitution. Auf sogenannten Burschentagen wurde» hiernach die gemeinsamen Angele-genheitcn berathen und, von einer Versammlung der Abgeordneten zur andern, eine geschLftS-führende Burschenschaft gewählt: eine Form, die sich in ihren wesentlichen Bestimmungenbis auf die neuere Zeit erhalten hat. Zugleich wurden die früher« Reichsfarben, schwarz,roth und golden, als Verbindungsfarben angenommen. Bis zum Frühjahr 1819 bestandenbereits Burschenschaften auf allen deutschen Hochschulen, mit Ausnahme derjenigen Ostreichs,sowie der Universitäten zu Landshut und Göttingcn. Es war natürlich, daß diejenigen Mit-glieder, bei denen sich ein lebhafteres politisches Interesse zeigte, näher zusammentraten. Inmehren Burschenschaften bildeten sich daher engere Vereine, und in diesen kleinern und ab-geschlossenen Kreisen des akademischen und gesellschaftlichen Lebens war es um so leichtermöglich, daß sich bei wenigen Einzelnen die Aufregung bis zu einem gewissen politischenFanatismus steigerte. Nach der Ermordung Kotzebue'S (s. d.) durch Sand (s. d.), einehemaliges Mitglied der Burschenschaft, wurde diese in Folge der Karlsbader Be-schlüsse (s. d.) für aufgelöst erklärt, und auf fast allen deutschen Universitäten wurden weit-läufige, aber nur sehr dürftige Ausbeute liefernde Untersuchungen wegen sogenannter dema-gogischer Umtriebe geführt. Bei Jünglingen, die in denselben Städten, in denselben Hör-sälen zusammenkamen, die wenigstens zum Theil von den politischen Strömungen ihrer Zeitnothwendig ergriffen waren, lag es indessen viel zu sehr in der Natur der Sache, sich auchäußerlich aneinander anzuschließen, als daß man von den gegen die Burschenschaften gerich-teten Verboten irgend Erfolg erwarten durfte. Daher geschah es, daß schon ein Jahr nachder Vollziehung der auf die Karlsbader Beschlüsse gegründeten Bundesbeschlüffe die früher«Verbindungen an vielen Orten wieder förmlich sich bildeten, und daß sie fortan, da sie inkeiner Weise mehr öffentlich hervortreten durften, auf mehren Hochschulen den Charaktergeheimer und eigentlich politischer Verbindungen annahmen. So entstand der Jünglings-bund. (S. Geheime politische Verbindungen.) Eine Politik, die sich über denBegriff des Staats als einer blos hemmenden Policeianstalt nicht zu erheben vermochte, diesich nicht an die Spitze einer in der Geschichte der Neuzeit wurzelnden organischen Bewegungzu stellen wagte, die eben dadurch zum Hochverrats» reizte, um ihn später zu bestrafen, ver-suchte es, nach der Entdeckung dieses Jünglingsbnndes, mit wiederholten Verboten und ge-schärften Strafandrohungen, und auch diesmal mit der gleichen Erfolglosigkeit. Wasman verhindern wollte, breitete sich nur über größere Kreise und entzog sich, im Dunkeleines anfgezwungenen Geheimnisses, der Controle einer besonnenen öffentlichen Meinung.Schon aus dem I. 1827 zeigten sich wieder die ersten sichern Spuren eines neuen Ver-bands der allgemeinen deutschen Burschenschaft. Derselbe Gegensatz, der sich schon in derEntstehung der engern Vereine innerhalb der größern Verbindungen offenbart hatte, tratjetzt schärfer hervor. Es entstand eine Partei derGermanen, die eine mehr praktisch-politischeRichtung verfolgte und auf das Ziel einer politischen Einheit Deutschlands geradezu los-ireuerte, neben jener Partei der Arminen, der es zunächst nur um ideale Einheit und, alsMittel zum Zwecke, um ihre eigene wissenschaftliche, sittliche und körperliche Ausbildunggalt.' Der Streit zwischen beiden Parteien kam schon im Sept. 1827 aus dem Burschen-tage zu Bamberg zur Sprache und bildete bis zu dem in Frankfurt im Sept. 1831 denHauptgegenstand der Verhandlungen. Wie meist die lebendig regsamere Thatkraft selbstüber eine größere, aber unentschlossen zögernde Masse den Sieg davonträgt, so unterlagenauch die Arminen, obgleich sie an mehren Hochschulen der Zahl nach überwogen. Siewurden von dem durch die Burschcntage vertretenen allgemeiner» Verbände verworfen. Ingleichem Sinne ward auf dem Burschentage in Dresden zu Ojtern 1831 die breslauerBurschenschaft, die sich zur Aufnahme in den allgemeinen Verband gemeldet hatte, mit ihrerVerwahrung gegen staatsverrätherische Tendenz und gegen das Bestreben zur Umänderungbestehender Staatsverfassungen dahin beschieden, daß eine solche Verwahrung unzulässig sei,weil den Einzelnen ein unmittelbares Einwirken als eine Pflicht gegen das Vaterland er-scheinen könne, wenn es gleich niemals Sache der Burschenschaften, als bloßer Studenten-