Burke (Edmund) 55
gcb. zu Mendorf a» der Werra, war in frühem Jahren Mönch. Später bekannte er sichzur protestantischen Kirche, deren eifriger Vertheidiger er ward, und durchwanderte dannunstät einen großen Thcil Europas. Nach seiner Rückkehr wurde er Kaplan der Land-gräsin Margaretha von Hessen und starb, wie es scheint, nach 1555 als Pfarrer zu Abte-rode, einem unweit seiner Vaterstadt gelegenen Dorfe. Sein „EsopuS, gantz new gemachtvnnd in Reimen gefaßt, mit sampt hundert newer Fabeln, vormals im Druck nicht gesehennoch außgangen" (Franks. 1548; 5. Aust., 1584), 400 Fabeln, Erzählungen und Schwänke,zum großen Theil den Übersehern Äsop's und andern alten Fabeldichtern nacherzählt, zeich-net sich durch Laune, treffende und frcimüthige Satire aus und ist nicht ohne Eigenthümlich-kcit in einer leichten und fließenden Sprache bearbeitet. Hauptsächlich war seine Polemikgegen die Geistlichkeit gerichtet. Ermüdet er auch hier und da durch Geschwätzigkeit, so istdies weniger ihm als seiner Zeit beizumessen. Während seines Aufenthalts im Gefängnisse,wohin ihn seine Frcimüthigkeit brachte, schrieb er eine Paraphrase der Psalmen. Nicht blosältere Dichter, wie Rollenhagen, scheinen ihn benutzt zu haben, auch mehre der besten neuernFabeldichter, wie Geliert, Zachariä, Hagedorn, verdanken ihm den Stoff, zum Thcil selbstdie Einkleidung einiger ihrer gcpriesensten Gedichte. Eine Auswahl seiner Fabeln lieferteEschenburg (Braunschw. 1777).
Burke (Edmond), einer der geistvollsten Staatsmänner Englands, vielleicht dessengrößter Redner, daher zuweilen der engl. Cicero genannt, behauptet durch die doppelte mitder äußersten Energie des Geistes durchgeführte Opposition, zu Gunsten der amcrik. Eo-lonien gegen das damalige Ministerium und gegen die franz. Revolution, ln der Welt-geschichte einen bedeutenden Platz. Er wurde am l. Jan. 1730 zu Dublin geboren, wosein Vater Sachwalter war, und erhielt seine erste Erziehung durch einen wackern Quäker,Abr. Shackleton. Nachdem er im Trinity College zu Dublin sich bis 1740 vorzüglich mitelastischer Literatur, Philosophie und Geschichte beschäftigt, begann er 1750 zu London dasStudium der Rechtswissenschaft. Trotz der seinem Geist und seinen Kenntnissen gezolltenAuszeichnung, zog ihn seine Neigung zur Literatur von dem gewählten Berufsstudium ab.Das erste Werk, zu dem er sich bekannte, war die „Vmckicatiou oknatural societz" (1756),die er als ein nachgelassenes Werk Bolingbroke's hcrausgab, dessen Stil und Manier ermeisterhaft nachgeahmt hatte. Seine Absicht war, zu zeigen, daß mit denselben Gründen,mit welchen Bolingbroke die Religion angegriffen, sich alle bürgerlichen und politischen Ein-richtungen angreifen ließen; doch war er dabei so gründlich in die Sache cingegangen, daßden Meisten die Satire entging. Gleichzeitig erschien sein „klülosopliical in^uirz- iuto tlie»IIAM ok aur ickeas ok tlie sublime sink bssutikul". Die Ansichten, die er in dieser Schriftüber den Grund des Wohlgefallens an dem Erhabenen und Schönen aufstellte, haben auchauf Kant's ästhetische Forschungen gewirkt. Während er, seit 1758, das „.änuual register"mit herausgab, bildete er sich in der Stille allmälig zum Redner und Staatsmann undnahm bei Garrick Unterricht in der Declamation. Im I. 1765 ward er vom Marquis No-ckingham, erstem Lord der Schatzkammer, zu dessen Privatsecrctair ernannt und gleichzeitigals Abgeordneter des Fleckens Wcndover ins Parlament gewählt. Ein beträchtliches Ge-schenk, welches Nockingham ihm unter dem Namen eines Darlehns gemacht haben soll,brachte ihn auf die Seite der damaligen Ministerialpartei, welche ihn aber nicht nöthigte,von seinen liberalen Ansichten abzugehen. Damals fingen an die Irrungen mit Amerikadie ganze Nation zu beschäftigen. B. sprach in seiner ersten Rede, am 14.Jan. 1766, gegendie Stempeltaxe und erwarb sich dadurch den Beifall Pitt's. Seinem Vorschläge gemäßward die Stempelacte mit der Erklärung zurückgenommen, daß Großbritannien übrigensallerdings das Recht habe, Amerika zu besteuern, wodurch wenigstens für den Augenblick dieStreitigkeiten beseitigt wurden. Nach der Auflösung des Ministeriums Rockingham schrieber die Flugschrift „ä sbnrt accouat ok a late sbort ackministration" und trat nun wiederzur Opposition über, in deren Reihen er während der kräftigsten Zeit seines Lebens mit Be-geisterung kämpfte. Er focht energisch gegen die Verletzung des Wahlrechts und gab die fürdie Geschichte seiner politischen Laufbahn wichtige Schrift „IRougkts ou tlie cause ok «depresent cliscontents" heraus, worin er seine Ansichten über die engl. Verfassung darlegteund alles Unheil dem Versuche zuschrieb, durch heimlichen Einfluß zu regieren. Der aristo-