Druckschrift 
3 (1845) Buchholz bis Czongrad
Entstehung
Seite
54
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si4 Burgunderweine Burkard Waldis

Maria, die unter den sieben Prinzen, welche um sie warben, sich den ritterlich schönen Maxi-milian von Ostreich gewählt hatte. Der König Ludwig Xl. von Frankreich bekam von derburgund. Erbschaft nichts als die Städte.in der Picardie und das Hcrzogthum Bourgogne,das er als Mannlehn einzog. Maria starb schon in ihrem 25. Jahre an den Folgen einesFalls, nachdem sie ihrem Gemahl drei Kinder, Philipp, Margaretha und Franz, geborenhatte, von denen aber der Letzte sehr bald starb. Nach Maria's Tode wollte Maximilian sogleich,als Vormund der Kinder, die Zügel der Negierung ergreifen; aber ein Theil der burgund.Provinzen widersetzte sich diesem Vorhaben, am hartnäckigsten die Flanderer, welche Maxi-milian sogar einmal über drei Monate lang in Brügge gefangen setzten. Endlich erkanntenihn die Flanderer als Vormund seines Sohns Philipp und als Negierungsverweser an,und als dieser Sohn frühzeitig starb, fielen diese Länder später an Karl V. und an dessenSohn, Philipp von Spanien. Von jener Zeit der burgund. Erbschaft an verliert sich dieGeschichte dieser Länder theils in die Geschichte derNiederlande (s. d.), theils in die Frank-reichs. Im madrider Frieden trat zwar Franz I., um seine Freiheit wiederzugewinnen,das Herzogthum B. ganz an den Kaiser Karl V. ab, aber die Stände von B. entschieden,daß der König gar nicht das Recht gehabt, ihr Land abzutreten, und Franz selbst erklärte seinVersprechen, weil es erzwungen, für nicht verbindlich. Deshalb sah Kaiser Karl V. sich genö-thigt, im Frieden von Cambray l 529 seine Ansprüche auf das Herzogthum B. fallen zu lassen.Ein Theil von B., die Franche-Comte, ward 1493 von König Karl VIII. von Frankreichan Maximilian abgetreten, von Ludwig XIV. aber 1678 im nimweger Frieden wiederer-worben. Seitdem sind beide Tbeile B.s nicht wieder von Frankreich getrennt worden. Vgl.Barante,Histoirs «Iss <>ncs <!s UsU» waiso u <le Villois" (10Bde.,Par. 1824).

Burgunderweine gehören zu den vorzüglichsten fräN;'. Weinen. Sie sind meist rotheWeine, seltener weiße und haben einen seinen, eigenthümlichen, sehr reizenden Geschmack,wenn sie nicht zu jung sind. Ihre Wirkung ist minder rasch als die des Champagners, aberanhaltender; sie find nicht erhitzend und für alte und schwächliche Personen ein Stärkungs-mittel. Die Franzosen schätzen sie sehr hoch, und namentlich sind sie bei allen nord. Nationensehr beliebt. Man unterscheidet die Weine von Hoch- und Niederburgund; die letzter» sinddie bessern, indem erstere nur in feuchten Jahren gut gerathen. Mit Ausnahme der Sortenerster Qualität halten sich die Burgunderweine nicht lange, müssen jung getrunken werdenund vertragen auch den Transport nicht so gut als die Bordeauxweine. Die dem Rangeund der Qualität nach ersten Sorten sind Romanee, Mont-Nachet (weiß), Chambertin,Clos-Vougeot, St.- George und Nichebourg; nach diesen, welche im Preise am höchstenstehen, folgen die Weine von Nuits, Chassagne, Chambolle, Meursault, d' Aloxe, Beauneund der Pomard. Die Versendung der jungen Burgunderweine geschieht im März und April,die alten können das ganze Jahr hindurch versendet werden. Sie halten sich besser auf Fla-schen als auf dem Fasse. Nach Champagncrart bereitet man auch viel mussirenden Burgun-der, der aber bedeutend schwerer ist als der Champagner.

Buridan (Joh.), ein scholastischer Philosoph der nominalistischen Partei, geb. zuBe'thune in der Grafschaft Artois im 14. Jahrh., studirte zu Paris unter Occam und warddaselbst Lehrer der Philosophie. Aus unbekannter Veranlassung, oder, wie Einige meinen,wegen seines vertrauten Verhältnisses zur Königin Johanna, der Gemahlin Philipp desSchönen, soll er von Paris nach Wien geflohen sein und dort Veranlassung zur Stiftungder Universität gegeben haben. Zu den verdienstlichsten unter seinen Schriften gehören dieErklärungen des Aristoteles. In seiner Logik bemühte er sich vorzüglich, die Auffindung desMittelbegriffs in den Schlüssen zu erleichtern, weshalb man sie eine Eselsbrücke nannte.Unter Buridan's Esel versteht man das Beispiel, welches B., der sich zum Determinis-mus hinneigte, insofern er annahm, daß keine Handlung möglich sei, sobald nicht der Willedurch Etwas zum Handeln bestimmt werde, zur Erläuterung dieser seiner Ansicht gebrauchthaben soll. Er soll nämlich gefragt haben: Was wird ein Esel thun, der, von Hunger gequält,sich in gleichem Abstande zwischen zwei Bündeln Heu von gleicher Grüße und Beschaffenheitin der Mitte findet, von beiden aber gleich stark angezogen wird? worauf die natürlicheAntwort war: Er wird verhungern. B. starb nach 1358 in einem Alter von 69 Jahren.

Burkard Waldis, ein berühmter deutscher Fabeldichter und Erzähler des 16. Jahrh.,