52 Burgund
Comtek die Gebiete von Chalouö und Macon in Bourgogne, Vienne und Lyon, den südöstlichenThcil von Languedoc und einen Theil Savoyens und der Provence umfaßte und von Boso'sResidenzstadt Arles das Are latische Neich, auch von seiner Lage am Jura, das cisjura-uische genannt wurde. Im I. 885 nahm Boso, um unangefochten zu regieren, sein Reichvon Kaiser Karl dem Dicken zu Lehen, im eigenen Lande selbst aber kam Boso wegen derübermächtigen Gewalt der Großen nicht sehr zu Ansehen. Nach Boso's Tode, 887, war dieKönigin Irmengarde die schwache Stütze ihres unmündigen Sohns Ludwig zu einer Zeit,wo nach Karl des Dicken Absetzung das Frankcnrcich getheilt ward und nur das Recht desStarkem galt. So erhob sich denn auch bald, mitten unter den neuen Herrschern in Frank-reich, Deutschland und Italien, im I. 889 der Welfe und bisherige lothring.-hclvct. Statt-halter, Herzog Rudolf, Sohn des Grafen Konrad und Neffe Königs Hugo von Frankreich,zum Herrscher von Oberburgund oder des transjuranisch-burgundischen König-reichs. An der Ostseite des Jura gelegen, vereinigte dasselbe die Franche-Comte, die Schweizdiesseit des Flusses Nüß, Wallis und einen Theil Savoyens in sich. Auch Rudolf suchte imBesitze seines ncugestifteten Königreichs, wie früher Boso, dadurch sich zu befestigen, daß erdasselbe von Kaiser Arnulf zu Lehen nahm. Ihm folgte 912 sein Sohn Rudolf II. Zu-gleich entstand an der Grenze der Franche-Comte ein dritter burgund. Staat, das Herzvg-thum Burgund. Von Rudolf II. wurde 930 das arelatische Reich, welches derselbe von GrafHugo für Überlassung derHerrschaft über Italien gewonnen hatte, mit dem transjuranischenReiche wicdcrvereinigt. Nie hatte der Name der Burgunder in größer»! Ansehen gestandenals jetzt; aber unter dem folgende n Reg enten, Konrad dem Friedfertigen, litt das Reich durchdie Einfälle der Ungarn von Nhätien unb 7wrArab«v.vou dLLSüdküste Frankreichs her, sowiezugleich bei der selbständigen Macht der Großen durch innere Fehden und Raubkriege. Ru-dolf III., Konrad's Nachfolger, ließ durch Furcht vor seinen Großen und Haß zugleich sichbewegen, Kaiser Heinrich II., den Sohn seiner altern Schwester Gisela, um von ihm geschützt»u werden, als seinen Erben einzusehen, ein Erbrecht, das nachHcinrich'sll. kinderlosem Ab-sterben im 1.1024 der Franke Konrad II. mit Hinweisung auf das früher bestandene Lehns-verhältniß zwischen Deutschland und B. nun auch für sich als Kaiser geltend machte. Nachmehcfachen Kämpfen mit den mächtigen Grafen des Landes, welche Rudolfls nähern Ver-wLndten, Herzog Ernst II-, gest. 1030, und Odo II., gcst. 1037, Beistand leisteten, behaupteteer endlich glücklich seine Ansprüche und trug dieselben nach dem Erlöschen des burgund.Mannsstamms mit Rudolf III. 1032 aus seinen Sohn Heinrich III. über, der 1038 aufdem Reichstage zu Solothurn, unter Beistimmung der Großen zum König von B. gewähltund gekrönt wurde. Um diese Zeit war es, wo die burgund. Erzbischöfe und Bischöfe, um dasdurch fortwährende Fehden verwilderte B. zu beruhigen, zu Nomont in der Waadt die 1 rengaLei, den Eottesfrieden, durch welchen gewisse Tage bestimmt wurden, in denen kein Christwider den andern die Waffen erheben durste, feierlich einsetzten, welches Gesetz Konrad späterauf ganz Deutschland übertrug. Seitdem gehörte B. zu dem Deutschen Reiche und hatte seineerblichen Statthalter. Die burgund. Stände erkannten den Kaiser für ihren Oberherrn undnahmen Theil an den Versammlungen der deutschen Fürsten und Herren. Dabei aber be-nutzten sie fortwährend jede Gelegenheit, ihren Verband mit dem Reiche lockerer zu machenund ihre Rechte und Privilegien zu erweitern. Zwar stellte der kräftige Friedrich I. die kaiser-liche Herrschaft über B. noch einmal wieder her und ließ sich 1178 zu Arles krönen, alleinnach dem Untergange der Hohenstaufen wurde der Einfluß Deutschlands auf B. immerschwächer und die Verbindung der einzelnen Theile jenes Königreichs immer loser, sodaßnach Karl's IV. Tode, des letzten Kaisers, der zu Arles 1364 gekrönt worden war, B. inmehre kleine unabhängige Staaten zerfiel, welche aber bald mit Ausnahme von Savoyeizund Mömpelgard, die noch die ehemalige Verbindung mit dem Deutschen Reiche forterhieltcn,allmälig von Frankreich verschlungen wurden. Ein ähnliches Schicksal hatte das HerzogthumB., das von Richard, Grafen von Autun, einem Bruder Boso's, gestiftet wurde. Dieses schöneLand, ehemals Niederburgund, dann die Bourgogne genannt, grenzte östlich an die Franche-Comte, südlich an die Landschaft Bressc und Beaujolais, westlich an Bourbonnais und Niver-nais und nördlich an die Champagne. Nach Richard's Tode fiel das Herzogthum seinemSohne Rudolf zu, der nachmals zu Soissons zum Könige von Frankreich gekrönt 936