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Bürger (Gottfr. Aug.)
richtigen Hebel i» Bewegung gesetzt hatte, um die Balladenpoesie, für die er zuerst unter denKunstdichtcrn Deutschlands die richtige Behandlung fand und die gleichsam seine Erfindungist, in Deutschland cinzubürgern. Dagegen hat B. in manchen kleinern romanzenartigcnStücken dargethan, daß er recht wohl den Geist der echten Romanze begriffen hatte. Imeigentlichen Liede, wo er sich dem Volkstöne nähert und sich nicht, wie etwa in seinem „HohenLiede" oder in der „Nachtfeier der Venus" mit bloßer Rhetorikund dem rhythmischen Glanzebegnügt, steht B. in seiner Art einzig und vollendet da. Seine Liebesgedichte, obschon er inihnen die Liebe nicht in ihren zartem Tiefen und geistigen Elementen ergründet, sind ofthinreißend durch den vollen Klang ihrer Worte, durch ihre sinnliche und leidenschaftlicheGlut, oder sprechen als spielende Tändelei freundlich an. Wohl zu beachten ist auch der kräf-tige Mannessinn, der Haß gegen alles Schlechte, Gemeine, Despotischem manchen seiner Ge-dichte, wie er auch einer der ersten Deutschen war, welche die exclusive Gelehrsamkeit, denGelehrtenstol; und die wissenschaftliche Pedanterie herzhaft angriffcn. B. ist als einer derSprachschopfer des vorigen Jahrh. zu betrachten; nicht nur, daß er fast ängstlich aufCorrectheit und Wohllaut des Verses hielt, und z. B. in seiner „Rechenschaft über die Ver-änderungen in der Nachtfcicr der Venus" über die vier ersten Zeilen 40 cnggedruckteSeiten schrieb, so hat er auch manche fremdländische Formen, wie das Sonett, in Deutsch-land wieder zu Ehren gebracht; auch war er mit der Erste, der in seinen Überseßungsprobenaus der „Ilias" und in seiner Übertragung des vierten Buchs der „Äneide" leidliche undfließende Hexameter lieferte; auch versuchte er eine Übersetzung der „Jliade" in fünffüßigenreimlosen Jamben und eine prosaische Übertragung des Shakspeare'schen „Macbeth". Eintüchtiger, besonders gegen die damalige „Quisquilien-Gelehrtheit", wie er sie nannte, ge-richteter polemischer Eifer zeichnet mehre seiner prosaischen Aufsätze aus, obgleich die Prosasein eigentliches Feld nichtwar. Der göttingcr „Musenalmanach", seit 1776 von ihm hcraus-gcgeben und bis zu seinem Tode fortgesetzt, hatte ihm schon Nuferworben, als er 1778 dieerste Sammlung seiner „Gedichte" (mit Kupferstichen von Chodowiecki) zu Göttingen er-scheinen ließ, der 1789 ebendaselbst eine zweite folgte. Diese Sammlungen sind um so bc-achtcnswerther, da sie viele ursprüngliche Lesarten enthalten, die B., bei seinem mit denJahren immer zunehmenden Streben nach Correctheit, später durch minder passende ersetzte.In den I. 1790 und 1791 gab er das Journal „Lyceum oder Akademie der schönen Rede-künste" (Berlin) heraus; auch rühren die angeblich aus dem Englischen übersetzten „Wunder-bare Reisen und Abenteuer des Freiherrn von Münchhausen" (Gött. 1787), die neuerdingsmit Illustrationen von Hosemann wieder aufgelegt wurden, von ihm her. Seine „Sämmt-lichen Werke" gab zuerst Karl von Reinhard heraus (4 Bde., Gött. 1796—98; neue wohlf.Ausg., 8 Bde., 1829—33). Auch gab derselbe, nicht ohne in manche Streitigkeiten übcrdieEchtheit des Nachlasses verwickelt zu werden, B.'s „Lehrbuch der Ästhetik" (2 Bde., Berl.1825), nach dessen in Göttingen gehaltenen Vorträgen, und als einen Supplemcntband zuallen Ausgaben von B.'s Schriften dessen „Ästhetische Schriften" (Berl. 1832) heraus.Die neueste rechtmäßige Gesammtausgabe ist die von Aug. Wilh. Bohtz besorgte in EinemBande (Gött. 1835), welche auch alle bekannt gewordenen Briefe B.'s und Althofsis treff-liche, 1798 zu Göttingen zuerst herausgcgebene Biographie des Dichters enthält. Außer-dem beschrieb sein Leben Döring in einem Supplementbande zu dem berliner Nachdrucke der„Werke B.'s" (7 Bde., 1824—25). Zu erwähnen sind ferner: „B.'s Briefe an MarianeEhrmann, ein merkwürdiger Beitrag zur Geschichte der letzten Lebensjahre des Dichters, miteiner historischen Einleitung", herausgegeben von Th. F. Ehrmann (Weim. 1802), „B.'sEhestandsgcschichte, die Geschichte der dritten Ehe B.'s" (Berl. 1812) und „B. und Müllner,ein Briefwechsel" (Jüterbog? 1833). Netzsch illustrirte mehre von B.'s Balladen; Nuhlseine „Lenore" in 12 Umrissen (Kassel 1827) und Führich den „Wilden Jäger" (5 Blätter,mit kritischen Aufsätzen von A. Müller, Prag 1827). Die bedeutendsten Balladen B.'swurden in fast alle Sprachen der civilisirten Welt übersetzt, namentlich „Lenore", die nament-lich von Beresford, Walter Scott und später noch mehrmals in das Englische übertragenwurde. Eschenburg gab drei dieser engl. Übersetzungen (Gött. 1797) heraus.— Seine dritteFrau, die genannte Elise Hahn, betrat nach erfolgter Scheidung ihrer Ehe das Theaterzu Altona, Dresden und Hannover, hatte jedoch als Schauspielerin keinen Erfolg. Später