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Bürger (Gottfr. Aug.)
fehlgeschlagene Pachtung, die er 1780 zu Appenrode antrat und 1783 wieder aufgebenmußte, sein geringes Vermögen aufgezehrt, das er ohnehin als schlechter Ökonom nie rechtzu benutzen und zusammenzuhaltcn wußte. Er ernährte sich nun als Privatdocent durchVorlesungen zu Köttingen und namentlich durch Privatunterricht, welchen er Studirendenertheilte, und es wäre ihm leicht gewesen, im Besitze seiner Molly dieses drückende Leben mitderselben glcichmüthigen Laune zu ertragen, womit er den Verlust seiner Pachtung und dievielen gegen ihn geschmiedeten Cabalen ertragen hatte; aber 1786 schon wurde ihm seinezweite angcbetete Gattin durch den Tod entrissen, ein Schlag, der ihn moralisch niederbeugteund von dem sich sein Gemüth nie wieder vollkommen erholt hat. Fortan führte er, obgleich1780 zum außerordentlichen Professor, doch ohne Gehalt, ernannt, fast nur ein Pflanzen-leben. Er, der Lieblingsdichter der Nation, sah sich gezwungen, sein Leben kärglich durchÜbersetzungen und seinem Genius nicht entsprechende Fabrikarbeitcn zu fristen. Dennochmußte er darauf bedacht sein, seinen Kindern eine Mutter zu geben, und dieses that er, indemer sich 1790 nnt Christine Elise Hahn, geb. zu Stuttgart am 19 . Nov. 1769 , vermählte,welche, wie es schien, von seinen Gedichten bezaubert, den Muth gehabt hatte, ihm in einemGedichte öffentlich ihre Hand anzubieten. Aber auch diese romanhafte und übereilte Eheschlug für den vom Misgeschick verfolgten Dichter so unglücklich aus, daß sic bereits nachzwei Jahren aus gerichtlichem Wege getrennt wurde. Bis in die tiefsten Wurzeln seinesSeelenlebens erschüttert, von seinen Freunden verlassen, seine geistige Kraft in Lohnarbeitenerschöpfend, von Schulden und Nahrungssorgen bedrängt, durch Schiller's berühmte bittereNecension über seine Dichtungen aufs Uuü Lverl ekt. durch ein immer wachsendes Brustleidengequält, verschied er sanft, den Tod willkommen ^cißelld, am 8. Juni 1793 .
B. zeichnete sich durch eine echt deutsche Biederkeit, Geradheit und Offenheit und,wie manche seiner brieflichen Geständnisse und Sclbstberichte bezeugen, durch eine fast zuweit getriebene Bescheidenheit und Selbstkenntniß aus; seine Herzensgüte und sein Wohl-wollen waren unbegrenzt, verleiteten ihn aber auch zu einem unverwüstlichen Vertrauen ausAndere, das ihm wesentlich schadete und, verbunden mit einem gewissen Hange zur Sinn-lichkeit und mit einer zwar poetischen aber leichtsinnigen Sorglosigkeit und Unkenntniß derLebensverhältnisse, ihm alle jene häuslichen Zerwürfnisse bereitete, die ihn nach und nachaufrieben. Diese Eigenschaften prägen sich auch in seinen Dichtungen aus, denen man aberkeineswegs irgend eine Trübung und Verbitterung des Gemüths, welche man unter solchenVerhältnissen vermuthen sollte, ansehen kann; er stand als Dichter über seinen Lebensver-hältniffen, und bis zuletzt behielten seine Dichtungen einen gewissen Anstrich von Gesund-heit und Lebensfrische. Die Stellung, welche er als Dichter einnahm, ifl eine beneidens-wcrthe zu nennen, indem er, wie kein Anderer seiner Zeit, Volksdichter im reinsten Sinne desWorts war und geblieben ist. Gerade der Besitz der dichterischen Fähigkeiten, welche Schillerin seinen einseitigen Recensionen ihm zum Vorwurfe macht, wie der ebenfalls gerügte Mangelan idealer Auffassung befähigten B-, ein Dichter des Volks zu werden, ohne sich darum mitden Gebildeten zu verfeinden; selbst die Übcrderbheit in manchen Gedichten B.'s, die vomhöhern ästhetischen Standpunkte aus verwerflich sein mag, war B- in seinen Bewerbungenum die Gunst des Publicums eher förderlich als hinderlich. Einen richtiger» Maßstab zuseiner Beurthcilung als Schiller fand Schlegel in seiner Kritik, welche in dessen „Charakte-ristiken und Kritiken" mitgetheilt ist, doch hält sich auch Schlegel von schiefen Ansichten durch-aus nicht frei, und wenn er von einem später erst gewonnenen Standpunkt aus ein Rechthatte, darauf hinzuweisen, daß B. in seinen Nachbildungen engl. Balladen Alles in dasGröbere und Derbere herabgezogcn und den Stoff unnütz in die Breite gedehnt hätte, so istwohl zu beachten, daß zu B.'s Zeit das Publicum für die mehr andeutende Einfachheit derengl, oder schot. Ballade noch kein Verständniß hatte, und daß der Dichter gerade durch seinebreitere, Alles motivirende und zurechtlegcnde Ausführung den rechten Weg traf, um dasPublicum wie die Kritik zu einem spätem Verständniß der Volkspoesie vorzubereiten. Derallgemeine Beifall, mit welchem B.'s Balladen, wie die „Lenore", sein viel bewundertes, jain gewissem Sinne als großartig zu bezeichnendes Meisterwerk „Lenardo und Blandine",„De§ Pfarrers Tochter von Taubenheim", „Der wilde Jäger" und so manche andere thcilsHochgebildete thcils originell erfundene Balladen ausgenommen wurden, beweist, daß B. die