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S6 Burckhardt (Joh. Ludw.)
Lalande in Paris empfohlen, der ihn in sein Haus aufnahm, worauf er sich insbesondere mitder Berechnung der Kometenbahnen beschäftigte, an allen Arbeiten des Neffen Lalande's,Leftancois-Lalande, auf der Sternwarte der Lcol? militsire thätigen Antheil nahm und diebeiden ersten Bände von Laplace's „Neesnigus celesto" ins Deutsche (2 Bde., Berl. 1800—2, 4.) übersetzte. Zum Adjunet bei dem Längenbureau ernannt, erhielt er am 20. Dec.1799 den Naturalisationsbrief als franz. Bürger. Nach Lalande's Tode wurde er 1807Astronom an der Sternwarte der Loole militsire und starb am 22. Juni 1825. Seinewich-tige Abhandlung über den Kometen von 1770 wurde von dem Institute 1801 mit demPreise gekrönt und findet sich in den „Nömoirea Oe I'Institut" für 1806. Vorzüglichen Eiferwandte er auf die Berechnung der Sonnenfinsternisse und Sternbedeckungen für geographi-sche Längenbestimmungen. Seine 1812 herausgegebenen Mondtafeln werden allgemeinals die besten anerkannt; Hülfstafeln für astronomische Rechnungen gab er 1814 und 1816heraus. — Seines obenerwähnten Bruders Sohn, EduardB-, geb. um 1809 in Leipzig,wo er auch studirte, früher Docent an der Universität war und gegenwärtig als Privatge-lehrter lebt, hat sich durch seine „Deutsche Geschichte für das deutsche Volk" (Lpz. 1834;2. Aust., 1840), die „Allgemeine Geschichte der neuesten Zeit" (Bd. 1—2, Abth. 1—6, Lpz.1841—43) sowie durch andere historische und publicistische Schriften bekannt gemacht.
Burckhardt (Joh. Ludw.), einer der Reisenden, dessen mit den gründlichsten Vorstudienunternommene Forschungen eine vorzügliche Ausbeute gegeben haben, wurde zu Lausanneam 24. Nov. 1784 geboren, aus einer zu den Patriciergeschlechtern der Stadt Basel gehö-renden Familie, die sichern UnterschleLLäMMidern dieses Namens nach ihrem Hause „zumKirschgarten" nannte. Sein Vater war Ioh. N üd. B^drr 1737 angeklagt, den Brücken-kopf von Hüningcn den Östreichcrn verräthcrisch übergeben zu haben, schon dem Schaffstnahe, noch durch authentische Beweise seine Unschuld darzuthun wußte; aber nichtsdesto-weniger von der franz. Partei verfolgt sich zur Flucht genöthigt sah und bei einem Schweizcr-regiment in engl. Solde Dienste nahm. Vorbereitet durch Hauslehrer besuchte B. zwei Jahredas Gymnasium zu Neufchatcl und studirte hierauf zu Leipzig und seit 1804 zu Göttingen,wo er sich durch Wißbegier, Fleiß, Talente und eine ungetrübte Heiterkeit seines feurigenGeistes allgemeine Achtung erwarb. Im I. l 805 kehrte er zu seiner Familie nach Baselzurück und, ohne auf einen Antrag, sich der diplomatischen Laufbahn zu widmen, einzugehen,reiste er im Juli 1806 nach London. Ein Empfehlungsschreiben Blumcnbach's an SirJoseph Banks verschaffte ihm Zutritt bei diesem und bei Hamilton, der damals Schatzmeisterund Secretair der Afrikanischen Gesellschaft war. Da diese Gesellschaft damals beabsichtigte,auf dem von Hornemann (s. d.) betretenen Wege durch einen andern Reisenden das In-nere Afrikas erforschen zu lassen, so ging man auf B.'s Anerbieten, dieses zu unternehmen,-gern ein. Nach physischer und geistiger Vorbereitung aller Art erhielt B. am 2 5. Jan. 1809seine Vollmacht und Instruction. Durch freiwilligen Hunger und Durst mitten im Lebens-genüsse, durch öftere Nachtlager auf Straßenpflaster u. s. w. abgehärtet und durch fleißigesStudium der arab. Sprache zu Cambridge vorbereitet, schiffte er sich am 14. Febr. nachMalta ein, wo er den Bart wachsen ließ, orient. Kleidung anlegte und unter dem NamenSheik Ibrahim nach Syrien reiste, um dort die Sitten und Sprachen des Orients in derSchule von Aleppo zu studiren. Nach zweijährigem Aufenthalte daselbst sprach er die Vul-garsprache so fertig, daß er sich für einen ind.-arab. Kaufmann ausgebcn konnte. Nachdemer Palmyra, Damaskus, den Libanon und andere Gegenden besucht hatte, begab er sich nachKairo, um später mit einer Karavane nach Fezzan zu gehen. Vorher machte er von hier aus1812 eine Reise den Nil aufwärts nach Nubien und drang fast bis nachDongola vor;danndurchzog er als armer Kaufmann und als syr. Türke 1814 die nubische Wüste, die auchBruce bereist hatte, und unter großen Mühseligkeiten die Gegenden bis an das Rothe Meerund ging von hier über Djidda nach Mekka. Seine Hauptabsicht war, den Islam an derUrquelle kennen zu lernen, um so sich immer tüchtiger zur Ausführung seines großen Reise-plans zu machen. Nachdem er sich vier Monate in Mekka aufgchaltcn hatte, schloß er sicheinem Zuge von mehr als 80000 Pilgrimmen zu der heiligen Wallfahrt nach dem BergeArarat an und führte nun den im Orient sehr geachteten Titel Hadschi, d. i. Pilger. Erwar jetzt in die Sprache und Neligionsgebräuche der Muselmänner so cingeweiht, daß er,