Buonarotti (Filippo) k»»» 33
I56S, nach Andern 1564, starb B-, von ganz Nom tief betrauert. Seine Leiche wurde nachFlorenz geschafft, wo sich über ihrem Grabe, in der Kirche Santa-Croce, ein prächtiges Denk-mal erhebt. B.'s Werke sind der Ausdruck eines majestätisch erhabenen Geistes, der, seinerMachtfülle sich bewußt, nur die Gesetze und Gebote seines Innern anerkennt. Leise zurück-gehalten, noch wie in der Knospenhülle, läßt sich dies in jenem zarten Werke seiner Jugend,dem Engel am Grabe des heil. Dominicus, erst ahnen, tritt aber bald immer deutlicher her-vor, bis cs sich an den Deckengemälden der Sixtina im hellsten, freudigsten Glanze offenbart.In dem Bilde des jüngsten Gerichts sieht man dagegen den Beherrscher im Reiche der Kunst,der zur Sicherung seiner Macht schon gewaltsame Mittel aufwenden muß, daher der Gesammt-eindruck dieses Werks, bei allem Aufwande der Meisterschaft, schon ein mehr düsterer ist.Auch in den architektonischen Werken B.'s läßt sich eine solche Richtung erkennen; doch istihm das eigentliche Wesen der Architektur fremder, und seine künstlerische Obermacht wirdhier schon in hohem Grade zu Laune und Willkür. B. war aber nicht blos Maler, Bild-hauer und Architekt; auch im Fache der Poesie hat sein Name einen ehrenvollen Klang. Inseinen Gedichten erkennt man denselben hohen, forschsamen Geist, zugleich aber auch einemilde Hingebung, sowie einen heiter neckischen Humor, die mit dem Ernste seiner künstleri-schen Gebilde oft eigenthümlich contrastiren. Seine Gedichte wurden wiederholt heraus-gegeben namentlich von seinem Neffen Michel Angelo Buonarotti (Flor. 1623, 4.) und insDeutsche übersetzt von K. Witte unter dem Namen F. Licio (Bresl. 1823) und von Negis(Berl. 1842). Sein Leben ist beschrieben durch seine Schüler Vasari> in den „Vite cls'pittorietc." und Ascanio Condi'vi in der „Vits lli WcbelsnKelo L." (Rom 1553; Flor. 1746;Pisa 1823).
Buonarotti (Filippo), ein durch seine Lebensschicksale höchst merkwürdiger Mann,ein Nachkomme des Vorigen, geb. am I I.Nov. 1761 zu Pisa, wurde von dem Großherzoge,dem nachmaligen Kaiser Leopold, bei dem seine Familie sehr in Gunst stand, schon im 12Jahre mit dem Stephansorden decorirt. Im 17. Jahre bezog er die Universität zu Pisa, umdie Rechte zu studircn, und promovirte daselbst als Doctor der Rechte, wendete aber sehrbald, als das Advocatenleben ihm nicht zusagte, seine Neigung dem öffentlichen Staatsrechtezu und studirte mit Eifer vorzüglich Rousseau's Schriften. Durch diese in Enthusiasmusgesetzt, schrieb er schwärmerische Broschüren und unterhielt weitläufige Verbindungen mitdem Auslände, was ihm die Ungnade Heines Landesherrn zuzog. Beim Beginn der franz.Revolution trat er als Redacteur eines ital. Journals auf, das höchst aufrührerische Grund-sätze predigte, begab sich 1789 nach Corsica und übernahm hier die Herausgabe einesJournals, welches ihm nun die förmliche Verbannung aus den toscan. Staaten zuzog. Jndeßhatte die Adelspartei auf Corsica ihn verhaften lassen und nach Toscana ausgeliefert, wo erin Gefahr stand, vom Pöbel zu Livorno als Christenfeind und Franzosenfreund gesteinigt zuwerden; er entkam aber und trat als Emissair in Sardinien auf, um diese Insel für Frank-reich zu gewinnen. Die Sardinier empfingen ihn mit offenen Armen als einen Apostel derFreiheit und verlangten von ihm eine Constitution, welche er ihnen auch sofort redigirte. ImMai 1793 kam er zum ersten Male nach Paris, um im Namen der Citoyens der Ile Saint-Pierre die Vereinigung ihres Territoriums mit der franz. Republik nachzusuchen. SeineBitte ward ihm bewilligt, er selbst durch ein Dccret deS Nationalconvents zum franz. Bürgerernannt und mit wichtigen Missionen nach Corsica beauftragt. Ehe er diese jedoch erfüllenkonnte, erhielt er nach dem Übergange der franz. Armee über die Alpen den Auftrag, dasFürstenthum Oneglia zu republikanisiren. Die Revolution des 9. Thermidor erreichte auchB., welcher mit Robespierre sehr vertraut gewesen war. Er wurde am 15. Ventose des I. IHverhaftet und kam erst am 13. Vende'miaire des I. IV wieder aus dem Gefängnisse. Kaumwar er auf freiem Fuße, so conspirirte er auch schon, um die Constitution von 1793 wiedereinzusctzen und bildete die Pantheonsgesellschaft, deren Präsident er wurde. Als das Direk-torium die Pantheonisten durch Bonaparte hatte auseinander treiben lassen, schloß er sich derBabcufschen Verschwörung an. Doch das Project wurde verrathen; Babeuf und Darthöbüßten auf dem Schaffst, B. und sechs Andere wurden zur Deportation vcrurthcilt. Auf demTransporte wollte man sie, in eiserne Käfige eingesperrt, an mehren Orten steinigen; so kamenConv.-Sex. Neunte Äufl. III. 3