3» Bundschuh Bunsen (Christian Karl Jossas, Ritter von)
kommen auch ganz ähnliche Einrichtungen im Staate vor, die man doch nicht in obige Claffenzu ordnen gewohnt ist, wie z. B. in Ostreich in Bezug zu Ungarn, in Schweden und Nor-wegen, in Sardinien und früher in Rußland und Polen. Es sind die Nuancen und Schat-tirungen sehr vielartig und fein, und das ganze Verhältniß ist ein schwieriges; doch das Besteist auch nicht auf dem leichtesten kürzesten Wege zu erlangen, und jenes Bessere kann dengroßen Nutzen haben, eine wahrhafte Versicherung der Interessen der Thcile, mit denendes Ganzen zu verbürgen.
Bundschuh nannte man in früher Zeit eine Art großer Schuhe, die bis an die Knöchelreichten und mit Riemen zugebunden wurden. Sie waren ein Zeichen des Bauernstandes,der damals Schuhe wie der Adel Stiefeln trug. Deshalb machten die Bauern bei dentumultuarischen Unruhen im 16. Iahrh. und zwar, wie es scheint, zuerst bei Gelegenheit des1502 im Dorfe Untergrünbach im Bisthume Spcier sich erhebenden Aufstandes, den Bund-schuh zu ihrem Kriegs- und Wahrzeichen, worauf man mit diesem Namen auch die einzelnenAufstände während des Bauernkriegs (s. d.) belegte. Die Gestalt und die Beschaffenheitdieses Bundeszeichens wird verschieden angegeben. Nach Einigen sollen die Bauern einenSchuh gleichsam als Fahne vor sich hergetragen haben, nach Andern harten sie eine Fahnehalb weiß, halb blau; in der Mitte war das Bild des Gekreuzigten, wie er dem heil. Georgerschienen, auf einer Seite ein Bundschuh, auf der andern ein knieender Bauer zu sehen,über dessen Haupte die Worte standen: „Nichts denn die Gerechtigkeit Gottes."
BlltlseN (Christian Kar l Zosias, Ritter von), Wirkt. Geh. Rath und Gesandter an.Hofe zu London, H5 Aug. 17SI zu Korbach im Waldeckischen, vollendete in Göt-tingen unter Heyne ft!»» „„!> daselbst eine Preisschrift „De jure
^tbeiiiensiiun ksersclitario" (Gott. 1813, 4.) heMtS. Nachher erhielt er am Gymnasiumdaselbst eine Lehrerstelle, nahm jedoch seine Entlassung, um in Paris unter Sylvestre de.Sacy und andern Orientalisten dem Studium des Sanskrit sich zu widmen. Da ein Eng-länder, in dessen Gesellschaft er eine Reise nach Hindostan beabsichtigte, ihn in Florenz ver-gebens auf sich warten ließ, so ging er nach Nom, wo ihn sein Jugendfreund B ran di s(s.d.),der damals Gesandtschaftssecretair bei Niebuhr (s. d.) war, diesem bekannt machte. Nie-buhr interessirte sich lebhaft für B-, machte ihn zu seinem Privatsccretair und veranlaßttsodann seine Ernennung zum Gesandtschaftssecretair. Entscheidend für seine spätere bedeu-rente Stellung war 1822 der Aufenthalt des Königs von Preußen in Nom, mit dem Büber die neue preuß. Agende viel verhandelt haben soll. Nach Niebuhr's Abgänge ward erGeschäftsträger daselbst und in der Folge Ministerresident. Durch Niebuhr war er wiederzu classisch-historischenfStudien zurückgcsührt worden, wozu der Aufenthalt in Nom noch be-sondere Anregung gab. Für das durch Cotta im Winter von 1817—18 veranlaßte umfas-sende Werk über Noms Altcrthümcr arbeitete er namentlich die das klassische Alterthum unddie Topographie Roms betreffenden Theile; auch die der „Beschreibung der Stadt Nom"als zweite Abtheilung beigegebenen Bilderhcfte gehören ausschließlich ihm an. Zugleichinteressirte er sich für die Hieroglyphenforschungen Champollion's, und durch ihn wurde dirjberliner Akademie der Wissenschaften zu einer mehrjährigen Unterstützung des De. Lepsin^zum Zwecke dieses Studiums veranlaßt. Eine wesentliche Stütze und ein unermüdlicherFörderer des von Gerhard in Rom gestifteten Archäologischen Instituts, für das er datGeschäft eines Generalsecretairs übernahm, wurde er insbesondere von der Zeit an, als derdamalige Kronprinz von Preußen der ncugegründeten Anstalt seinen Schutz zngesicherihatte. Sonst erwarb er sich noch um viele Landsleute in Nom sowie um vaterländisch«Anstalten, namentlich um das berliner Museum, manche Verdienste. Dabei war er ein eif-riger Beförderer des protestantischen Kirchenthums, nach der im preuß. Staate von obenhcrgegebenen Hauptrichtung; er betheiligte sich bei der Abfassung einer in mancher Beziehungcigenthümlichen Liturgie für die Kapelle der Gesandtschaft in Nom; auch intcrejsirte er Wthätig von Rom aus für den Betrieb der Agendenangelegenheit. Weniger glücklich war ciin seinen diplomatischen kirchlichen Unterhandlungen zumal in der kölner Angelegenheit, di«er in der zur Zeit amtlich bekannt gemachten, aber im Gedränge der Parteien parteiisch bcur-kheiltcn Darlegung näher zu beleuchten versuchte. Als sich dieselbe so sehr verwickelte, daß eriin März 1838 von Rom abberufcn wurde, ging er zunächst nach München und unternahm