26 Bülow (Heinr., Freiherr von) Bulwer
zu vermissen, von welcher Erscheinung aber die Ursache mehr in andern hemmenden Ver-hältnissen als in seiner Persönlichkeit zu suchen war. Da nach der neuen Bestimmung derMinistcrialverhältnisse gegen Ende des I. 1817 neben dem dem Titel nach fortbcstchendenFinanzministerium das Schahministerium und. die Staatscontrole errichtet wurden undjenem nur die Leitung der Steuer-, Domainen- und Negalienverwaltung gelassen ward, sokonnte er nicht mehr an der Spitze einer so beschränkten Stellung bleiben und bat um seineEntlassung, die er aus die ehrenvollste Weise erhielt, indem er Mitglied des Staatsraths ver-blieb und zugleich das für ihn ncuerrichtete Ministerium des Handels und Gewerbes nebstdem Baudepartement übernehmen mußte. Als darauf 182 5 das Ministerium des Handelsmit dem Ministerium des Inner» verbunden wurde, übertrug ihm der König das Oberprä-sidium der Provinz Schlesien. Doch kaum hatte er diesen Posten angetreten, als er am 25.Aug. im Bade zu Landeck starb.
Bülow (Heinr., Freiherr von), preuß. Minister der auswärtigen Angelegenheiten,geb. 1700 zu Schwerin, wo sein Vater am Hofe eine der höchsten Stellen bekleidete, wurdedurch Hauslehrer und später auf dem Gymnasium seiner Vaterstadt für die Universitäts-studien vorbereitet, die er zu Heidelberg begann. Als 1813 der allgemeine Aufruf gegendie Franzosen in Norddeutschland erscholl, kehrte er ins Vaterland zurück und trat als Lieute-nant bei dem Corps ein, das der General Graf von Walmoden an der Niederelbe sammelte.Er wurde sehr bald Adjutant des russ. Obersten von Nostiz und zeichnete sich bei einigenkühnen Streifzügen desse lben so wie in mehren Gefechten seines Corps rühmlichst aus. Nachdem ersten Frieden zu Paris kehrte er -diebL^miseine Studien zu vollenden, wieder nachHeidelberg zurück. Im 1.1815 folgte er abermalscknr Heere nach Frankreich. Da er sichfür das diplomatische Fach bestimmt hatte, sv wurde er nach dem zweiten pariser Frieden zu-nächst unter dem Staatsminister Wilh. von Humboldt, der zu Frankfurt am Main diedeutschen Gcbietsaustausche zu erledigen hatte, beschäftigt. Hier vermählte er sich 1816mit der jüngsten Tochter dieses ausgezeichneten Staatsmanns, dem er 1817 als Gesandt-schaftssecretair mit dem Titel eines Legationsraths auf den Gesandtschaftsposten nachLondon folgte. Als Humboldt noch in demselben Jahre wieder als Minister nach Berlinzurückkchrte, blieb B., mit den Geschäften der Gesandtschaft beauftragt, zu London und be-währte sich schon damals als einen ebenso thätigen als gewandten Diplomaten. SeinerFamilienverhältnisse wegen trat er nach einigen Jahren als Geh. Legationsralh ins Mini-sterium der auswärtigen Angelegenheiten zu Berlin ein, wo ihm vorzugsweise alle Arbeiten,welche sich auf die kommerziellen Verhältnisse bezogen, anheimsielen. Im I. 1827 ward erGesandter zu London und hatte als solcher in der Folge bedeutenden Antheil an den londonerConfercnzen über die Holland.-belg. Angelegenheiten, sowie an dem zur Pacificirung desOrients abgeschlossenen Viermächtevcrtrag vom 15. Juli 1840 und am Abschlüsse des inDeutschland freilich nicht mit besonder»! Beifalle aufgenvmmenen Handelsvertrags zwischenGroßbritannien und dem Deutschen Zollvereine. Zu Anfang des I. > 841 kam er als preuß.Gesandter an den Bundestag zu Frankfurt am Main, wurde aber schon am 2. Apr. 1842,an die Stelle des Grafen von Maltzan, zum Geh. Staats- und Cabinetsminister ernanntund mit der Verwaltung der auswärtigen Angelegenheiten beauftragt. Im Hinblicke ausseine frühere Laufbahn wurde seine Berufung mit Freuden vernommen, indem sie die Hoff-nung erweckte, daß er sich nächst dem Kriegsminister von Boyen als besonders aufrichtigerVertreter der liberalen Ansichten der Neuzeit bewähren werde.
Bulwer (Edward Lytton, Baronet), der berühmte engl. Romanschriftsteller, istzu Hcydon-Hall in der Grafschaft Norfolk 1803 geboren und der dritte und jüngste Sohndes Generals Bulwer. Seine Mutter, die Tochter und einzige Erbin Heinrich WarburtonLytton's, leitete nach dem frühen Tode ihres Gemahls die Erziehung ihrer Kinder und scheintnamentlich, da sic mit der schönen Literatur Englands innig vertraut war, auf die Richtungdes jüngsten Sohns von großem Einfluß gewesen zu sein. Zu Cambridge, wo er studirtc,trug er durch ein Gedicht über die Sculptur den Preis davon; auch wurde er hier durcheinen Freund, der sich längere Zeit in Weimar aufgehalten, mit der deutschen Literatur undbesonders Eoethe's Dichtungen bekannt. Mehre Fcricnrciscn in England, Schottland undFrankreich erweiterten seine Anschauungen. Als sein schriftstellerischcrRuf bereits begründet