24 Bülow (Adam Hcinr., Freiherr von)
Preußen zurück, starb aber daselbst schon am 25. Febr. desselben Jahres. B. war nicht nurein ausgezeichneter General, sondern auch höchst achtungswerth als Mensch und Bürger.Wie er die Theorie der Kriegskunst schon in seiner Jugend gründlich studirt hatte, so setzte erdieses Studium auch während seiner militairischen Laufbahn unablässig fort. Dabei liebteer die schönen Künste, besonders die Musik; außer mehren Motetten hat er eine blisss undden 5>. und 100. Psalm componirt. Seinem Andenken errichtete Friedrich Wilhelm III.eine Marmorstatue in Berlin. Vgl. „General Graf B- von Dennewitz in den Feldzügen>813 und >814"(Lpz. >843).
Bülow (Adam Heinr., Freiherr von), bekannt als geistreicher kritischer Schriftsteller,des Vorigen Bruder, geb. zu Falkenberg in der Altmark um 1760, besuchte die Militair-akademie zu Berlin, trat sehr früh in ein Infanterieregiment und ging später zur Cavalcrieüber. Aber bald gewährte ihm der Militairdienst kein Interesse mehr, er nahm seinen Ab-schied und lebte in Zurückgezogenheit wissenschaftlich beschäftigt. Als in den Niederlandender Aufstand gegen Joseph II. ausbrach, ging er dahin und erhielt sehr bald Anstellung alsOffizier; doch fand er bei der Art und Weise, wie hier der Krieg geführt wurde, keine Ge-legenheit, sich auszuzeichnen. In seinen Hoffnungen getäuscht, kehrte er in sein Vaterlandzurück, faßte eine leidenschaftliche Liebe für das Theater und brachte eine Schauspielcrgescll-schaft zusammen. Aber mancherlei Schwierigkeiten und Bedenklichkeiten bewogen ihn bald,auch dieser Neigung wiederzuentsagen. Er verließ die Gesellschaft und ging mit einemseiner Brüder nach Amerika. Vergebens suchte er auch hier den idealen Zustand gesellschaft-licher Freiheit, wie^Hn^ erwartete; mit dem Übcrdrusse, den getäuschte Erwartungen er-regen, kehrte er nach Europa zurück. -LuLUi-HModer Handelsgeist der Amerikaner beideBrüder erfaßt. Sie wendeten den letzten Rest ihr es velterlichen Erbes zum Ankauf einesbeträchtlichen Vorraths von Glaswaaren an und schifften sich damit in Hamburg zu»,zweiten Male nach Amerika ein. Da es ihnen aber an kaufmännischer Umsicht und Sach-kenntniß fehlte, so sahen sie sich bald aus allen Seiten betrogen und waren genöthigt, aber-mals nach Europa zurückzukehren. In einer Schrift „Der Freistaat von Nordamerika in sei-nem neuesten Zustande" (2Bde., Berl. >797) strömte B. den ganzen Haß undUnmuth, dener gegen dieses Land empfand, aus. Um diese Zeit machten ihn Bärenhorst's „Betrachtungenüber die Kriegskunst" auf die Mangelhaftigkeit der damaligen Kriegsthcorie aufmerksam,und er beschloß, dieser Wissenschaft eine tiefere Begründung zu geben. Das Resultat seinerStudien war die anonym erschienene Schrift „Geist des neuen Kriegssystcms" (Hamb.>799; 3. vermehrte Ausl., >835); sie fand großen Beifall und dies bewog ihn 1799 nachBerlin zurückzukehren, wo er im Generalstabe oder im Departement der auswärtigen Ange-legenheiten Anstellung suchte. Seine Hoffnung schlug aber fehl, und er sah sich genöthigt,von der Schriftstellerei zu leben. Unter Andern: schrieb er in jener Zeit die „Geschichte desFeldzugs von >800" (Berl. 1891). Nach mancherlei Händeln, die ihm seine freimüthigeBestreitung der damals gewöhnlichen Ansichten zuzog, ging er nach London, wo er dieHerausgabe eines Journals über England begann. Da jedoch die ersten Hefte keine Ab-nehmer fanden, kam er in Geldverlegenheiten, die ihn in Haft brachten. Nach seiner Rück-kehr nach Berlin 1804 arbeitete er fleißiger als je. Seine Hauptschriften aus dieser Periodesind „Leben des Prinzen Heinrich von Preußen" (2 Bde-, Berl. 1805); „Lehrsätze des neuernKriegs" (Berl. 1805); „Neue Taktik der Neuern, wie sie sein sollte" (2 Bde., Lpz. 1805)und „Militärische Monatsschrift" (Berl. >805—7). Seine an bittern Ausfällen reiche„Geschichte des Feldzugs von 1805" (2 Bde., Verl. 1806) brachte ihn 1806 in gefänglicheHaft. Als man nach der Schlacht bei Jena dem Einmärsche der Franzosen in Berlincntgegensah, führte man ihn unter mancherlei widrigen Begegnissen nach Kolberg, vonda nach Königsberg und endlich nach Riga, wo er im Juli 1807 im Gefängnisse starb.B, war ein Mann von reichen Kenntnissen und glänzenden Anlagen. Wenn auch diegeistige Genialität, die ihn auszeichnete, mit dem erstarrten Mechanismus seiner Zeitnothwcndig in heftigem Cvnflict und die Nichtbeachtung und Verkennung, die sein Stre-ben überall, auch von seiner Negierung erfuhr, bei seinem lebhaften Selbstgefühl jene Bit-terkeit erzeugen mußte, die wir in seinen Schriften mit der Zeit in immer höhcrm Gradefinden, so haben doch diese Schriften unverkennbar zu den Erfolgen dcS I. >813-15 bei-