Bulimie Bulle 21
gaben ihm allmätig eine Gestalt, in welcher man fast keine Spur mehr von dem Idiom desheil. Cyrill vorsindet. Es hat die Declination fast gänzlich verloren, und die Conjugation isthöchst unvollständig und unvollkommen. Spuren dieser Verderbniß finden sich allerdingsschon in den cyrillisch geschriebenen Handschriften des 12. und 13. Jahrh. und nahmen seitoieser Zeit immer mehr überhand. Eine Literatur des Neubulgarischen ist eigentlich nochnicht vorhanden. In neuerer Zeit erschienen etwa 3V religiöse Werke, aber sammtlich inauswärtigen Städten gedruckt, unter denen wir die Evangelien von Sapurow und eine Er-ziehungskunde von Neofyt erwähnen. Odessa scheint der Hauptstapclplatz der bulgar. Ent-wickelung werden zu wollen. Hier erscheint auch seit demJ. 1843 die Zeitschrift „Der Bul-garische Morgenstern". Grammatiken über diese Sprache haben Neofyt (1835) und Chri-staki (1836) geliefert; Lexika beabsichtigen Neofyt und Stojanowicz.
Bulimie, s. Heißhunger.
Bull, im Englischen so viel als Stier, nennen die Engländer in der Umgangsspracheeine Erzählung, die ihre lächerliche Pointe darin hat, daß sie ohne Verstand und Zusammen-hang ist. Wollte z. B. Jemand seine Häßlichkeit damit entschuldigen, daß er sagte, er sei beiseiner Geburt sehr schön gewesen, nur habe man ihn schon als Wickelkind vertauscht, so wäredies ein Bull. Besonders bürden die Engländer den Irländern unzählige Bulls auf. DieBulls sind eine Schatzkammer für das engl. Lustspiel und den Roman und in zahlreichenSammlungen zusammengestellt. Vgl. Edgeworth, „Lsss^ vn iiisb bulls" (Lond. 1863).
Bull (John), s. John Bull.
Bull (Ole), der unter den Violinvirtuosen der neuesten Zeit das meiste Aufsehen ge-macht, nicht blos durch sein Spiel sondern mehr noch durch die besonder» äußern Umstände,unter denen er in die Öffentlichkeit trat, und durch wunderliche Erzählungen von ihm undseinem Spiel und seinen Schicksalen, ist zu Bergen in Norwegen, am 5. Febr. 181 v geborenEr zeigte frühzeitig musikalisches Talent, doch sollte er nach der Altern Wunsch ein Gelehrterwerden. Er stndirte anfangs in Christian!« und seit 1829 in Göttingen die Rechte. Dabeivernachlässigte er aber, alles Verbots ungeachtet, seine Geige nicht. Er suchte die Bekannt-schaft Spohr's, die jedoch unfruchtbar für ihn blieb. Ein anderes Ziel, als er in dieses Mei-sters Weise finden mochte, scheint ihm indeß schon damals vorgeschwebt zu haben. In dieHeimat zurückgckehrt, erklärte er seinen Altern den Entschluß, sich ganz der Musik zu wid-men. Nach mehren Jahren eifrigen Studiums der Technik des Violinspiels, machte er eineÄunstreise zunächst in seinem Vaterlande, dann durch Schweden, Dänemark, Holland undFrankreich. In Paris traf er der herrschenden Cholera wegen einen sehr ungünstigen Zeit-punkt. In äußere Noch gerathen, seines Besitzthums, selbst seiner Geige durch Diebeshandberaubt, verlor er die Fassung und stürzte sich in die Seine. Aus den Fluten gerettet, fristeteer eine Zeit lang sehr kümmerlich sein Dasein. Um Paganini zu hören, verkaufte er seinletztes Hemde, und diesem Meister cs gleich zu thun, war fortan das Ziel seines Lebens undStrebens. Nachdem es ihm geglückt, in Paris mit Erfolg ein Concert zu geben, ging er nachItalien, wo er indeß wenig Theilnahmc fand, bis er in Bologna in einem Concert der Ma-libran den erkrankten Beriot ersetzte und einen Beifall sich erwarb, der auch für Italien seinGlück begründete. Hierauf kehrte er nach Paris zurück, ging dann nach England und späternach Deutschland, das er nach den verschiedensten Richtungen durchzog, bis er endlich nachdem Norden zurückkchrte. Was das Wesen seines Spiels wie seiner ganzen künstlerischenIndividualität betrifft, so hat sich die Meinung über ihn dahin festgestellt, daß man die Voll-endung seiner Technik, seine erfinderische Phantasie und sein starkes Gefühl anerkennt, aberin seinen Leistungen den sichtenden Verstand vermißt. Seine Leistungen sind im Einzelnenvollendet, aber sie entbehren der höchsten Weihe, welche nur die Harmonie aller Theilc unter-einander verleiht. Vgl. (Biow), „ Ole B., eine biographische Skizze" (Hamb. 1838).
Bulle hieß ursprünglich die Kapsel für das mittels Schnur einer Urkunde angchängteSiegel, dann das Siegel und endlich die Urkunde selbst, wie z. B. die berühmte GoldeneBulle (s. d.) Kaiser Karl's IV., so genannt nach der goldenen Kapsel, deren die byzantin.und fränk. Kaiser in wichtigen Fällen schon seit dem 9. Jahrh. sich bedienten. Vorzugsweise abergebraucht man diesen Ausdruck von den im Namen des Papstes ausgefertigten offenen undmit einem solchen hcrabhängendcn Siegel versehenen Urkunden über wichtigere Keaenständi-.