Bukolisches Gedicht Bülau 17
Erzbischofs und in Sitten und Gebräuchen der Einwohner im Scheidepunkt oriental, undabendländischer Welt. Sie zählt gegen 60000 E-, darunter viele Griechen, Juden und Ar-menier, die einen ziemlich lebhaften Handel mit Wein, Häuten und andern Landesproductenin Händen haben und auch deutsche Messen vielfältig besuchen. Die Straßen sind nicht ge-pflastert, sondern mit eichenen Bohlen belegt. Unter den 10000, meist mit Schindeln gedeck-ten, zum Theil halbverfallenen Häusern finden sich auch viele neue geschmackvolle Gebäude.Mehre der vielen gricch. Kirchen sind sehr schöne und ansehnliche Gebäude und einzelne mitfünf und sechs Thürmen geziert. Gleich den Kirchen gibt cs eine große Anzahl Klöster. DerPalast des Hospodacs ist groß, aber keineswegs schön, ausgezeichnet dagegen der des Erzbi-schoss. Früher war hier ein sehr besuchtes Gymnasium, das aber in Folge Dessen, daß derHos-podar Ghika 1825 über die zum Unterhalt desselben bestimmten Stiftungen zu andern Zwe-cken verfügte, eingehcn mußte. In der Nähe liegen das Lustschloß Eolontina und die schönenRuinen des Klosters Kokorcenv. Der Friede zu B. zwischen Rußland und der Pfortewurde am 28. Mai 1812 geschlossen. Durch denselben endete der wegen der Besetzung derMoldau durch die Russen im Nov. 1806 von der Pforte an Rußland am 7. Jan. 1807erklärte, sehr bald durch einen Waffenstillstand und dann durch einen Friedenscongreß hin-gehaltene, von 1809 an aber erneuerte Krieg, der die Russen 1811 aus zwei blutigen Feld-zügen als Sieger hervorgehcn ließ. Die Pforte trat zufolge dieses Fricdensabschlusscs Bess-arabien und ein Drittheil der Moldau mit den Festungen Choczim, Akjerman, Bender,Ismail undKilia, zusammen etwa 850 mM., an Rußland ab, sodaß der Pruth bis zu seinerAusmündung in die Donau, und von da das linke Donauufer bis Kilia und bis zur Aus-mündung M Donau kn das Schwarze Meer die Grenze bestimmten, die übrigen Eroberun-gen gaben die Russen zurück. In Asien sollte die Grenze, wie sie vor dem Kriege gewesen,wiederhergestellt werden. Auch bewilligte die Pforte den Serbicrn, die als Verbündete derRussen für ihre Unabhängigkeit gekämpft hatten, volle Amnestie und das Recht, ihre innernAngelegenheiten selbst zu verwalten und die Steuer, die sie der Pforte zahlen sollten, selbstaufzubringen. Die Serbier nahmen zwar diese Bedingung, weil sie überhaupt irgend eineSteuer an die Pforte zu zahlen sich weigerten, nicht an und setzten den Kamps fort, unter-lagen aber bald der Übermacht der Pforte.
Bukolisches Gedicht, s. Idylle.
Bukowina, der südöstlichste Theil Galiziens und mit dessen Kreise Czernowicz gleich-bedeutend, gehörte bis 1777 zur Moldau und wurde 1786 dem vstr. Staate als gallzischerKreis einverleibt, jedoch mit Gerechtsamen bevorzugt, die es zum Theil noch genießt. DasLand ist 147 IHM. groß, hat gegen 300000 E-, größtenteils Moldauer und demnächst vielJuden und Armenier. Es liegt auf den östlichen, mehrfach durch hohe Bergäste gegliedertenVorstufen des karpatischen Waldgebirgs und wird auf den nicht galizischen Seiten vonRußland, der Moldau, Siebenbürgen und Ungarn umschlossen. Seine Gewässer gehö-ren dem Gebiete des Schwarzen Meers an; Dnjestr und Pruth berühren den nordöst-lichen Theil; Sereth, Suczawa und Moldawa haben hier ihren Ursprung und den südlich-sten Theil durchfließt die Bistriza, die goldene genannt, weil sie Goldkörner mit sich führtDie B. hat zwar ein rauhes Klima mit strengen Wintern; doch ist sie im Allgemeinenäußerst fruchtbar und besitzt schätzcnswerthe Ncichthümer in den Steinsalzlagcrn, Eisen-,Blei- und Silbererzen, in den kräftigen weit ausgedehnten Forsten, üppigen Getreideflurenund fetten Wiesen, in dem blühenden Bestände einer trefflichen Rindvieh-, Schaf-, beson-ders schönen Pferde- und allgemein verbreiteten Bienenzucht. Bergbau, Ackerbau und Vieh-zucht bieten ihre Nohartikcl im Vereine mit nicht unbeträchtlichen Jndustrieerzeugnissen inTüchern, Leinwand, Holz-, Leder- und Metallwaaren, einem lebhaften Handelsverkehr, derin den Händen der Juden und Armenier sich befindet und seinen bedeutenden Centralsitz inder Hauptstadt Czernowicz hat.
Bülau (Friedr.), ordentlicher Professor der praktischen Philosophie an der Univer-sität zu Leipzig, geb. am 8. Oct. 1805 zu Freiberg, wo sein Vater Oberbergamtsvcrwalterwar, erhielt nach der Mutter frühzeitigem Tode thcils durch diesen, theils durch Privatun-terricht namentlich eines talentvollen jungen Mannes, der nachher Pietist und MystikerConv.-sex. Neunte Äufl. III. 2