Buckingham (George Villiers, Herzog von) b
überdies konnte er mit allen Ehren, Ämtern und Geldmitteln nach seinen Launen und Leiden-schäften schalten. Während der König oft am Röthigen Mangel litt, vergeudete er mitseinen Creaturen gewissenlos die Schätze des Staats und der Nation. Volk und Adel warenempört über den Schimpf, der ihnen und der königlichen Würde in solcher Weise angcthanwurde, aber Niemand wagte sich gegen B. zu erheben. Keiner stand ihm im Wege als etwanoch der Graf von Bristol, ein thätiger und rechtlicher Minister, der damals mit dem span.Hofe wegen der Vermählung der Infantin Maria mit dem engl. Thronerben unterhandelte.Um den Grafen sowol zu stürzen als bei der großen Hinfälligkeit des Königs die Gunst desThronerben, gegen den er einst in blinder Wuth die Hand erhoben hatte, sich zu erwerben,beredete er den Prinzen, daß derselbe in seiner Begleitung persönlich an den Hsfvon Madridgehen und um die Hand der Prinzessin werben sollte. Der König widersetzte sich diesemabenteuerlichen Plane; allein B. wußte ihn doch und überdies noch dazu zu bewegen, daß erihn vor der Abreise zum Herzoge erhob. Obschon der Prinz in Madrid die Herzen desganzen Hofs gewann, so mußte er doch, da die Anmaßungen und die Ausschweifungen B.'sallgemeinen Anstoß erregten, unverrichteter Sache abreisen. B. wußte indeß dem Prinzen,dem Könige und dem Parlamente die Sache so vorzustellen, als habe man nur durch eineschnelle Abreise den schändlichsten Anschlägen des span. Hofs auf den Prinzen zu entgehenvermocht. Das theils getäuschte, theils bestochene Parlament foderte Jakob zum Kriegegegen Spanien auf, den dieser auch erklärte. Die Grafen Bristol und Middlesex, die dasMisverständniß gütlich ausgleichen und dem Könige die Nagen öffnen wollten, wurden insGefängniß geworfen und des Hochverraths angeklagt; der König und der Prinz warenvöllig MD?s Gewalt. Jakob starb in diesen Wirren, ehe der Krieg ausbrach, und das Par-lament verweigerte nun die Mittel zu dem Kriege, den es vorher selbst angerathen. B-, denman ein Jahr vorher den Retter des Vaterlandes genannt hatte, wurde jetzt als Verführerdes Prinzen und Verräther des Staats angeklagt. Nichtsdestoweniger beredete er der.ihm ergebenen König, das Parlament aufzulösen und die ihm am feindlichsten Gesinntenzu verhaften. Um die Mittel zum Kriege herbeizuschaffen, schritt er zu Gewaltthätigkciten,gezwungenen Anleihen und ungesetzlichen Taxen. In der That brachte er eine Expedi-tion gegen Cadiz zu Stande, deren Erfolg für England ebenso unglücklich als unrühm-lich ausfiel. Dessenungeachtet stürzte er den König unmittelbar nachher in einen neuenKrieg mit Frankreich, und zwar auch aus persönlicher Rache. Als er nämlich nachJa-kob's Tode die Braut des Königs in Paris abholte, soll er seine Wünsche bis zur Köni-gin von Frankreich erhoben haben, und wicwol es unentschieden ist, wie Anna von Ost-reich seine Anträge ausgenommen, so fand sich doch Ludwig Xlll. bewogen, B. für immerals engl. Gesandten sich zu verbitten. Er suchte die Feindseligkeiten gegen Frankreich damieeinzuleiten, daß er das Vernehmen des Königs mit seiner Gemahlin störte, und da ihm diesesnicht gelang, verband er sich mit den Protestanten zu Röchelte und landete im Juli l627auf der Insel Rhe. Doch auch dieses Unternehmen mislang. Obschon als Feldherr verachtet, als Minister von allen Ständen des Reichs gehaßt, wagte er es dessenungeachtet, einneues Parlament zu berufen und demselben in einer höhnenden Rede zu eröffnen, daß es derKönig noch einmal mit demselben versuchen wolle; weigere es sich, neue Subsidien für denKrieg zu bewilligen, so werde zu andern Mitteln gegriffen werden. Das Parlament fodertezuvörderst die Wiederherstellung der bei der vorigen Auflösung verletzten Volksrechtc, che csBewilligungen machen könne, und drohte, daB. auch nicht denbilligstenFodcrungennachgab,mit einer förmlichen Anklage. B. mußte zurücktreten; der König löste das Parlamentplötzlich auf und befahl seinem Günstling, das Kommando der Flotte aufs neue zu über-nehmen und den Protestanten zu Rochelle zu Hülfe zu eilen. Dieser Ton war für B. neu;er gehorchte. Eine große Flotte ward schnell ausgerüstet, Und die Landtruppen waren zumEinschiffen bereit, als B., umgeben von seinen Offizieren, am 23. Aug. 1628 von dem ver-abschiedeten Lieutenant Felton erdolcht wurde, der sich für eine Dienstbeleidigung rächenund zugleich sein Vaterland von einem Tyrannen befreien wollte.
Buckingham (George VillierS, Herzog von), dcrSohn und Erbe des Vorigen, geb.1627, erhielt mit seinem jüngern Bruoer, Francis, Bildung und Erziehung nach Anord-nung Karl'sl-, der die Neigung zum Vater nach dessen Ermordung auf die Söhne übertrug.