Druckschrift 
1 (1845) A bis Balbuena
Entstehung
Seite
684
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664 Avienus Avis

zu Afschema, einem Flecken in der Nähe der zu Bokhara gehörenden Stabt Charmatia, imI. 980 geboren und erhielt zu Bokhara eine sehr gelehrte Erziehung. Mit besonderer Bor-liebe studirte er Mathematik, Astronomie, Philosophie und Medicin. Er war Leibarzt beimehren Herrschern der samanidischcn und dilemitischen Sultane, auch eine Zeitlang Vezier inHamadan, zog sich aber dann nach Jspahan zurück und starb ans einem Zuge des Emir Alacd Daula gegen Hamadan im I. 1037. Er h'intcrlicß eine Menge Schriften, unter denenbesonders sein System der MedicinKamm fi 'lTibb" den größten Nus erlangte. Es zeich.net sich dasselbe weniger durch Originalität aus als durch die verständige Anordnung undzweckmäßige Auswahl aus den Schriften der griech. Ärzte zu einer Zeit, wo die ÄcnntniKdes Griechischen noch wenig verbreitet war, und die A. durch arab. Übersetzungen zugäng-lich waren. Der arab. Text desKanun" und mchrer seiner philosophischen Schriften,unter welchen seine Metaphysik die Aufmerksamkeit der Scholastiker auf sich zog, erschien zuNom 1593 (2 Bde., Fol.). Von Gerardus Cremonensis wurdederKanun" in das Latei-nische übersetzt und öfters gedruckt (zuletzt, 2 Bde., Ven. 1595, Fol.). Auch seine philosophi-schen Schriften erschienen wiederholt in lat. Übersetzungen (Ven. 1199, 1523 und 1561).

AvieilUs (Festus Nufus), ein röm. Dichter, aus Volsinii in Etrurien, wahrscheinlichim 1. Jahrh. n. Ehr., ist der Verfasser einer Metaphrase des geographischen Gedichts desDionysius, in lat. Hexametern,DsscrPtio nrbis terrae" überschrieben, und eines Werksin JambenOra maritima", das aber nur unvollständig auf uns gekommen ist, herausgege-bcn in den Sammlungen der kleinen lat. Dichter von Mattaire (Bd. 2) und Wernsdorf(Bd. 5), auch in denOeoFrspki miliares" von Hudson (Bd. 1) und von Bernhardy (Bd. I),und einzeln von Friesemann (Amst. 1786).

Avignon, Hauptstadt des Departements Vaucluse im südöstlichen Frankreich, amlinken Ufer der Rhone, eng und winkelig gebaut, hat eine Menge Kirchen und geistlicheGebäude, unter denen die Kathedrale und die Franciscanerkirche sowie das alte päpstlicheSchloß sich auszeichnen, ein Athenäum und mehre andere wissenschaftliche Anstalten, über3 l 860 E-, ansehnliche Seidenmanufacturen, Seidenfärbereien und andere Fabriken. Diezu A. 1303 gestiftete Universität wurde 1791 aufgehoben. Das ehemalige Dominicaner-kloster ist jetzt eine Kanonengießerei. Die Gegend um A. ist reizend, äußerst fruchtbar anKorn, Wein, Oliven, sogenannten Avignonbeeren (gr-linss ck'Xvignon) und den herrlich-sten Südfrüchten. In A. verlebte Petrarca mehre Jahre, hier sah er seine Laura, der erseine schönsten Lieder sang, und deren Grabmal in der Franciscanerkirche befindlich ist. DaSdurch ihn verewigte Vaucluse liegt drei Stunden von der Stadt. A. mit seinem Gebietewar im Mittelalter eine Grafschaft, welche die Päpste, die bereits die Grafschaft Venais-sin 1273 vom König Philipp ill. zum Geschenk erhalten hatten, von Johanna, Königinvon Sicilien und Gräfin von Provence, 1318 für 80000 Flor, ankauften. Beide Länderregierte der Papst durch einen Vicelcgatcn und besaß sie bis 1790, wo nach mehren stürmi-schen Auftritten, zuletzt am 16. Oct. 1791, die Stadt mit ihrem Gebiete sich an Frankreichanschloß, worauf der Papst im Frieden zu Tolentino am 19. Fcbr. 1797 aus A. und Ve-naissin Verzicht leistete. Historisch merkwürdig ist A. in der Kirchengeschichte auch nochdarum, weil auf Anordnung König Philipp's IV. von Frankreich Papst Clemens V. undseine sechs Nachfolger bis auf Gregor XI. (130977) ihren Sitz daselbst nehmen mußten.Später residirten zu A. noch mehre nicht anerkannte Päpste. Zwei Kirchenversammlungcn,1326 und 1337, wurden daselbst gehalten, die erste berieth das Verhältniß der Geistlichkeitzu den Laien, die andere die schlechte Aufführung des Klerus. Sowol in als bei A. findetman noch viel Überreste aus der Römerzeit.

Avila, Hauptstadt der Provinz gleiches Namens im span. Königreiche Altcastilien,am Adaja, mit 1000 E., der Sitz eines Bischofs, ist historisch dadurch merkwürdig, daß sichhier 1165 der altcastilische Adel versammelte, über den König Heinrich IV. Gericht hielt, ihndes Throns verlustig erklärte und Alfonso, Heinrich's Bruder, zum König von Leon undCastilien erwählte. Zu A. ward auch 1520 die Versammlung des sogenannten drittuiStandes oder des heiligen Bundes unter Juan Padilla's Leitung gehalten, zu welcher fastalle Städte Castiliens Abgeordnete sendeten. Die Universität zu A. ist seit 1807 aufgehoben

Avis oder Avisbrief, auch Bericht heißt im kaufmännischen Geschäftsleben kie