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Ackerbau 65
Acker 300 mR.--2,1675 preuß. Morgen, im Großherzogthum Sachsen-Weimar dagegenI-10 mR.---1,1161 preuß. Morgen.
Ackerbau heißt in der weitesten Bedeutung das ganze landwirthschaftliche Gewerbe,im engern Sinne der Theil der Landwirthschastßlehre, der sich mit dem Boden, der Naturund den Eigenschaften der Pflanzen und der richtigen Art, sie zu behandeln und zu benutzen,befaßt. Die Bestellung des Ackers war in der frühesten Zeit, wo die Bevölkerung noch ge-ring war und die Menschen nur wenige Lebensbedürfnisse hatten, weder so nothwendig nochwurde sic so rationell betrieben, wie dies jetzt der Fall ist, wo die immer steigende Vermehrungder Menschen dem Boden durch Arbeit und Kunst mehr Früchte abzugewinncn suchen unddarauf bedacht sein muß, dem erschöpften Boden neue Fruchtbarkeit zuzuführen und ihnpfleglich zu behandeln. Diese Kunst stieg in der neuesten Zeit immer höher und wurde inDeutschland durch denkende Männer zu einer so großen Vollkommenheit gebracht, daß jetztder Ackerbau, der früher nur als ein mechanisches Gewerbe betrieben und mit Gering-schätzung betrachtet wurde, zur Ackerbauwissenschaft erhoben worden ist. So einfachauch der Ackerbau zu sein scheint, so ist doch zu einem rationellen Betriebe desselben eine ge-naue Bekanntschaft mit der Natur und vielen andern Wissenschaften eine nothwendige Be-dingung. Für jeden cultivirten Staat ist der Ackerbau der Grundpfeiler, auf dem er ruht;daher sind auch ackerbautreibende Staaten auf die Dauer der Zeit immer die glücklichsten undwohlhabendsten, während in solchen Ländern, in denen der Ackerbau dem Fabrik- und Manu-facturenwesen untergeordnet ist, wo Ackerbau und Fabriken sich nicht gegenseitig unterstützen,nur ein erkünstelter Wohlstand herrscht, der sich bei Übervölkerung in die bitterste Noch ver-wandelt. In Anerkenntniß der Wichtigkeit des Ackerbaus zollte guch das Alterthum denBegründern und Förderern desselben göttliche Verehrung, so die Ägypter dem Osiris, dieGriechen der Ceres, die Römer dem Saturnus, und in China genießt der Stand der Acker-bauer noch bis auf den heutigen Tag die ehrenvollste Auszeichnung, sodaß selbst der Kaiserin Begleitung der Großen des Reichs an einem bestimmten Tage eines jeden Jahres einigeFurchen pflügt.
Der wichtigste Theil des Ackerbaus ist die Pflanzenbaukunde, deren allgemeiner Theildie Bedingungen des besten Gedeihens der landwirthschaftlichen Pflanzen kennen lehrt unddie Lehre vom Klima, Boden, von der Urbarmachung und bleibenden Bodenverbesserung,der Düngung und Bearbeitung des Bodens enthält, während sich der besondere Theil dessel-ben mit den Regeln des Anbaus der gewöhnlichsten landwirthschaftlichen Pflanzen beschäf-tigt. Um den Ackerbau mit Vortheil zu betreiben, muß man ausreichende Kenntnisse vondem Einflüsse der atmosphärischen Lust, des Lichts, der Wärme, des Wassers, des Klimas,von den Bestandtheilen des Ackerbodens, den verschiedenen Bodenarten und den Eigenschaf-ten der Bodenbestandtheile (s. Bodenkunde), von der Tiefe der Ackerkrume, dem Unter-gründe, der Lage des Bodens, der Bestimmung des Bodcnwerths, der Verbesserung undMischung der Ackerkrume, der Düngung oder Befruchtung des Bodens, der Bodenkrafter-schöpfung (s. Statik), der Bearbeitung des Ackers mit den verschiedenen Ackergeräthen,und zwar von der Tiefe, Breite, Richtung, Zeit, Wiederholung und besondcrn Arten desPflügenS, von der Bearbeitung des Bodens mit den Handgeräthcn, der Vertilgung desUnkrauts, der Saatbestellung, und zwar der Beschaffenheit des Samens, des Samenwech-sels, der Vorbereitung und der Menge des Samens, der Zeit der Saat, der Art des Säcns undder Bedeckung des Samens, von der Versetzung der Pflanzen, dem Jäten, Schröpfen, Be-hacken und Behäufeln, der Abhaltung und Verminderung schädlicher Thiere, der Verhü-tung der gewöhnlichsten Pflanzenkrankheiten, von der Wahl des Zeitpunktes der Ernte undder Erntearbciten, vom Anbau der verschiedenen Feldgewächse, von den verschiedenenGattungen der Weiden, der Verbesserung und Pflege derselben und von der Beschaffenheit,Verbesserung, Düngung und Pflege der Wiesen haben. Der Ackerbau beginnt mildemUrbarmachen, welches entweder durch Wegräumen der Bäume, Sträucher und andererPflanzen, oder durch Wcgschaffen, Sprengen und Versenken der großen Steine, oder durchEntwässern oder Trockenlegen tiefliegender nasser Stellen bewirkt wird, und man nennteinen auf diese Weise hergestellten Acker Neubruch. Doch nicht überall finden sich dieseConv.-Lex. Neunte Ausl, I. 5