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Ernst Götzinger : ein Lebensbild ; mit Porträt
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34 III. Lebensarbeit.

Niederganges, ein mit unerschöpflichem Reichtum der Gestalten und des bewegten Lebenserfülltes Geschichtsbuch, die Zimmern'sehe Chronik, hinterlassen hat. Es berührte Götzingerfast wehmütig, wenn er den Erfolg der Barack'schen Ausgabe dieser Chronik mit seinemVadian verglich. „Sie wurde vor zwölf Jahren zum ersten Mal in vier Bänden veröffent-licht, und erlebt jetzt schon eine zweite Auflage, eine Ehre, die unserm Vadian sicher inhundert Jahren nicht zu teil wird; und doch, wo ist mehr Würde, Ernst, Tiefe, Wissenschaft,Scharfblick, Kunst, Adel der Gesinnung? bei Vadian oder bei den Zimmern? Bei unsermMitbürger alles aus Einem Gusse, getragen von Einem Gedanken; bei den Zimmern eineMarktbude voll kleiner Bilder, Abenteuer, Anekdoten, glaubliche und unglaubliche Geschichten;es lässt sich kein grösserer Gegensatz denken, — und man kann doch nicht sagen, dass dieWelt betrogen sein wolle, wenn sie Freude an der schwäbischen Chronik findet. Die Weltist die Welt und bleibt die Welt, so lang dasteht die Welt, sagt der Zimmern'sche Chronistselber." Die Wanderer hielten sich auch in Rottweil, wo die Zimmern ein Haus besassen,und in Messkirch auf, „wo, ganz abgesehen vom Zimmern'schen Schloss, keine Gasse, keinHaus, kein Tor, kein Pfarrer und Kaplan, kein Organist und Mesmer, kein Garten undGraben, kein Schatz und kein Gespenst, keine Brunst und kein Wetterschlag unvermerktvorübergegangen sind. Unser Aufenthalt zu Messkirch war aber zu kurz, — schliesstGötzinger seinen Bericht —, als dass wir den offenen und heimlichen Gängen der Zimmernhätten nachgehen können. Es war dies auch nicht unsere Absicht gewesen, die vielmehrdahin gieng, von Messkirch auf dem kürzesten Wege heim zu gelangen; denn, sagt dieZimmern'sche Chronik: das ende beziert alle arbaiten, dergleichen alles, damit die menschenumbgeen."

Diese kleinen Arbeiten atmeten zum Teil einen st. gallischen Erdgeruch; aber siesuchten darum ihre Leser und Freunde doch nicht einzig an der Steinach. Sie bezeugtenin ihrer Ausführung, dass Götzinger immer seine Lust daran hatte, „das Lokale an das All-gemeine zu knüpfen, den Beziehungen nachzugehen, in denen das Kleine zum Grossen,das Besondere zum Allgemeinen gestanden hat". Eingeleitet durch die schöne Abhandlung„Vaterland und Heimat" sind ihrer etwa ein Dutzend in dem mit seinem Bildnis versehenenBuche: „Altes und Neues" (1891) zusammengestellt.

Durch alle Jahre hindurch war Götzinger ein äusserst tätiges Mitglied und neben demPräsidenten die Hauptstütze des HistorischenVereins, dessen Ehre und Gedeihen ihmstets am Herzen lagen. Wie aus einem unergründlichen Born des Geistes und der Kennt-nisse flössen die Vorträge, die er im Schosse der Gesellschaft hielt, und die wissenschaftlichenoder populären Arbeiten, die er in ihren Publikationen niederlegte. Eben in der erstenSerie der „Mitteilungen zur vaterländischen Geschichte" erschien Johannes Kesslers Sabbata.Im 14. Hefte legte er zwei Beiträge zur st. gallischen Reformationsgeschichte nieder: einekritische Würdigung der Chronik des Hermann Miles, sowie des ersten Entwurfs zur Sabbata,und eine Darstellung der Reformation in Wil, die für die Hauptversammlung vom 19. Sep-tember 1870 geschrieben war. Die zweite Dekade beschloss er mit einer Ausgabe der aufder Stadtbibliothek liegenden Chronik Fridolin Sichers, jenes im Jahre 1546 verstorbenen,redlichen und milden Bischofzeller Klerikers, der sich durch seine schlichten Aufzeichnungenüber die Begebenheiten seiner Zeit neben Johannes Kessler ein bleibendes Andenken in derGeschichte der st. gallischen Historiographie gesichert hat. Endlich in einem Bande derdritten Folge (1891) veröffentlichte er die bedeutsamsten Dichtungen und Briefe des durch