in. Lebensarbeit, 29
Von Hause aus mit dem feinsten Sprachgefühl begabt, lebte sicli Götzinger währenddieser Editionsarbeiten vollkommen in die Formen des fünfzehnten und sechszehnten Jahr-hunderts ein, und es machte ihm nun Vergnügen, gelegentlich in kleinen Schriften den treu-herzigen Chronikstil mit seinem alamannischen Lautstand nachzuahmen. Wer kennt sie nicht,die durcli „Emilium Zollikofer" gedruckten, mit Initialen und wohl auch kleinen „Helgen"geschmückten gelben Büchlein, die „der Schulmeister an der latinischen Schul" irgendeinem lokalgoschichtlichen Gegenstande oder gar einem welthistorischen Ereignis widmete!Den Anfang machte das Büchlein „Von Ursprung und herkomen loblicher gesellschafft dergeschichtsfründe in Sant Gallen", in welchen! er mit glücklichstem Humor die ersten zehnJahre des Historischen Vereins, von seiner Gründung durch den „wolkundigen stattschriber"bis zur schönen Jahresversammlung in Bheinegg, am 28. September 1869, schilderte. Esfolgten als weitere Erinnerungen an Tagleistungen des Vereins die Geschichten „Von demuralten Möttelischloss ob Borschach", von den „Herren von Ramswage", von den „Herrenvon Rorschach und Rosenberg" und die „Nüwe Zitung vom alten Schloss zu Mambrechtz-hofen" die der Rittmeyer, unser loblicher stat witverrümpter maier", illustrierte. Im An-schluss' an das schweizerische Lehrerfest in Arau, an dem er, im August 1872, persönlichteil nahm, verfasste er das reizende Schriftchen „Von aller Schulmeister Hochgezite" underzählte darin von seinen Erlebnissen und von den Bersönlichkeiten, denen er begegnet war,so von dem Landammann Augustin Keller, dessen durchfurchtes Antlitz bezeugte, „dassdie pflugschar des geistes dickmals an im ire scharten gezogen", und von dem DoktorBucher, dem „oberschulmeister an der latinischen schul zu Luzerne, der uns ein nüwschribung der tütschen sprach empfalch". Im folgenden Jahr schrieb er „ze frommen, nutzund eer der grusam wunderbarlichen gemeinen gwerb- und kunstbeschouwunge", d. i. derWeltausstellung, den „Lohspruch der Stat Wien in Osterrich«. Die grösste Verbreitung abervon all den schalkhaften Gelegenheitschriften fand seine „Warhafftige nuwe zittung desjungst vergangnen tütschen kriegs". Er entwarf sie im Frühjahr 1871, und man liest sienoch heute mit demselben Vergnügen wie vor 25 Jahren; denn mit unvergleichlicher Frischeund Anschaulichkeit führt sie die grossen Kämpfe vor, von deren Rückwirkungen aucliunser friedliches Land betroffen wurde. Der Chronist erinnert zunächst an den Eindruck,den die Kriegserklärung in St, Gallen machte. Es war an einem schwülen Julitag, „dobekamt mir min swager und sprichet uff offner gassen zu mir: hörstu, daß krieg ist? Domeint ich, er tribe itel schimpf mit mir und luff in die schul zu den buben und warentdie aber nuntz nutz und stupftencl einand und warend wie die nennen denen die hußfrowein bekkelin körn vorgeworfen. Und do ich fraget: waß hand ir? do rüfftend al mit ein:krieg, Schulmeister, krieg! Do wars so, und ist kum gloublich, wie der krieg so bald ußdem fride erwachsen kirnt;" Dann stellt er den Ausbruch und den ganzen Verlauf desKrieges in einer köstlichen Bilderreihe dar und zeichnet zugleich die Fürsten, Staatsmännerund Feldherren, die auf beiden Seiten im Vordergründe standen. Es erscheinen der Königvon Preussen, 'ein gar alter frummer und notfester herre" ; der Kaiser Napoleon, der nachder Schlacht 'bei Sedan „uff das schloß Wilhelmshöchi in Hessenland ziehen dorfft, alda sinöheim, liederlichen angedenkens, vor ziten wonung gehept"; Bismarck, „der was der klugistunder allem volk": Moltke, „des kunigs sin recht hand im krieg, der wüßt alles voruß, wasgeschechen müßt"; Leboeuf, „ein ußbundiger großhans, der sagt, do man in fraget, ob ergrastet sige, das kriegsvolk sige grastet uff den letzten hosenknopf"; Thiers, „ein alt graw