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Ernst Götzinger : ein Lebensbild ; mit Porträt
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30
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30 HL Lebensarbeit.

mäimliii", u. s. f. Endlich gedenkt er der Aufnahme der französischen Ostarmee in unserrnLande: „und sond ir wüßßen zft ewigem gedächtnus, daß im 1871 jar me den achtzig tosendFrantzosen unser gast gewesen sind, und habend wir sy gepflegt, uff'enthalten in kirchen,schulen, rathüsern, städeln und andern orten, sam sy uns eigen gehortend, oucli sy versechenmit geschuch, plunder und allerlai libs notturfft, ettlich oucli by uns begraben, Gott verlieheinen ein froliche urstend." Am Schlüsse erhebt er sich zu gebundener Form und drücktseine Freude über die von der deutschen Nation errungene Einheit aus. Aber höher alsalle äussere Macht schätzt er die Freiheit:

„Stuck, buchsen, harnasch und gewer

gehören wol zu kunigs er,

doch baß noch im die fryheit frumt

so von dem himel selber kumt.

fry hat den menschen gschaff'en got,

nit zfi der ritter und pfaffen spot.

al weltlich macht und rieh zergat,

fryheit allein on end bestat.

der romer rieh was ganz zergangen,

do dfryheit ward in turn gefangen.

fryheit ist mannes höchster orden,

we dem, der will die fryheit morden.

o bouwt der fryheit nur ein hus,

leb leser wo], min lied ist uß."Diese „neue Zeitung", für die sich anfangs in St. (lallen nur mit Mühe ein Verlegerfinden Hess, wurde in und ausserhalb der Schweiz mit ungewöhnlichem Beifall aufgenommen.Schon Ende April waren 2000 Exemplare gedruckt. Aus Basel vernahm der Verfasser, dasses dort zum guten Ton gehöre, die Schrift zu kaufen. Friedrich Zarncke in Leipziggratulierte ihm in einem verbindlichen Schreiben zu der vollendeten Beherrschung der altenSprache. Julius Weizsäcker in Tübingen schrieb ihm, es stehe im „buch vom (lutschenkrieg alliz, claz uns not tut zu wissin", und knüpfte an seinen Dank die zuversichtlicheErwartung, dass, wenn die Welschen wieder einmal Krieg mit den Deutschon anfangensollten, diese mit Ehren den Kampf bestehen werden, „als zuvor, und wellen Hb und gutmit unserm herrn dem keiser darlegen und ring wegen, daz wir mechtiger werden dennwir ie wurden und daz davon fride und gnade werde als wite die werlt ist". Und FräuleinLina Gronzenbach, die sich in Privatkursen unter seiner Leitung in die ältere germanischeLiteratur einführen liess, berichtete ihm während ihres Bonner Aufenthaltes, seine „Zittung"werde in der Universitätstadt mit Entzücken gelesen.

Diese schlichten gelben Büchlein sind scheinbar leicht hingeworfene Skizzen: bei nähererBetrachtung aber erweisen sie sich als kleine Kunstwerke von wahrhaft poetischem Eeiz,die nur ein gründlicher Kenner der historischen Vorgänge ') und des sprachlichen Lebensmit souveränem Behagen formen konnte.

') Wie genau er es jewoilen mit den Vorstudien nahm, geht aus einem Briete an seinen SchwagerTheodor Hug vom 24. Juni 1871 hervor. Er schrieb ihm: „Morgen über 8 Tage ist der Spaziergang desHistorischen Vereins; da soll ich über die Herren von Rorsehach wieder als Chronist berichten. Es istentsetzlich, wie viel Folianten, Quartanten. Oktanten undDuodekanten ich zu einem so kleinen Speck brauche."