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Ernst Götzinger : ein Lebensbild ; mit Porträt
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IL Studiengans

lein, das aber nicht die Bleichsucht hatte, wie Du", und er brachte die Gesellschaft beistürmischem Wetter glücklich hinüber und zurück. Am freiesten ergeht er sich gegenüberseinem „teuren herzallerliebsten Lottchen", dem er eine schwärmerische Verehrung widmet.Er dankt gewissenhaft für die artigen Geschenke, mit denen ihn das zur Jungfrau erblühteSchaff hauser Kind aus der schwäbischen Residenz erfreut, so für die „Prachtweste", die sieim April 1854 zur Konfirmation gesandt und die ihm „wie angegossen" passt. Er versiehtsie seinerseits mit Neuigkeiten aus Schaffhausen und erzählt ihr, wie am 10. Dezember 1854der neue Diakon Schenkel eingesegnet worden sei. „Ein Herr Pfarrer Kirchhof er ausNeunkirch hatte eine unübertreffliche Predigt, und ich muss nur bedauern, dass er nichtPrediger in der Stadt ist. Die Geistlichkeit in Ornat zog miteinander von einer Seite herin die Kirche; es wurde mir angst und bange vor so vielen schwarzen Menschen. Balddarauf zog zu einer andern Türe herein der Stadtrat mit den 7 Deputierten, die ihn gewählthatten, gefolgt von dem Diener mit dem halb schwarz, halb grün gefärbten Stadtfarben-mantel und einem Scepter in der Hand. Mit diesen kam ein Abgeordneter der hohen Re-gierung, mit einem Ratsherrnhute und einem Degen an der Seite mit silberner Scheide, wiees eben in einer alten, ehrenwerten Republik Sitte ist. Diese alle zogen den sogenanntenGänsemarsch. Auch Onkel Konrad war dabei. Nach der Predigt erfolgte die Einsegnungund eine Rede des eben erwähnten Abgeordneten." — Im Jahre 1855 nennt er sich alsSchüler der obersten Klasse des Gymnasiums schon studiosus philosophias. Als solcher gra-tuliert er nicht ohne einen Anflug von wehmütiger Entsagung, seiner blonden Cousine zuihrer Verlobung mit Heinrich Meyer aus Schieitheim, oder vielmehr: er findet, seineGlückwünsche seien überflüssig, da sie ohnehin schon „eine ganze Gelte" Gratulationenerhalten habe. Dann neckt er sie wegen der neuen Mode, die sie eingeführt. „Früherhatten die hohen Herrschaften vor ihren Equipagen entweder ein Paar Schimmel oder einPaar Füchse oder ein Paar Rappen. Jetzt ist Sitte, einen Schimmel mit einem Rappenaneinander zu spannen. Nur so kann ich mir denken, wie Du einen so schwarzhaarigen,sonst aber ungeheuer schönen Mann zum Manne bekommst," Charlotte blieb auch als FrauMever seine <mte Freundin, und sie sandte ihm auf Weihnachten 1855 eine Gabe, die dasEntzücken des schon längst an die Pfeife gewöhnten Abiturienten und noch auf der Hoch-schule der Stolz des Burschen war. Er setzte sich sogleich hin, um ihr zu danken, wenn-gleich ein treues Weib keine Zeit habe, „Briefe von langbeinigen Vettern und derartigemGewürm zu lesen". Du edle Frau eines edlen Herzens", schrieb er, „zu Deinen Füssenlege ich nieder den Dank für den famosen Beutel. So oft ich meine Pfeife daraus stopfenwerde und den Rauch in die Wolken schicke, will ich gedenken des edlen Geberpaares undwill sie überall preisen. Mein Ornat ist damit um ein schönes Stück gefördert worden, undIhr werdet Euch wundern, wenn ich, an der linken Seite am Rockknopf den Beutel, imMunde die silberbeschlagene Meerschaumpfeife, auf dem Haupte die Cerevismütze und überder Haut den sammtnen Rock, verbrämt auf allen Seiten mit fingerbreiten Schnüren, tragend,in Eure Wohnung trete und dann ganz natürlich in lauter Versen zu Euch spreche."

Inzwischen rückte das sorglose Gymnasialleben seinem Ende zu. Im Frühjahr 1856,mit 19 1 k Jahren bestand er das Maturitätsexamen. Er gehörte nicht zu den besten Abi-turienten; denn in der letzten Zeit war er, wohl wegen der ungewöhnlich starken körper-lichen Entwicklung, hinter einigen seiner Klassengenossen zurückgeblieben. Nach dem vomB. April datierten Zeugnis errang er für Religion und Philosophie, Lateinisch, Griechisch.