Druckschrift 
Gespräche in dem Reiche derer Todten ... zwischen der letztverstorbenen Römischen Käyserin, Eleonora Magdalena Theresia, und der letztverstorbenen Königin in Franckreich, Maria Theresia : worinnen das Leben, Gottesfurcht und hohe Tugenden dieser beyden großen Printzeßinnen ... zu ersehen ...
Entstehung
Seite
189
Einzelbild herunterladen
 

m ( '89 ) W

was, dessen ich mich in meinem Leben bedienet, als ein Heiligthum zuüberkommen.

Weil ich nun in meinem Leben ausdrücklich verboten, meinen ent-seelten Leib zu waschen, zu entbkössen, zu Kàmîren, oder aufeinige Weise zu berühren: so wusch man auch nichts, als Gesicht undHände, legte mir, nach Inhalt meines letzten Willens, einen gantz schlech-ten Küttel an, gab mir ein Crucifix und höltzernen Rosen-Crantz in dieHände, und legte mich, unter beständigen Meß-Lesen bey Hofe, wie sonstgewöhnlich, drey Tage aufeine Bühne. Die Kleidung war folgende :Einweisser nebst einem Viol- braunen Scspuiier, an welchem das

Geheimniß des Englischen Grusses eingenähet gewesen, ein Schleyer aufdem Haupt und eine eiserne Gürtel, an dessen Ende ein Todten-Kopffge-hangen. Dieser Kleidung bedienen sich, an gewissen Fest - Tagen, dieso-genannten îàisnischen Sklavinnen, welches-eine, zu München, inder Kirche derer k k>. Csjecsnek gcstifftete Versammlung, aus lauter ade-lichen Frauenzimmer bestehend, deren Haupt die Churfürstin ist.

Nach verflossenen dreyen Tagen ward der Leichnam,von dem kar-cko-.Bette, in einen höltzernen Sarg geleget, und aufden Kupffernen Deckel,meinem Verlangen gemäß, stehen diese Worte: Meonora,liierst, eine arme Sünderin, gestorben 1720. den ly./anuäAlsdann ist der Leichnam, unter Begleitung des gantzen Hofs, aller ho-hen Loiiezien, auch aller geistlicher Orden, unter dem Zuschauen,eirierunzehlbaren Menge Volcks, von 14. Cammer-Herren, auSderKäyser-lichen Hof-Kirche; wiewohl im übrigen, nach alc-Oesterreichisch-herge»brachter Sittsamkeit, ohne unmäßiges Gepränge, zu denen Opucineraauf dem Neu-Marckt, in das Käyserliche Begräbniß, gebracht wor-den.

Vier Wochen darauf wurden von Bischöffen, unter »«gemeinenZulauffdes Volcks, die L^men, mit gewöhnlichen Ceremonien began--gen, und ein guter Orä hat eine sehr gelehrte Rede gehalten; dabeysonderlich das Todten-Geruste, dergleichen an Pracht, Kunst und Kost-barkeit, in Wien lange nicht vorgekommen, sehens-würdig gewesen ; wel-chem Exempel des Hofs auch der Stadt -àgàr, und die übrigenStände hin und wieder, bey denen, meinetwegen gehaltenen, Lxegmengefolget haben.

Ich habe , aus einem gewissen heimlichen Trieb, vielmals zuvorzesaget, daß ich m dem 6s. Jahr meines Alters , meinen letzten

XWV.Km. Ah GeburtS-