(spräche ^ à. ^ ein Wiche derer Tvdicn, ünffund dreyßigste Zwischen Der lchtverstordenen Römischen Käyserin, Und Der lchtverstordenen Königin in FranckreiA ^lâlìlâ HIKMAâ Worinnen das Leben, Gottesfurcht und hohe Tu- genden dieser beyden grossen Printzeßinnen, nebst gantz sonderbaren viicuEn enthalren, auch der Unterschied einer vergnügten und mißvergnügten Ehe, hoher Personen Fraulichen Geschlechtes, zu ersehen. Samt dem Kern derer neuesten Merkwürdigkeiten,und darüber gemachten curieulen kàxàen. Leipzig, bey denen Cömerischen Erben auf dem Neuen Neu-Marcft, àk^o 1721. MSN Je Historie der Artemis« , Königin in csrien, sprach neulich die letztverstorbene Römische Räy- serin , r^L60^t.M^ IttL- K68i^, klinget löblich in denen Ohren aller derer- jenigen, welche Ehr und Tugend lieben. Denn man liefet von derselben, welchermassen sie erstlich ihrem verstorbenen Gemahl, dem König kàiv!o> zum Gedächtniß, ein Gebäude errichten lasten, das hernach unter die Sieben Wunder - Wcrcke der Welt gerechnet, auch daher alle ansehnliche Begräbnisse grosser Herren, biß auf diese Stunde, àutoka geheissen worden. Hernach hat sie nicht gestatten wellen, daß die Asche des, nach der Weise selbiger Zeit,verbrannten todten Cörpers ihres Gemahls, eine andere Grab,städte, als ihren eigenen Leib, haben Me, weshalb dieselbe allemal etwas davon in ihren Mund-Becher gele- get, dasGetranckedaraufgegossen, und also nach und nach die Asche zu sich in ihren Leib genommen. Wie groß auch sonsten die Liebe gewesen seyn müsse, die sie vor den König, ihren Gemahl, geheget, mag daraus abgenommen werden, daß sie, nach seinem tödrlichen Hmtrit, niemals wieder frölich worden seyn, noch weniger aber gelachet haben solle. Werthester l.cspolä! fuhr die Räyserur fort, vsr sich gauy aller'ne zu sprechen, du liegest in heiliger Erde, und bist nach Art derer Christen begraben, keinesweges aber, nach der Weise derer Hey- den, verbrannt worden, wannenhero ich auch deine Asche nicht, wie die àremilìâ ihres ^autüii seine, in mich trincken, und ihr also meinen Leib zu ihrer Grab, städte widmen können. Allein solches war auch keineswe- ges nöthig, weil dein angenehmes Bildniß sich dermaßen lebendig in mein Hertze und Seele gegraben gehabt, daß du, auch nach deinem Absterben, nicht einen Augenblick todt, sondern allezeit in frischen Andcncken darin- D L ne n , M ( 1 54 )-W nen gewesen. Du allein , und nichts anders auf der Welt, wärest meine Freude und Vergnügen, von demjenigen Augenblick an, da ich zu deinem Ehegatten bestimmet ward, und kanntest mir zwar wohl,dein Leibe nach, durch den grimmigen Todt, der ein Feind aller vergnügten Ehen ist, entrissen, dein lebendiges Bildniß hingegen, wie es sich in mein Herhe und Seele gcpraget gehabt, kemesweges ausgelöschet noch getib get werden; sondern dieses bestehet ewiglich. Indem die Römische Räysenu also ck/hmi-te, näherte sich derselben die Gemahlin Nuclovici ) >v. Rönigsin Frankreich, iàurbesagte RonLgin hörete sehr fleißig auf dasjenige, rvas die Räyserin sagte, und schloß aus ihrem vi curs, daß sse eine über alle Massen vergnügte Ehe, mit dem glorwürdigsten I^eopolclo, geführet haben müsse, weil nun die Rcnigin in ihrem Eheband das Widerspiel erfahren, rrat sse vollends zur Römischen Räyserin und redete sse also an: Ew. Majestät sind demnach vor die glückseligste Prinheßin zu halten , daß Sie bey Dero hohen Stande auch eine vergnügte Ehe geführet. Mir hat der Himmel dieses Vergnügen nicht gegönnet, sondern geschehen lassen, daß ich, gleich vielen andern Prmtzeßinnen, einem Gemahl in die Arme gefallen, welcher gerne von verbotenen Früchten gegessen, weshalb ich dann meinen mißvergnügten Stand einer Königin, vielmals gerne, mit einer im Ehestand vergnügt lebenden Gräfin, vertauschet hätte. DLe Kayftxin. Daß Ew. Majestät Gemahl, i-uäovicus xiv gerne von verbotenen Früchten gegessen, ist aller Welt bekannt, und die Beweißchümer dessen gehen noch iho zum Theil, aufzweyen Füssen, lebendig in der Welt herum. Allein, wann eine Printzeßin einem solchem lüsternen Gemahl zu Theil wird, muß sie sich mit starcker Gedult rüsten, und sick dieses zum Trost dienen lassen,,daß sie mit vielen andern, wie Ew-Maj. selbst erwebnen, gleiches Verhängniß hat. Die Königin. Sind aber Ew. Majestät der Meinung, daß man einen solchen Gemahl, der einer an ihn verlobten Printzeßin sein Hertze, oder doch den besten __ m dfs ) ZU sien Theil davon, entwendet, eben so lieben könne, wie eine Printzeßin ihren Gemahl liebet, mildem sie in einer vergnügten Ehe lebet ? DteKayserm. Ich bin allerdinas der Meinung, daß eine Printzeßin allezeit in einer- - ley Liebe gegen ihren Gemahl verharren solle, wann auch gleich dieser in einigen kxceiì und Ausschweiffung verfallet. Will aber die Empfindlichkeit über die Schuldigkeit den Meister spielen, dergestalt, daß einer Prinheßm die Lust ankäme, Rache auf ein oder andere Weise, an ihrem ungetreuen Gemahl auszuüben, muß das Gebet zur Hand genommen, und vermittelst dessen die Empfindlichkeit überwunden werden. In der alten Burgundischen Historia ließet man, welchermassen ein junger König in Portugal!, zur Gemahlin des Herhogs von Burgund, die er,rm Jungfrauen-Stande zur Ehe begehret, und sie deshalb offers im Bildniß gar sehnlich betrachtet, gleichwohl aber dieselbe wegen seines Vaters nicht heyrachen dörffen, eine so grosse Liebe getragen, die ihn endlich beweget sie heimlich zu besuchen. Zu dem Ende habe er sich in Portugal! aufgemachet, und seye, zu einer Zeit, da er doch ebenfalls schon verheyratbet gewesen, nach Burgundien gerefft, woselbst er auch, durch grosse Geschcncke, in einen vertraulichen Umgang mit der Hertzoà gerathen. Als er aber einstmals bey derselben sich in dem Schlaff-Gemach befunden, wäre er von dem Hertzog angetroffen worden, der ihn, als ein evfriger Herr, gefangen nehmen, binden und heimlich vermauren, jedoch nicht hinrichten, sondern, zu seiner desto grossen Quaal, täglich mit Wasser und Brod speisen lassen. Wie diesen elenden Zustand seine Gemahlin, die junge Königin, vernommen, seye sie in schneller Eil nach Burgund, ' zu dem Herhog abgereiset, und habe vor ihren gefangenen Herrn mit Thränen gebeten, aber durch ihre wehmüthige Bitte,weiter nichts erlangen können, ausser nur, daß er seiner unerträglichen ewigen G fängniß erlediget, und heimlich, ohne grosses Geschrey, hingerichtet werden solle. Nachdem nun das fromme züchtige Hertz, die junge Königin, dieses Urtheil und letzte keiàion gehöret, habe sie, aus hoher Bitte erlanget ihren Gemahl vor seinem Ende zu besuchen; alsdann aber, da sie sich mit ihm alleine befunden, demselben ihre auf demLeib gehabte Kleider angeleget, und ihn, also verkleidet, aus dem abscheulichen Ort seiner Gcfangen- schafft gehen lassen, worgegen sie an dessen stakt verblieben, und ohne alle Gnade seine ihm zuerkannte Strafe erleiden müssen, weiche darinnen bestanden , daß sie, von einem erhabenen Ort, liess hinab, auf spitzige eifer- V r ne Pfäle W ( ls6)W ne Pfäle geworffen worden. Diese Begebenheit wird in das Jahr der Welt i r?s. gcfthet, und die, auf solche Weise gestorbene Königin, ist ohne alle Wider-Rede würdig, ein Ausbund aller tugendhafften Frauen zu heissenchie ihren Männern, dererAusschweiffungen dieser ungeachtet, mit unverrückter Liebe und Treue zugethan geblieben. Die Königin. Ich bejammere das Verhängniß eines solchen treuen Herhens; glaube aber inzwischen die Königin werde sich nicht eingebildet haben, einem so grausamen und tyrannischen Printzen, wie dieser Hertzog von Burgund nothwendig gewesen seyn muß, in die Hände zu fallen, sondern in der Meinung gestanden seyn, daß man ihr das Leben scheuchen, und ihrem entflohenen Gemahl nachreisen lassen würde; anderergestalt sie eine allzubarmherhige Schwester genennet werden könnte. Gienge es allen Männern so, deren Augen sich auf fremden Auenweyden, wie es dem kÄ-eon ergangen, würden sie sich besser hüten, als geschiehet, üppe- rit nach verbotenen Fleisch zu hegen, folglich aber manche Printzeßin,in- gleichen viele andere Personen fräulichen Geschlechts, vergnügter in ihrem Ehestände leben. Dieser àlo-on war ein stattlicher Jäger und berühmter Wild- Schütze. Als er einstmals auf der Jagt gewesen, und sich nach dem Wild sehr bemühet, also, daß er matt und müde geworden, auch grossen Durst empfunden, ist er hinab in ein tiefes Thal, QZrggpbiz genannt, gestiegen, darinnen sich ein gar lustiger, schöner, frischer Quell-Brunnen, und um solchen herum eine angenehme grüne Wiese, befunden. Wie er aufbesagten Brunnen hinzugehet, sich in seiner Mattigkeit und grossen Durst mit einem Labe-Trunck zu erfrischen, so siehet er die Jagt- Göttin virmL sich gantz nackend darinnen baden. Da nun hätte er sich, samt seinen Augen, schnell entfernen sollen ; allein er that das Mb verspiel. Denn er blieb mit seinen lüsternen Augen kleben, und ergö- hcte sich damit an dem schönen Leib der Oi-m-e, den er nicht sattsam a6m!. r-rcn und bewundern kunnte. - Solcher Frevel verdroß die Göttin dermaßen , daß sie, aus Zorn, eine Hand-voll Wassers nahm, es ihm in das Angesicht sprengete, und sprach: Gehe nun hin und erzehle denen Leuten, daferne du kannst, daß du mich nackend gesehenhast. Daferne du kannst, lauteten die Worte der Göttin , und das können war dem âà-an in der That etwas unmögliches. Denn das m ( ls7 ) M das von der vàa Hm in Las Angesicht gesprengete Wasser, samt ihrem Zorn, waren von einer dermassen erschrecklichen Wirckung, daß sich sein Haupt unverzüglich meinen Hirsch-Kopff verwandelte, und ein ungeheures Gewcyh, oder Hörner, blicken ließ. Als dieses die Jagt- Hunde des LÄseoas gewahr wurden, sahen sie denselben vor einen wirck- lichen Hirschen an,weshalb sie ihn alsobald grimmig anfielen, auf einen Berge jagten, woselbst sie ihren eigenen Herrn zerrissen und gefressen, dergestalt, daß der lüsterne ââ^on den Kühel seiner üppigen Augen gar theuer bezahlen und büssen müssen. Ich Lebe, wie Ew. Majestät gar wohl hören, nach der Fabel, wie sie in dem O viäio zu finden. Allein sie giebet sonder Zweiffel so viel zu verstehen, daß ein Mensch, welcher seine Lust und Freude an unzüchtigen Sachen hat, gleichsam nicht werrh sey, daß er einem Menschen gleich oder ähnlich, indem er vielmehr ein unvernünfftiges Thier. Hiernechst wird dadurch angedeutet, welchermassen, ausserhalb des Ehe-Bettes, falsche Liebe,Unreinigkeit und böse Gedancken, nochweniger aber unordentliche Vermischung, nicht ungestraffet bleiben; welches auch in der That geschiehet, obschon der Sünder, die Plage seiner Strafe nicht allemal öffentlich , vor aller Welt Augen,traget. DieKayserm. Ich habe aber von Ew. Majestät jederzeit gehöret, als ob Dieselbe die geduitigste Prinheßin von der Welt, und keinesweges zu einiger Rache, wegen derer Ausschweiffungen Dero Gemahlsgeneigt gewesen wären , wannenhero ich mich nicht wenig wundere, solche nunmehro aufdiese Weise reden zu hören. Die Königin. Es hieß bey mir: Patience par force. Wäre aber die Gewalt zu einiger Rache in meinen Händen gestanden, würde sie nicht unterblieben, ynd sonderlich an denen kiàetîen meines Gemahls ausgeübet worden seyn. Denn ich war eine Spanierin, welche Karion ohne dies begieriger als andere ist,sich an ihren Feinden und Beleidigern zu rächen. Ew. Maj. geruhen mir Dero gantzes Leben zu erzehlen,woraufdas Meinige ebenfalls erfolgen solle; da sich dann der Unterschied zwischen meiner geführten Ehe und der Ihrigen, noch besser zeigen wird. XXXV à Z Die m ( Is8 ) _ Die Käyserm. Wohlan ! So wollen wir uns, zu dem Ende, allhie an diesem angenehmen Orte niederlassen. Als sich mm beyde MajestatetthieRayseritt samt der Rö- nrgr'n, niedergesetzet hatten, machte die Er stere, nemlich die Rayserin, den Anfang mit ihrer Historie un d redete also: Mein Vater war kd'iüppxvn -'Keim, Pfaltz-Grafbey Rhein,Neu- burgischer Linie, aus welcher derselbe, nach auvgcstvrbcner Pfaltz-Gräfi. Simerischer Linie, der erste Churfürst zur Pfaltz gewesen, M iches sich jedoch erst 168 s.. ereignet hat, daß er nemlich zu dem Besitz und Regierung der Chur-Pfältzischen Lande gelanget. ^ kkiüppus m König in Spanien, und dann xvmkclm der steHer- hog von Bäyern, sind seine Pathen gewesen , nach denen er auch in der Tauffe genennet worden. Er verheyrathete sich zum erstenmal anOs- àinâ Lonttânlîs, eine Tochter Lißümuncli Königs in Pehlen, die ihm gar zeitig durch den Todt entrissen worden, woraus sich derselbe mir LUls- KerK LmZii-, einer Tochter 6eoi-§u H. Land-Grafens zu Hessen-Darmstadt, die zwar, als eine krmettsmin in sein Ehe-Bette gekommen, endlich aber sich, zu meines Vaters grösten Freude, r 6s z. bewegen lassen, zu der Römisch - Catholischen Religion zu treten. So viel könnte genug von meinem Vater geredet seyn. Jedoch da derselbe, durch seine Frömmigkeit, Eyfer und Tugend-Wandel, einen gar hshenRuhm in der Welt erlanget , wird es Ew. Majestät hoffentlich nicht mißfallen, noch ein und andere besondere Nachrichten von ihmzu vernehmen. Einen Theil seiner Jugend brachte derselbe an denenHöftn des Käy- sers keräinanäi H und Nl. wie auch àimiiíâ des Churfürsten in Bayern zu, wolle sich dargegen niemals bewegen lassen in Lande ausserhalb Teutschlands zu reisen, damit, wie er sagte, er sich keine fremde Untugenden angewöhnen möchte. àno ,6s2. verstarb sein Vater, und die Regierung dessen hinterlassener Lande fiel aufihn, in welchem Jahr er sich auch an meine Mutter verheyrathethat. Als Zeàllv OLnir , König in Pohlen ^ 669. mit Todt abgieng, machte man ihm grosse Hoffnung, den Polnischen Thron zu besteigen. Er begab sich auch zu dem Ende in das Königreich Böhmen , biß an die .Schlèsifche Gräntze, damit er in der Nähe seyn möchte. Mein es liess die m ( ?f9 5 M die Nachricht ein7 welcher Massen ihm die Wahl nicht livrable gewesen, sondern Eäaei Wisniswicrlcy erwehlet worden. Ob er nun sich gleich sehr vergnügt bey Anhörung dieser Bothschasst erwiese, auch dem Courier, der ihm solche überbrachte, ein ansehnliches Stücke Geld verehrete, und sagte, daher, durch die Wahl eines andern, gar grosser Sorgen überhoben seye; ließ derselbe dennoch eine geraume Zeit, ziemlichen Unwillen gegen das Haus Oesterreich blicken, weil er den Argwohn gefastet gehabt, als ob es dieses unter der Hand verhindert hätte, daß er den Pohlnischen Thron besteigen können. Jedoch die Zeiten haben endlich, durch andere gönnstige Schickungen, diesen Unwillen getilget, und ihn in eine vertraute Freundschafft mit dem Ertz-Hause Oesterreich verwandelt. Die Lande meines Vaters, die er von seinem Vater geerbet, sowohl, als seine Person, waren fast mit lauter ?rokelUnten umgeben. Gleichwohl scheuete er sich keineswcges, seinen Gottesdienst jederzeit mit grossen Eyfer zu verrichten. Des Morgens lag er ordentlich zwey Stundenlang aufseinen Knien, dasBildniß des gecreutzigten Heylandes in der Hand haltende, und es mit vielen Küssen verehrende. Die Heilige Gottes, d. i.die Heilige Jungfrau kià, verehrete er ebenfalls mit allem Eyfer, und rüstete sie in allen seinen Anliegen fleißig an, dergestalt, daß man, fast alle Augenblicke, die Worte: là àis! aus seinem Munde erschallen hörete ; jedoch nicht zum Mißbrauch, wie andere Leute vielmals zu thun gewöhnet sind. Ihr, nemlich der Heiligen Mutter des Herrn, zu Ehren, betete er täglich einen Rosen - Crantz. Hiernechst läse er auch alle Tage, in dem Heiligen Calender des ester , desjenigen Heiligen Leben, dessen Tag eingefallen gewesen. Monatlich hub er seinen so-genannten Monath-Heiligen, und erzeigteDiele Ehr-Erbietung gegen ihre Ehr-würdigen heiligen Gebeine. Das wunderthätige Bild zu Alt, Oettingen bereicherte er recht Königlich, mit vielen kostbaren Ge- schencken, und hegete Zeit seines Lebenseine ganh sonderbare Ehrerbietung gegen den Heil. Erh-Engel kickse! ; und solches um einer sonderbaren Wohlthat willen, die er seiner bey GOrt eingelegten Vorbitte zuschrieb , womit es folgende Bewandniß hat : Unweit Neuburg trass ein elender armer Bauers - Mann einen Jüngling an, der sich Meißel ncnnete, welcher auch, den halb-verzweif- selten Bauers-Mann, seines armen Standes halber, sorgsam ausfor- schete, denselben tröstete und ermahnete, zu dem Pfaltz-Grafen um ein Allmosen in die Stadt hinein zu gehen, rnit Versicherung , es würde Z r il-m «§ ( -62 ) M ihm hinführo niemals mehr an Lebens,Mitteln ermangeln, er solte nur mit ihme, Nickaeln» hingehen, und zugleich die Hof,Bediente warnen, daß sie ohne allen Anstand, den damaligen annoch jungen Prinhen k>ki- aus jenem Zimmer, in welchem er lag, anderwärts hinbrachten; die Ursache aber solcher Vorsorge würde die Zeit lehren. Man wunderte sich ob solcher Ermahnung, als sie der Bauecs-Maun thäte, relolvi. te auch, weil das Zimmer ohne dies sehr baufällig gewesen, solche nicht in den Wind zu schlagen, sondern den jungen Prmtzen anderwärts zu verlegen. Solches war kaum vdllzogen, so fiel der gantze obere Theil des Zimmers ein, eben zu rechter Seit, da die letzte Hoffnung des Hauses von Neuburg hätte zu Wasser werden, und nach des kleinen ktuiippl ükelmi Todt, dasgantze Hertzoglhum zu der eroreàmischen Linie übergehen müssen. Den P-.chst und die gantze Geistlichkeit hielt mein Vater in gross fen Werth und Ehren. Den Gottesdienst wartete er vor allen andern Dingen ab, und erwiese sich sehr eyfrig in Vertheidigung seiner Religion, die er allenthalben, wo und wie er nur kunnte, auszubreiten sichere. Mildem berühmten »urà, seiner prorämischen Srief, Mutter Hos Prediger, gerielh er, des Glaubens halber, öffters m einen scharf- fen Wort»Wechsel, und zanà sich mit ihm herum, wie vielmals zwey ?KeoioA, von widriger Religion zu thun pflegen. Als à»l68s. mein Vater die Chur-Psälhische Regierung und Lande in Besitz genommen, fand er darinnen meistentheils Zä'rn.jrte Unterthanen. Nichtsdestoweniger ließ er die Freyheit, Catholischer Glaubens-Übungen, allenthalben unverzüglich verkündigen; und seit der Zeit sind vielein den Schooßder Rsmlsch-Cacholifchev Kirchegezo- gen worden. Insonderheit sehr erfteuere sich mein Varer, wann jemand aus seinen Hof-Leuten sich zu der Römsich-Catholischen Kirche bequeh- rnete. Gegen die Armen war er gurchätig, und sichrere gemeiniglich einen grossen Allmofen-Beutel bey sich, der ihm, bey einem gewissen Zufall , das Leben errettet. Denn, als er sich einstmals, bey Wien, auf einer grossen Wilden-Schwems-JaZt befand, warder von einem grausamen wilden Schwein geschlagen, und würde unfehlbar eine tödtliche Wunde empfangen haben, wann nicht, aus einer sonderbaren Schi- àng GOttes, der Zahn des Schweines gerade auf besagten grossen Almosen-Beutel genossen hätte, und er folglich unbescbädiget geblieben wäre. Er begab sich nach West!, mit dem Churfürsten von Brandenburg m ( -6r ) M denburg schwehre Streit-Sachen abzuthun/wohnte aber nie des Vormittags einer Coiàenr bey, damit er den Gottesdienst nicht versäumen möchte, weil die Zusammenkunfft, zwischen ihm und dem Churfürsten von Brandenburg, secure in der Fasten-Zeit anberaumt gewesen. Er st-ffkete viele Klöster und Küchen, ließ auch, unter andern, zuNeuburg, demHeil àrviàvonf'sà zu Ehren, ein Kloster erbauen, weil eres seiner Verbitte bev GOtt zugeschrieben, daß er männliche Erben erzielet, und dadurch verhindert hat, daß seine Lande, biß aufdie- se Stunde, nicht wieder an eine kroràmische Herrschafft zurücke fallen dörffen. Die pmres von der^ocletät jà liebete er über alle andere Geistliche, indem er fie vordie tüchtigsten Werck-Zeuge gehalten Kehe- reyen auszurotten, und die Irrigen auf den rechten Weg zu bringen. Er vertrauere ihnen aüc seine Kinder, und sie waren seine Beicht-Väter und Hof-Prediger. Ja, seine Gewogenheit ist so groß gegen sie gewesen, daß er sich vielmals verlauten lassen, er wolte seine Kinder nicht vor die Seinigen erkennen, wann sie von seinem Beyspiel abweichen, und dieser 8scir tät nicht eben so hold, als er, seyn wolten. Neuburg ander Donau war seine Freudcn-Stadt. Er hatte sie von denen Juden gesäubert, und sein Leichnam muste, vermöge seiner gemachten Verordnung, von Wien dahin gebracht, auch allda beygesetzet werden. Nebst solchem Eyfer in Religions -Sachen, besaß er auch sonst uochhohe(^usliräten undeine vollkommene Leibes-Gesundheit, welches machte,daß er zu einem sehr hohen Alter gelanget. Er zeugete mit seiner andern Gemahlin sehr viele Kinder, nemlich acht Prinhen und ebensoviel Prinhcßinnen. Die Prinhen betreffende, meine Brüder, leben davon deromaln annoch dreye , als csrl Philipp , der seinem àno 1716. gestorbenen Bruder íànn XVMKeim, Churfürsten von der Pfaltzluc- ceàirte, und l66i. gebohren' ward. Dann /ìler-wài- LiZismunäus, gebvhren i66z. heutiger Bifchoffzu Augspurg; und endlich krsnàur Luäov cu^. 1664. gebohren, nunmehriger Churfürstzu Trier. Anlangende die Printzeßinnen, so bin ich unter ihnen zu einer Käyserin, eine zur Königin von Psrtugalheinezur Gemahlin (iarolili. in.Spam'en,eine eine doppelte Printzeßm von Parma ( indem sie sich an zwey leibliche Brüder verheyrathet gehabt » und Mutter der jetzigen Gemahlin uhilippi v. m Spanien; und dann einezur Gemahlin des Pohlnischen Prinhen 1--^ h» Lvbie^ geworden; und diese drey Letztem, nemlich die verwittible Kö- A z ulgia m ( r6r ) M nigin m Spanien, die Herhogin von Parma, und die Gemahlin des Printzen IscoKi SobiesKy, sind auch noch jetzo am Leben. Ich meines Orts bin das Erst-gebohrne unter allen Kindern, und erblickte das Licht der Welt zu Düsseldorfs, ào i 6s s. Weil sich auch meine Geburt gccurar an dem Drey - Königs - Tag ereignete, ward es vor ein Anzeichen grosser Glückseligkeiten gehalten, und gesaget, daß ich von dem guten Glucke desSterns dererDrey Könige prägen würde.Nicht- wenigerfand sich ein Stern-Verständiger, dermir, ausdereonlìà. non des Gestirns lauter Cronen und Scepter zuvor sagete, das doch mein Vater, derdie Stern-Prophezeyung eine Eitelkeit nennete, wenig achtete. Hingegen sind die Verse eines Jesuilten, kZeer L»!6e, sehr wohl aufgenommen worden; welche in der That eine vortreffliche heimliche Weissagung in sich gefühcet haben. Erstlich zielete der karer 6a!6e aufdenTag meiner Geburth, und die drey Namen überhaupt,weshalb er diesen Einfall hatte: Glückseliges Geschlecht! indessen Aufgang ist Erschienen, nicht ohn Glück, ein königlicher Stern. Aaum vonk-ucioLduderweltgegeben Üst, Vor dich die Himmel schon gewünschte Sorgen nehrm Dir die drey Qrgrien zu dienen seynd bereit, Die da die Gnaden-Flüß sollen in dich ausgiefsin. Mit andern Namen seynd bey dir sie angedeut, All Zierd mir ihnen soll, in deinen Mund einfliesien. Hernach wendete er sich zu dem Namen Lieovora, den die damals lebende Gemahlin des Römischen Käysers, kerclinznäi m. meines Gemahls, des glorwürdigsten l^opoiäi Mutter,einegebohrne Printzeßin von Kantus ebenfalls führete, und versprach mir, aus diesem Namen, ein Allerdurchlauchtigstes Ehe-Bette, indem er also redete : Lleonofg schickt von Manruaner Flüsten, Zu deiner kleinen wieg ein ganyeSchwanen-Schaar. Dir Scepter, Purpur,Lron, zu legen zu den Füssin, Auch vorzusagen dir viel böchsi-beglückre Jahr. Daß um dich werden viel bekröhnre Buhler werben« wem wirst in dieser Wahl zum Vater machen wohl? Du wirst uns geben gleich ein Aäyserlichen Erben, Wer __ m ( - 6z ) W_^ Wer dieses höret, sollte meinen, Apollo selbst müste dem Jesuiten Laläe den Emf«ll in5j)inret haben, weil der Schluß dessen, was damais noch in dem geheimen Lsbiaec des Schicksahls sehr tiefverborgen gelegen, darinnen entdecket zu seyn scheinet. Aber Lüäs, damit noch nicht vergnügt , gehet aufweinen andern, in der Tauffe mir beygelegten Namen, Li^àlenâ , und spricht weiter : Auch àZZglena dir weit beßre Salben reichet, Als aus Liss'àr gewü rtzren Bäumen fliest ; All andrer Balsam einmsolchemHeil-Baljam weichet, kssàe von Bayrn das Ihrige darzu schiest. Verlange ausIhrer Buchs über dich auszuschütten, Fürstchrigkeit in That, im Munde Redlichkeit, Des Leibes schöne Gestalt, Annehmlichkeit der Sitten, Fried, Demuth ,Lieb, in all Geber den Ehrbarkeit. Vl)as lieblicher Geruch kommtvon den Gpezereyen, Die U»Z6àà dir se reichlich dargereicht? Es fand demnach der kuer Laiös einen Ursprung und Quelle aller Tugenden in dem Namen kk^àlens, und deutete zugleich mit aufdie hohen Tugenden meiner väterlichen Groß-Mutter,einer Prin- tzeßin aus Bayern, da er zu verstehen giebt, daß alle Tugenden verleiben, mit dem Geblüts, aufmich herab gefiossen. In dem jetztfolgenden Gedichte aber, meinen dritten Tauff-Namen, ikerciìa, anzeigende, stellet er die Spanische Gnaden - Mutter ibersiìs. als eine SchuhFrau und kgrronm zu meiner Wiegen, indem es heisset : Fort mit deu àcìî hin, des Lebens Spinnerinnen, 1 bereis Spaniens Zierd, tritt selbst an ihre statt, Einbesstrn Faden vordassunge Rind zu spinnen, Die Sorg und Müh aufstch willig genommen hat. Solch Gspunst wird stemitGod, Dimant, perl und Corallen, Einwürfen, und was sonst dasGlücke schöne vermag; Daß dein Gewebe werd beglücket unter allen, Beständig unvermischt, und rein von aller Plag. Das goldenLambl-Fell,so an dein Varernhanger, Muß auch in dieses Werck werden getragen ein, Mir W ( 164 ) W Mit sichern Vorbedeur / daß wer nur hiemit pranget/ Dein Rinderen davor erkänntlich mäße seyn. Mein Vater ließ mich / gleich von der Wiegen an/sehr scharffer- ziehen, machte auch selbst die Einrichtung meiner Tage,Stunden, und steilere sie denen, so die lncheülon über mich trugen, schrifftlich zu. Selbige ist wohl werth, daß ich sie Lw. Majestät von Wort zu Wort er- zehle; und lautete sie also: Ordnung derer Stunden vordre Leonora. Sie solle des Morgens, wann sie gesund ist, aufstehen um 7. Uhr, damit sie um 8 . Uhr mit dem Kleiden und Beten fertig feye. Von 8 . biß 9. Uhr solle die Cammer-Frau in der Frantzösischen Sprach ihre Smndhaben. V0N9. biß halber n. solle karer kry prollmen. Von halber n. biß n. dauretdie Messe. Von 1 i.biß i2. Uhr isset man. Von i r. biß i.Uhr kan sie sich rccrsiren. Von i. biß r. Uhr solle sie tan- tzen. Von -.biß z. Uhr schreiben. Von z. biß4.Uhr ksrer ^prollci- ren. Von 4. biß s. Uhr die Cammer-Frau, in der Frantzösischen Sprache oder Catechismus. Von s. biß 6 . Uhr kecresà. Von 6 . biß 7. Uhr ist Essens-Zeit. Von 7. biß 9. Uhr Uecreàn , und dann zu Bette. Es liessen sich gar viele Merckmahle bey mir spühren, daß die göttliche Gnade etwas gantz besonders mit mir vorhaben müsse, und alle meine natürliche Neigungen liessen auf Ehrbarkeit, Gottesfurcht und Tugenden hinaus. Hiernechst war, ausser denen Jahren, nichts Kindisches an mir. Als ich das vierte Jahr erreichet hatte, erblickte ich einstmals, in einem Carmeliter-Closter , Christi, des am CreutzeHangenden , blutige Wunden. Da fieng ich, aus zarten Mitleyden, bitterlich an zu weinen,und setzte mich unter das Creutz aufdenBoden. Man fragte mich um die Ursache meines Weinens, und bekam zur Antwort: Solle ich nicht weinen, ich, die ich wohl bekleidet, und unver- rvundet, meinen Herrn, am Creuye nackend und bloß,zer- àeischt, und mit häufftgen Blur überrunnen, hangen sehe. Als man mich verständigte, mit was grausamen Missethaten, von un- zehlbaren Mensihen, die göttliche Gutigkeit alle Stunden beleidiget wurde, betrübeke ich mich dermaßen darüber, daß ichviek Tage gantz bestürtzt einher gienge. Ein andermal trug es sich zu, daß zwey LZpu- ciucr » bey meinrm Vater etwas anzubriliM hatten. Ich betrachtete beyder W c 56s ) M beyder Geistlichen armseligen Aufzug, auch wie sie, wider Frost und Kälte keine Schuhe an denen Füssen trugen: Diesel? befremdete mich über alle maßen, machte mich auf die Seite ,und zog /weil ich nichts anders mitzutheilen hatte,meine eigene Schüchlein aus,die ich einem aus beyden zu einem Geschencke darreichete; über welche Freygebigkeit die guten' cspucmer, sich derer Thränen kaum enthalten kunten, dergestalt, daß man gar wohl sagen kan, es seye von meiner Kindheit an,dieEr- barmung mit mir aufgewachsen, ja von Meiner Mutter-Leibe her mit mir entsprossen. Die, so um mich gewesen, können nicht sagen, daß sie jemals ein unwahres Wort aus meinem Munde gehöret. Alles , was ich nur von göttlichen Dingen härete oder läse, blieb in meinem Hertz und Gemüthe, wie in einem Wax eingedrucket; bezeugete auch jederzeit grossen Eyfer solches in das Merck zu richten. Ob nun aber schon, auf diese Weise, leichtlich niemand sich ent- brechen kunnte, mich anders als mit Verwunderung anzusehen ; so weiß ich doch nickt, was meine Mutter, von meiner Kindheit an, biß zu meiner Vermählung, immer an mir auszusetzen fand, welches machte, daß es schiene, als ob ich den wenigsten Theil, unter allem Geschwister, an ihrer mütterlichen ââîon haben müsse; und gleichwohl ertrug ich dieses rauhe i'rzäament mit beständiger Gedultund allem kindlichen kesseä. Noch wenig Tage zuvor, ehe mich der grosse k.eopo>cl zu seiner Gemahlin erwehlete, hatte ich von meiner Mutter einen hefftigen Sturm auszustehen, welches dem Vater sehr zu Hertzen gegangen, insonderheit, da er meine Gedultund Stillschweigen mit seinen Augen ansähe. Ich ward einstmals von einer Magen-Schwachheit, und Cckel ob allen Speisen, angegriffen. Man benennete mir viele Gerüchte, die ich sonst sehr gerne aß, und ich erwehlete deren eines. Dieses nun ward mit gantz besondern Fleiß zubereitet und mir vorgetragen. Ich streckete auch bereits meine Hand begierig darnach aus. Indem aber kam mir in den Sinn, ob es nicht ein Merck grosses Verdienstes seyn möchte, wann ich dergleichen Lüsternkeit dem Herrn aufopfferte und meinen ^gpentunvergnüget ließ? Gleich r«tolvirte ich das erstere, und man muste die Speise unberührt wieder von dannen tragen. Meine Bedienten und Oometklquen hielt ich gelinde, gestattete auch nicht, daß der Geringe von dem Hohen rauh rraKiret werden dörfste; er- mahnete sie hiernechst eben so zu verfahren, wann sie dereinstens über andere zu gebieten haben würden. Manchem habe ich, bey meinem Vater, xxxv.Lmr. Aa durch _ m ( t 66^) W _ Lurch eingelegtes Vorwort, Gnade und Nachsicht erhalten, der sonst würde seyn vom Hofe verstoßen oder übel rräret worden. Die gantze Landschaft'! Iülich hielt lange Zeit, umsonst, bey meinem Vater, unreine gewisse wichtige Gnade an. Endlich ersuchten mich die Land Stände, flehentlich, ihr Anliegen zu befördern. - Ich nahm mich danmnhero der Sache mit allem Ernst an, und verrichtete ein ganhes Jahr gewifte Andachten, GOtt, in dessen Händen die Herhcn derer Fürsten stehen, zu erbitten, daß er meines Vaters seines, in derássà, erweichen möchte; da dann die Land-Stände erhielten, was sie so lange gesuchet. Wannichvon meiner Mutter Erlaubniß erhielt, die Krancken zu besuchen,bey demKrancken-Bettezu sihen.und mir Vorlesung eines geistlichen Büchleins, oder geistreichen Gespräch selbige zu ergötzen, zeigte sich eine unvergleichliche Freude in mir. Befand ich mich unter Bettel-Leuten, war allschon in meinem unverheyratheten Stande meine gewöhnliche Rede ; Ich bm nicht um eine Haar besser als ihr. Ihr seyd sowohl Menschen als ich, mir dem Blur LHristi erkarssser ; und, daferne ihr aufrecht und keusch lebet, der ewigen Glückseligkeit so fähig als ich. Was ich aber, von meinen Eltern, an Geld und Geldes-wmh überkam, das muste gar vielmals denenArmenzuTheil werden. Auch der Gewinn, der mir etwa aus dem, mit meinen Brüdern und Schwestern, zum Zeit-Vertteib angestellten Spielen zukam, ist von mir, gemeiniglich, entweder unter Dürfftigen ausgetheilet, oder aber zur Zierde derer Gottes - Häuser gewidmet worden. Bey etwas zunehmenden Alter durchlase ich sehr viele geistliche Bücher, übersetzte auch etliche i'raäätgen aus dem Frantzösischen in das Hochteutsche, damit meine grosse Wissenschaft^ in der Frantzösischen Sprache, hauptsächlich zur Ehre GOttes angewendet werden möchte. Aufdaß ich zum Beten desto längere Zeit gewäne, nahm ich mir vor dem Schlassetwas abzubrechen. Zu dem Ende band. ich, alk-mal vor dem Bette-gehen, ein Schnürlem um den Finger, welches sich biß in das Zimmer erstrecket^ aüwo meine Cammer - Bediente, kàgâreà ' nUto- vin wohnete, und diese hatt-Befehl, alle Morgen sehr ftük, das Schnür- lein anzuziehen, und mich auf diese Weise aufzuwecken. Besagte meine Cammer-Brdientin hat hernach, unter denen Ktvster-Jungftauen des Carmeliter-Ordens, mit grossen Ruhm der Heiligkeit gelebet, und ihr Leichnam ist noch jetzo unverwestt zu sehen. W l r§ 7 ) Z» _ Mit meiner Anklerdung versäumtteichgar nicht viel Zeit, sondern war behende fertig, mich in das heilige Gebet zu begeben, das ich gemeiniglich , nach der Gewohnheit meines Vaters, zwey Stunden lang, auf meinen Knien verrichtete. Damit ich aber, von allem Hof - Getümmel entfernet, in der Stille und Einsamkeit, der Andacht, um so vielfügircher, abwarten könnte, so war es mir keine geringe Freude und Vergnügen, wann ich Erlaubniß erhielt, mich, auf einigeZeit,bey denen Carmeliterinnen, welcher» Düsscldorff gewesen, zu verschließen,dahin ich mich auch sehr offte unvermerckt,nur von einer Dienerin begleitet , erhub. Unter solchen führete ich mich auf, als eine von denen geistlichen Schwestern, in keiner Sache, ausser nur in der puren Kleidung, von ihnen unterschieden. Ich beobachtete ihre Ordens-Regeln aufdas genaueste, und wann die Schwestern einen Büßgang in die Kirche an- stelleten,da gesellete ich mich unter die Letzteren, wartete auch den ganhen Gottesdienst mit geschlossenen Händen und zur Erde geschlagenen Augen ab, wodurch die andern nicht wenig zur Sittsamkeit und Gottseligkeit aufgemuntert worden sind. Ich erniedrigte mich öffters mit denen Schwestern, sowohl die gemeinen Speisen zu gemessen, als auch dieselben aufzutragen, zu Tische zu dienen, und erst hernach, zuallerletzt, mit dem, was übrig geblieben, verlieb zu nehmen. An Freytagen war ich, zu Ehren des leidenden Heylandes, mit Brod und Wasser zufrieden, und brauchte nur so viel, als nöthig gewesen, einen grossen Hunger und Durst zu stillen. In Summa ich kränckete den alten Adam auf alle Art und Weise, die mir nur einfiele, oder von andern eingegeben wurde. Nicht mindere Erbauung erwieß ich zu Neuburg an der Donau. Ich ließ mich der l^ri-wischen Brüderschafft daselbst einverleiben. Als ich bey dem Tisch des HErrn, oder dem Altar , mit einer brennmden Fackel, noch mehr aber gantz entzündeten Geist, meine Andacht pflog, redete mich mein Vater öffentlich an, und erinnerte mich mit einer ernst- hafften tàs, ingedenck zu seyn, was ich thäte? wessen Geschäffte ich da triebe? und wie ich dahin zu sehen hätte, daß der erste Eyfer in mir niemals verlöschete, noch ich mich mit gemeinen Tugenden befriedigen liesse ; sondern, gleichwie an Herkommen und Geschlecht, also an Frömmigkeit und Tugend, in dem Marramschen Gnaden-Dienst, andern Mit- Einverleibten den ersten Rang benehmen möchte. Den darauf folgenden Tag erstattete ich vor dem Altar die gewöhnliche Angclobung, welche ich hernach ,mit eigener Hand abgeschrieben, ehrerbietigst aus den Altar Aa s legete M ( i§8 ) S» legete, und solche jährlich , daich auch abwesend gewesen, gleichfalls eigenhändig geschrieben, nach Neuburg überschatte. Dieses ist die erste Brüderschafft, der ich meinen Namen einverleibet, und habe ich 51. Jahre darinnen gelebet. Dazumalwohntte ich täglich dreyen Westen bey, und ztvar jederzeit mit der grösten Andacht und Sittsamkeit. Einstens genösse ich,mit Vermissen meines Beicht-Vaters, das Brod derer Engel sieben Tage nacheinander, dadurch eine gewisse Gnade von GOtt zu erlangen. Da, wo das Veoel-àie. öffentlich, zur Anbetung,' ausgesetzet war, erschiene ich vhnePracht, ohne Befolg, mit einem langen Schleyer von oben herab bedecket, und nur von einer eintzigen Dienerin begleitet. Das weinende KKk-ien - Bild bey St. Peter zu Neuburg, und ein anderes unweit davon, zu Bitten-Brunn, besuchere ich öffters, unter demVorwand eines Spa- hierGanges; aber jederzeit mit blosten Füssen. Denn ich wüste, die untern Sohlen aus denen Schuhen, dermaßen künstlich heraus zu schneiden , daß man, in diesen und andern Umständen meiner Wahlfar- then, dergleichen Creutzigung des Fleisches nicht vermerckete. Nachmals , da ich schon Käyftrin gewesen, und auf der Reise zu Neuburg .durchzog, that ich abermals eine solche Reise nach Bitten-Brunn, und traffein mir zuvor bekanntes Bauer-Weib an, grössere dieselbe freundlich, und würdigte sie in ihr Baucr-Hüttlein zu treten. Das gute Weib wüste vor Freuden nicht, wo sie war ; und weil sie nichts bessers hatte, reichte sie mir einen, mit Butter überzogenen Brod-Schnitt dar, worvor sie ein gar reiches Geschencke bekommen. Härte ich, ungefähr in meinem i§tcn und roten Jahre, von meinem eigenen , und nicht von dem väterlichen Willen äexen- äirec, würde ich mich unfehlbar in ein Ciostcr eingesperret, und mit meinem unsterblichen Bräutigam , JEsu CHristo, und sor.stmit niemand, eine ewige Ver bändniß getroffen haben. Der Eckel gegen die Welt, und die Lust zu einem geistlichen einsamen Leben, vcrmeh- retc sich auch dergestalt in mir, daß ich, nachdem Beyspiel vieler anderer Heiligen, von welchen ich ein gleiches gelesen hatte, beschlösse, den väterlichen Hofgäntzlich, heimlich zu verlassen, und in eine Einöde zu wandern, zu welchem Ende ich schon, eine aus denen Cammerdienermnen, zu einer Gefährtin meiner Flucht beredet und bestellet gehabt. Allein der Anschlag ward entdecket, und aelangete zu denen Ohren meines Vaters, der mir dann, mit eitlem glimpffiichen Verweist verbot, führohin dergleichen Gedancken zu hegen. Kurtz HZ ( 169 ) M Kurtz darnach fügete es sich, daßfünffPrintzen um mich würben r denn ich warschön und überaus Wohlgestalt. Darunter befand sich s->co» bus ii. nachheriger König in Engeland, wannenhero ich beschloß, daß, wo« ferne man mich zwingen wolte, diesem zuTheil zuwerden, ich auch vor dem Altar das Ja mit Noin beantworten wolte, weil ich wüste, daß er einer derer grössesten Buhlerund unkeuschestenPrintzenaufder Welt gewesen ; und meine Freude war nicht auszusprechen, da ich sahe ,daß sowohl diese, als die andern Heyrathsêossâs zu Wasser wurden , unwissende, daß es derHimmel darum so fügete, weiter mich vor die Arme des grossem und frommen i-eopoM bestimmet hatte. Dieses gottseligen und glorwürdigsten Kaysers^weyte Gemahlin, (Nâuài2keljci tLs,ward ihm den8.^prill4 1676. durch den Todt entrissen, und die meisten Reichs-Fürsten lagen ihm an, er solte sich in dem Witt- wen-Stand nicht sonderlich lange aufhalten, sondern , zu Trost desgan- hen Teutschlands, bald wieder nach einer Person umsehen, mit der er sein allcrdurchlauchtlgstcs Ectz-Haus forlpflanhen könnte. Gantz Europa nun erwartete mit grossem Verlangen, welche , aus so vielen Fürstlichen Printzeßinnen, dieses Glücke betressen würde. Mà des Königs in Dännemarck Schwester, kam vor allen andern in Vorschlag. Doch mochte dem Käyser mißfallen haben, daß sie bereits an Carl Xl. Königin Schweden, versprochen gewesen, und wegen der Religion werden, sonder Zweiffel, auch allerhand Schwierigkeiten im Wege gelegen seyn. Da nun die Wahl so zweiffelhaffc, und einiger Meinung da, derer andern dorthin grenze, ward der Hof-und Leib--Kle«licu8, von -Beckers genannt, ein Mann, der nicht allein in seiner Wissenschafft seines gleichen nicht hatte, sondern auch in politischen Sachen von besonderer Klugheit gewesen, abgeschicket und befehliget, er solte, ohne sich irgends zu erkennen zu geben, vcrschiedene Höfe, als München, Durlach, Darmstadt, Gotha , Düsseldorfs, dtoöcag, I'ucin, Lee. durchreisen, überall, von denen Printzeßinnen, genauen Augenschein undKuudschasst einnehmen , und davon, von Zeit zu Zeit, genauen Bericht erstatten. Dieser kam dem Käyserl. Befehl auf das genaueste nach, und langte endlich, an dem Hofe meines Vaters zu Düsseldorfs an, von wannen er unverzüglich berichtete, er hätte Für- stens kbliippi VVi 1 be!mi erstgebshrne Tochter, L!eonors, wohltu: das Auge gefastet, und, so viel sich aus gewisten Zeichen much- masten laste , urtheile , daß solchemnter allen, dieergesehen/die besten Anzeichen einer ver sicherten Fruchtbarkeit von sich gä- Aa Z. he; m ( !72 ) M be ; welchen Worten er annoch eine ziemlich genaue Beschreibung meiner Augen, Stirn, Schultern, gantzen Angesichtes, Leibes Gestalt Mitten, Kost, und so fort, hinzugefüget. Dem Käyser war dieses verständigen , treu und gewissenhafften Mannes Gutachten, und zugleich der Russ, vonder mir beywohnenden ungewöhnlichen Gottesfurcht und Frömmigkeit, schon genug, den Entschluß zu fassen. mich zu seiner Gemahlin zu erkiesen. Bevor er aber sich relolvim, begab er sich, seinem Gebrauch nach,in einem so höchst-wichtigen Geschäjste ja nicht zu irren, nach Ma- rien-Zell, sich bey GOtt und seiner Mutter mehrern Raths zu erholen. Nach verrichteter Wahlfarth sendete er den Grafen nach Düsseldorfs, statt seiner, bey meinem Vater die Ansuchung zuthun. Niemand ist vermögend die Freude zu befthreiben, welche an dem gantzen Neuburgijchen Hof entstünde, als sich offenbahrete, was der Graf doiloreclo vor eineLommMon hatte.Ein jeder fieng alsobald an/Mich als eine Sonne zu regarckren, vor der sich alle Sterne neigen müssen. Nur ich allein erschrack über die Anwerbung eines so grossen Käysers; ob er mir gleich, wegen seiner unverfälschten Frömmigkeit, lieber als alle andere Prinhen in der Welt gewesen. Meine Betrübniß darüber war dermaßen groß, daß sie sich äusserlich nicht zu bergen wüste, und ich gieng demnach mit grosser Bestärkung und Tiefstnnigkeit einher; ja unter- fieng mich, in der Einfalt meines Hertzens, öffters an die Sonne zutreten, mein Angesicht braun und ungestalt, den Käyser aber dadurch von mir abwendig zu machen; allein die göttliche Vorsichtigkeit hatte einen ganh andern Rathschluß gefastet. Mein Vater nahm mich mit grossen Ernst vor, und gab mir die Glückseligkeit zu erwegen, die mir der Himmel gönnen wolte, die erste Printzeßin in der gantzen Welt zu werden. Ich antwortete, wel- chermassen ja in Europavor den grossen k-eopolä, weit schönere Creature» als ich, anzutreffen seyn würden, ich aber mir schon vorlängst GOtt sclbsten zum Gemahl auserkohren hätte. Mein Vater befand dan- nenhero vor rathsam, die Sayten seines vilcourièZ ein wenig höher zu spannen, verständigte mich auch, daß mein Ehe-Verlöbnißmit dem grossen l.copv!äo zum Aufnehmen der gantzen Christenheit gcreichete, weshalb ich endlich, unter Vermessung häufiger Zähren, meinen Willen darein gab, sprechende: GOtt ruffet mich, wie ich gar wohl sehe, zu einem andern Stand, als den ich mir ausgesehen. was W ( 171 ) sV Was will r68r.gebohrnerPrintz,r.eopolch an der Ruhr, und fetzte mich in das Zröste Leidwesen von der Welt ; das zwar, wenig Wochen hernach, durch die Geburt einer Prinheßin, kàia Iliereiiz solepl^ genannt, einiger Massen , wieder versüßet worden. An dieser Printzeßin weydeten und ergötzeten sich meine Augen biß in das i rte Jahr, da sie von dem grimmigen Todt ebenfalls in seine Schemen ge- ßmmletward. Bb r Das m ( I7§ ) M Das 168 s Jahr war, dem Erh-Haus Oesterreich, sehr hold und gönnstig, theils weil dessen Erb-Feind hinund wiederbesieget und geschlagen worden, theils aber, weilm solchem der dritte Ertz-Herhog, Lsi-o. lus, als jeht-regierender Käyftr, gebvhren ward. Dem Namen Ca- rolo wurden noch andere, nemlich brLNLiscug, zo 5 ex>bu 8 . ^enceüäus, Rslàisr, lokannsr, àconi!>8. Ignsà, beygefüget. Das Licht der Welt erblickte derselbe den i. OKà. und die Tauff-Pathen sind der König von Spanien, samt der verwittibten Kayserm biennora, meines allerdurchlauchtigsten GemahlsMutter gewesen. Zwey Jahre darauf, nemlich ànno i687.gcbahr ichabermal, und brachte eine Ertz-Hertzogin zurWelt, àriâ , ZvLpda, càs, ânccmiâ genannt, die im 17. Jahr ihres Alters das Zeitliche mitdem Ewigen verwechselte. In dem 1689. Jahr lag ich schon wiederum in denen Wochen, und erfteuete den grossen 1-eoxolà mit einer jungen Erh-Hertzogin, die noch jetzo lebet. Sie heis- set^srig -Vlagàâlena, und pranget, nebstzweyenannocham Leben seyenden Schwestern, mit Frömmigkeit und allen hohen Tugenden. Folgendes Jahr ward ich, zu Augspurg, milder zehnten und letzten Leibes- Frucht, entbunden, die kàla, tàZ-,reà , Qsbriela. tVIêigctâlenL , ünttr- niâ. Zoleplir, benammfet, hingegennicht völlig anderthalb Jahr alt wor- denist. Die Reise nach Augspurg gab mir Gelegenheit an die Hand mein geliebtes Vaterland und wertheste Eltern zuNeuburg wiederum zu sehen, wobey viele Andachts - volle Fest-Begängnisse begangen wurden.. Meine Schwester, às kàïL, ward eben damals, eZrvlo n. König von Spanien, zur Ehe versprochen; mein Bruder âlexLnà aber trat den priesterlichenStand an, und laß vor meinen Augen seine erste Messe. Zu Augspurg relolvirten die versammleten Chur-und Reichs-Fürsten ein- helliglich, mir als einer Mutter des gantzenTemschlandes, die Käyftrl. Crone auszusetzen ; Daich dann, von demErh-Bischvffen zuMavnh,nach alt-hergebrachten GebrauchenundOsrEomen, geweyhet, und zur Römischen Kayserin gekröhnet worden bin, welche höchste Ehre, vor mir, sehr wenig Käyserinnen genossen haben. Eine Freude, und ein Vergnügen , folgte auf das andere. Denn bald hernach ward auch mein erstgebohrnerPrintz, sotspku 8 ,der schon damals König in Ungarn gewesen, durch einmüthigeZusannnenstimmung derer Churfürsten, ebenfalls aühie zu Augspurg, bey unserer damaligen Anwesenheit, mit grossen Frohlocken des gantzen Teutschlands, zum- Römischen König und Nachfolger _ UZ ( 177 ) M _ des Käyserl. Throns, erwehlkund ftyerlich ausgeruffen. MeinVattk erfreuete sich, über diese beyde Begebenheiten / da er nemlich eine Tochter als Käyserin, einen Enckel von solcher aber , als Römischen König, grüßen kunnte , dermaßen, daß der Schmers den ihn die, von denen Frantzssen, unter mancherley br-nexc^verübete gänhliche Verheerung und Verwüstung seiner Lande, verursachet hatte, dadurch gäntzlich versässet und verbannet ward. Jedoch er genösse der Freude nicht allzulange, sondern bezahlete, noch in diesem knuffenden 1692. Jahre , tzen 27. dlovsmbr-. zu Wien, die Schuld der Natur, nachdem er bey nahe 75. Jahre gele- bet. Weil er nun, wie gedacht, so kurtz vor seinem Ende, annoch ss gross se Freude an mir und seinem Enckel jolepdo, auch an einigen andern seiner Kinder erlebet ,/ariden sich Leute, die ihn dem àn Simeon verglichen und sprachen , er hätte mit gar guten Rechte sagen können; HErrirrm lassest du deinen Diener in Friede fahren. Denn rc. Ich befand mich unter steten Beten und Seuffzen, bey seinem Ende, und der Römische König fiel, vor dem Bette seines sterbenden Groß-Vaters, nieder auf seine Knie, wolle auch nicht wieder aufstehen, biß er den Seegen von ihm empfangen. Von meinem Gemahl, dem grossen l-eopolä, ward mein sterbender Vater ebenfalls besuchet, und hielt dieser eine in fünffge- Heimen Arkickeln bestehende Unterredung mit demKäyser. Meine Haupt-Geschäffle waren nunmehro die Pflicht einer Mutter,welcher ich mit allem Eyfer annahm. Insonderheit trachtete ich, meinen Kindern insgesamt, eine wahre GOtleöfurcht, Frömmigkeit, Andacht, Eyfer und andere heilige Tugenden mehr , einzuflössen. Mansche mich dannenhero in steter Ermahnung begriffen.Jch gebrauchte mich auch vielmals des Ernstes , den ich aber allemal, durch mütterliche Milde zu mäßigen, nicht unterließ. Hiernechst war ich bedacht immer mehr und mehr Treue, Verehrung und Liebe, gegen den Käyser, meinen Gemahl, blicken zu lassen ,und wann er redete, hieß es bey mir: Ja Herr! Ich werde gehorsamen. Besagter mein Gemahl und Herr befand sich öffters etwas kräncklich; da.ich dann mit ihm kranck seyn wolte. Ich bedienest ihn gleich einer Aufwärterin, und bereitete seine Speisen mit meinen eigenen Händen. Ich bestrebete mich alles zu thun, was ich wüste, das ihm angenehm seyn würde. Hatte er etwa, derer Regierungs- und Reichs-ässi-ren wegen, EbsZrin und Verdruß, bedieneke ich mich eines freundlichen Angesichts, auch sanfft und süßer Zurede, das, was den Käyser ärgerte, oder betrübete, zu vertreiben. In Summa-, unsere Ge- Bb z: müther, __ m ( 17 8 ) W müther , Sinnen und Gedancken, K-"-moni^en dergestalt. daß es schiene, als ob wir nicht aus zweyen Personen, sondern aus einem einigen M lien bestünden. Der Käyser war ein Liebhaber von der und Schauspielen,dannenhero entzog ich mich mcht davon,veranstaltete es auch etliche mal, daß ihm meine junge Ertz-Herhoglicbe ein Spiel ,E.«-nri> ren muste, worzu lch alles ingeheim anschaffete. Spielete etwa der Käy- ser auf einem lêum-m. sang ich darzu. Begab er sich aufdieJagt, eileteich mitzukommen; odlchonunterdessen mein Herheim Himmel schwebete, und mir des Waldes Einöde manchmal zu einem Bec-HauS dienen muste. Ja, l.eopo!äl Gemüths Bejchwehrungen zu oerrmgem, verkürtzete ich bißweilen meine gewöhnliche Andach:s-Stu>iden,wchlwis-' sende, daß es auch eine Gattung der Andacht seve, in solchen Dingen sich emsigst zu üben, welche des Kayscre und seines Hauses Wohlseyn und Angelegenheiten beförderten. Ehe und bevor mein Herr aufstundechattè ich schon drey oder vier Messen gehören Lieffetwa eine glückliche Zeitung von erhaltenen Siegen wider die Türcken und andere Feinde ein, versü- gete ich mich eiligst in meine Cammer - Capelle, dem Allerhöchsten Dar ck zu sagen, und that es hernach, an Erweisung eines fröüchen Hertzens, dcm ganhen Hvfzuvor. Im Widerspiel aber,und wann betrübte Nachrichten ankamen, oder Gefahr verbanden war, trachtete ich durch mein Gebet alles gut zu machen, und mein guter Muth samt einer immer grünenden Hoffnung, zereichete einem jeden zum grösten Trost. Alle diese Liebe, Treue und Sorgfalt, erkannte mein Herr gar wohl, und schätzete sie dermaßen hoch, daß er mir hinwieder in allen möglichen Dingen zu willfahren suchte, in harten Umständen sich Raths bey mir erhoffte, auch mir seine innersten Heimlichkeiten und Angelegenheiten, geheime Schrifften, und von denen Gesandten einlauffende Ziffer- Schreiben, welche letztere ich gemeiniglich auflösen und übersetzen muste, anvertraurte ; in welcher letztem Verdruß - vollen Arbeit ich manche lange Nächte zugebracht. Mit einem Wort, wir waren ein auserlesenes Ehe - Paar, vollkommen einig. Ein jedes war beflissen es. dem andern, an Liebe und Vortreffüchkeit derer Tugenden, bevor zu thun. Eines bewunderte und -àirirte das andere, nahm sich auch vor das andere sich zum Exempel und Beyspiel zu erkiesen. Ja beyde ertrugen, mit gleichen Schultern, die Beschwehrnisse und Last der Regierung. Niemals ist mir etwas schwehrer in der Welt angekommen als die Abreise meinesSohnes c-roli nach Spanien. Ich sahe alle Gefahr,der ersich W ( 179 ) W ersichunterwerffenmuste, vor meinen Augen, und solte ihn aufLebens- lang aus meinen Augen lassen ; ja dursste nicht einmal wünschen ihn wie, der zu sehen, weil es, nach der Beschaffenheit selbiger Zeiten, und menschlichen Ansehen, da sein Bruder ^vlexkus annoch lebete, und als eine Rose blühete, anders nicht geschehcn'kunnte, als wann seine Feinde rriumplü- ren und Meister von Spanien bleiben würden. Unangesehen alles dessen ertrug ich, dieses gewaltige Verhängniß, mit einer gantz ungewöhnlichen Slandlhafftigkeit, ja, war meiner selbst dermaßen mächtig, daß, indem der gantze -Hof, wegen Larol, Abreise in Thränen schwamm,ich allein, mit truckencn Augen, und gelassenen Angesicht, seiner Beurlaubung erwartete. Grosse Gewalt chat ich mir, in diesem Fall, allerdings an, biß ich mein Hcrtze dahin brachte, daß es sich gänhlich in GOttes Willen re- llZnirte. Allein es diente mir solcher Kampff zugleich zu einer Vorbereitung, zu einem viel traurigern, ein paar Jahre hernach sich ereigneten Zufall, der sich in dem Verlust dessen begab, was ich aufErden qm liebsten hatte, nemlich des Käysers, meines Gemahls und-Herrns sechsten, welcher -.nn» 1725. den s. ^prills aus dem irrdischen zu dem unsterblichen Leben abgefordert wurde. In dessen letzterer Kranckheit hatte ich Gelegenheitgenug die Störche meines Gemüthes, Stand Hass igkeit, Liebe und Treue, nochmals an den Tag zu legen. Binnen einer Zeit von etlichen Wochen Messe ich niemalen zwey Stunden nacheinander, saß entweder aufdem Boden,oder lehnete mich an das Krancken-Bette, damit ich, bey einer jeglichen Bewegung meines allerliebsten Gemahls aufgewecket, desto geschwinder zu seinem Dienst wachtbar werden möchte. Absonderlich die letzten acht Tage kam ich gar nicht aus denen Kleidern, und wolle keinen Gehülssen zulassen; zumal in solchen Bedienungen, welche den meisten Verdruß verursachen. War mir aber fremde Hülste gantz unentbehrlich, verböte ich der Helfferin aufdas schärssste ,daß sie hiervon gegen keinem Menschen das geringste erwehnen solte. Allein ich nahm auch, durch so langwieriges Wachen und Bemühen,endlich an Kräfften dermaßen ab,daß ich vor Schwachheitkaum mehr aufdenen Füssen stehen kunnte, auch. durch das Rothlauffund schmertzliches Creutz-Weh,bey nahe in das Bette wäre gemorsten worden. Als mein werthester Herr und Gemahl anfieng mit dem Todt zu ringen, unterstützece ich mit einer Hand das Haupt des Sterbenden, und mit der andern hielte ich die, in ftincr Hand stechende geweyhete Sterbe- Kertze, M ( 182 ) M Kerhe , mit ganh unverruckten Gemüthe. Sobald die Seele ru GOtt gegangen war, küssete ich seine Hände mit recht brennenden Küssen. Hernach aber verfügete ich mich in meinL-àet, allwoich endlich dem biß, hero verhaltenen , und ebendamm desto hefftigern Schmerßen, den Zügel gantz frey fchiessen lassen; da sich dann gantze Ströhme von Thränen aus meinen Augen ergossen. Wie inniglich nun ich meinen Herrn, als er noch lebete gäbet; mit eben so grosser Treue bestrebete ich mich, nach seinem erfolgten Ab- schied aus der Welt, sein Gedächtniß in meinem Hertzen zu verewigen. Alle Tage, von 2. biß 4. Uhr Nachmittags , da der Käyser mit dem Todte gerungen, pflegte ich mich in mein Gebet-Cämmerlein zu verschlissen. Dieses trieb ich gantzer zwey Jahre, und würde von solcher Gewohnheit Zeit meines Lebens, nimmermehr abgestanden seyn, wann mich nicht mein Beicht-Vater, samt denen Leèbèàís, mit Vorgeben, daß es meiner Gesundheit schädlich, dergleichen Einhaltung sobald nach dem Essen vorzunehmen, davon abgehalten hätten. Indem ich es nun einstellen muste, befahl ich einer gewissen Bedientin, mich, allemal um selbige Stunde, an den Todt meines Gemahls zu erinnern, damit ich wenigstens einen kurtzen Seuffzer, vor seine Seele, zu GOtt abschicken könnte. Ich gieng ohne. dies allezeit schwach, nach dem Todt meines werthesten l.eopoW. Wann aber dessen Jahrs-Sterbe-Tag einfiel, kleidete ich mich gantz absonderlich in die allertiefste Klag , brach, te die Zeitin einsamen Gebet, und in Fasten zu, kamniemalszum Vorschein, ausser, wann ich indie Kirche gieng, undredetemit niemanddaS geringste, ausser, was das nothwendigste gewesen. Wöchentlich am Dienstag, an deren einem der glorwürdigste t-eopoiä gestorben, machte ich mir gleichsam eine Gewohnheit und Gesatz, keinen Menschen, zu Ab, Handlung derer Moiren vor mich zu lassen. Monatlich ließ ich in der Wiener Hof-Kirche sogenannter Todten-Capelle ein Seelen-Amt, an dem Jahrs-Tag aberseines zeitlichen Hintritts 500. Messen halten, und theilte dabey reichliches Allmosen aus , welches ich, nach denen krmcipiiL meiner Religion, der göttlichen Gerechtigkeit, alSein Löse-Geldvorfti, ne Seele abführte. Die Nachricht, daß der glorwürdigste Hopolll, auch bey denenjeni, gen getaufften Christen, so sich nicht zur Römisch-Catholischen Kirche bekennen,in der kevararion eines heiligmäßigenFürstensund besondern Diener Gottes stehe, vernahm ich mit gantz sonderbaren Vergnügen. Was m ( I8r )W Was mich aber in eine ganh unaussprechliche Freude schere, war, daß rch hörete, wie etliche Römisch-Catholische, insonderheit zwey Kloster-Jung- stauen,oder Nonnen,in der Grafschasst Burgund,oder der krs„à-Com- rc. rühmeten, durch meines glorwürdigsten Gemahls Verbitte bey GOlt, sonderbare Gnaden erhalten zu haben. Der Sache nun gewiß zu werden, sendete ich einen sichern Mann dahin, der, nach erhaltener Erlaubniß, V0N dem Vicario 6enera1i, VVN Llirersvick, bey dem Eltz- Bischöfflichen Lontìlìorio daselbst, alles recht gründlich und nach aüer Schärffe untersuchen Lassen mufte. Der -Handel an und vorsich aber verhielte sich alft: Liisâkeà ckMZner. eine Nonne in dem Closter 8. Llara, zu Ls- lantzyn in der besagten krancks LomrL, hatte indem Winckeldes einen Auges ein dermassen häßliches Geschwür, daß auch das andere Auge davon in6cirr zu werden schiene. Die ^eäici und Ldii-urgi urcheileten, daß ein Brand dabey zu besoMcn, und rerolvirren daher, dem Unheil vorzukommen, 1705. eine incitìun vorzunehmen. Eine andere geistliche Schwester, Lokannâ c»àot, riech der armen Patientin, unter andern Schutz» Heiligen, auch meinen Gemahl, den damals unlängst verstorben gewesenen glorwürdigsten l.e -polàm. um seine Vorbitte, bey GOtt, in ihrem Zustand anzuruffen, weil so viel von dessen Frömmigkeit gesaget würde, auch sie selbst seiner Hülffe, in einigen ihren Anliegen, be, reits erfahren hätte. Das that die p-- ienrin, und das gantze Kloster stellete derowegen eine neun-tägige Andacht an. Die ^Kirurgi h ttm mittlerweile einige Pflaster aufgeleget. Als sie sich nun einfanden den Zctperaren Schnitt zu verrichten, fanden sie den Schaden heil. Sie «lsclarirten, daß die Pflaster nicht vermögend dergleichen Wirckung zu thun, sondern daß etwas übernatürliches nothwendig seine-Hand dabey gehabt hàn müste; und diese Deciar-àr, haben sie hernach vor dem evnlitiorio eydlich erhärtet; wie dann cmch noch funff Ktoster-Jung- ftauen insbesondere, derer andern Umstände wegen, eydlich abgehöret worden. Die andere Kloster-Jungfrau zu gemelkten kelson, ist eine Car- meliterin , Namens l.ur,cj°,ci zutreten. Es ist aber zu wissen, daß alle diejeni- uigen, so sich zu diesem Orden begeben, sich freywillig und ungezwungen, zu gewissen Andachts - Übungen verpflichten. Sie tragen nemlich das sogenannte Scavulier samt dem Ordens-Gürtel, zum Zeichen einer heiligen Lci'beigenschafft. Alle Montage und Mitwochs enthalten sie sich des Fleisch - Essens, und solches auf ewig. Alle Freytage, und durch die ganhe a 6ve> r - Zeit, halten sie beständige Fasten ; und müssen viele ihnen vorgeschriebene Gebetcr statt des priesterlichen Lui-ler verrichten. Hier- nechst veroannete ich den meisten Pracht aus meinen Zimmern des Käy- serlichen Pallastes, und richtete alles so schlecht ein als immer möglich. /^nno 1716. Hattrick die Freude, meinem Allerdurchlauchtigsten Carl, einen jungen Er tz-Hertzoa gebühren werden zu sehen, der aber hernach bald wieder, zu meinem und des ganhcn Hofes höchsten Leidwesen, gestorben. Es ist zwar seit dem die Käuferin, seine allerliebste Gemahlin , nochmals, mit Erh-Hertzoginnen zur Mutter worden ; allein die Zeit muß lehren, ob der Himmel mein, des ganhen Ertz-Hauses, ingleichen des grossen Theils Eurvpä wünschen erhören, uNd einen andern jungen Printzen, zur Fortpfiantzung des Ertz-Hauses Oesterreichs verleyhen wird. In der Hoffnung, daß es geschehen würde, ingleichen in stetem Beten, Fasten, Ausübung allerley Gottseligkeiten, Arbeiten, Cffey- enund Züchtigung des Fleisches, verschwand dieZeit undflohe davon, eben als ob sie Flügel hätte. Dargcc-en nab ae sich das Jahr, der Tag und die Stunde heran, so meine Seele, au? der Zeitlichkeir in die selige Ewigkeit befördern solte ; welches sich alsofüa: te: Am neuen Jährs-Tag des 1710. Jahres, frühe um 7. Uhr, erhub ich mich in die Capelle, index i^renrl n mich, mci er Gewohnheit nach zu der Heil. B-iebr und Genuß des h-chmürdioen Sacraments des Altars zu bereiten. Weil ich aber allzulange ausser, bsiev entstunden unter meinen Bedienten sorgsame Gedaràn, und du' Bgierde, zu erfahren was etwa vorgegangen wäre? Als nun eine -on denen Cam- mer-Fräulein nack der Capellen àe nass sie n ich, i ach der Länge auf der Eiden liegende, an. Sie fragte cd mr etwas fehle ? ob mir etwas zugestoßen? und nahm endlich wabr daß lchg.wh unbeweulich undsprachlvß, folglich unfehlbar -o-z - cklaa-Fluß mü'w sevn ae- rühret worden, ohne daß jemaiid, ^ on den-n in der Capelle Anwesendes E c z Darauf KD ( i86 ) Z» daraufAcht g/habt. Die vor Schrecken gantz ausser sich selbst seyende Cammer-Fraulein, schrie eilends um den Beicht-Vater/ riefauch sonst noch andere zur Hülste herbey. Augenblicklich kam ein gantzer Haufe Menschen um mich herum zu stehen, die einander ganh erstarret ansahen 5 niemand aber war vermögend, wegen des plötzlichen Zufalls ein Wort zu reden, sondern man trachtete nur mich halb-todte Käyserinin das Bette zu bringen. Da nun erstaunten alle Anwesende noch vielmehr, als sie, nach abgenommenen Kleidern, an meinen beyden Armen eiserne Gümlein, welche ich fast beständig, zu meiner Büß und Züchti- gung, zu tragen pflegte, erblickten, auch blaue, an vielen Orten durchstochene là^uen , die ebenfalls von meiner strengen ?oenken2 und Züchtigung des Fleisches herrührten, an meinen Armen ansichtig wurden. Mein allerdurchlauchtigster Sohn, der Römische Käyser, nebst seiner Gemahlin, dieverwittibte Käyserin àalîr. und die Ertz-Hertzo- ginnen insgesamt, erschienen, und ein jedes von ihnen bezeugte seine äusserste Wehmuth. Die kleài waren auch alsobald zugegen, und befanden einhelligiich, wie ich in eine unheilbare und tödtliche Schlajffucht gefallen und vom Schlag getrosten wäre, und nicht vermögend zu seyn schiene, daß ich mit dem himmlischen Viào oder Zehr-Pfennig, zur letzten Reise versehen werden könnte. War demnach nichts mehr übrig, als daß ich von meinem Beicht-Vater, gewöhnlicher mästen, die äbLiu- tion. und, unter Priesterlichen Gebet, zu dem letzten Kampff, die heilige Oelung empfieng. Des Nachmittags aber ertheilte mir der damalige Päbstliche d^uncius, nunmehriger Lsräins! Lpinois, beyeinem abgestaueten Besuch den Päpstlichen Seegen. In diesem Schlaff, und bey Hemmung aller Sinnen, lag ich biß des andern Nachmittags um 4. Uhr, da indessen gantz Wien in höchster Betrübniß stunde. Hohe und Niedere liessen denen Kirchen und Klöstern zu, GOtt um meine Widergenesung anzuflehen; woraus man spühren kunnte, in was vor Hochachtung und Liebe ich beyeinem jeden stunde. Nachdem sich nun die Kranckheit ein wenig zu mindern begun- ie, so stellten sich auch, nach und nach, die Lebens-Geister wieder ein, und ich gab, durch gewiste Zeichen zuerkennen, daß ich sahe, hörte, und was geredet ward, verstünde. In solchem Zustand verbliebe ich dieselbe gantze Nacht, biß wieder den andern Tag, da man einen Altar bey meinem Bette aufrichtete, und ich ward, bey gehaltener Meß, von meinem Beicht - Vater, mit dem Himmel - Brod gestärcket , zu welchem Ende ich m ( 187) M mich ein wenig in die Höhe richtete. Nachgehends ist auf diesem Altar, biß zu meinem gäntzlichen Hmtritt aus der Weit, alle Tage das Meß« Opffer verrichtet worden. An dem Heil. Drey - König - Abend, ftagte mich mein Beicht-Vater, ob ich nicht wüste, was morgen vor ein Tag wäre? Ich besonne mich ein wenig, und erinnerte mich endlich, wie der 6. ssnuarn mein Gcburts- Tag sey. Der Beicht-Vater erforschet ferner, ob ich nicht gesonnen, mich nochmals mit der Heil. communion zu erquicken, und dem HErrn des Todtes und Lebens, wegen meines so hoch gebrachten Lebens, Danckabzustatten ? Bey Anhörung dessen stiegen mir viele heisse Seuff- zer aus dem innersten Grund meines Hertzens herauf, richtete meine Augen gen Himmel, und bezeugte mein innerstes Verlangen darzu, mit einer an den Mund gedruckten Hand. Nach derer àckcorum Gut-Befinden , solte ich alle Stunden eine kMuillvn oder kräffkige Brühe nehmen ; allein ich weigerte mich dessen vor diesesmal, damit ich den allerhciligsten Leib des HErrn nüchtern empfangen, und vor allen Dingen meinen Seelen- Hunger stillen möchte. Währender Zeit aber, da man alles zur communion bereitete , ergötzet ich mich mit Küssung des Crucifixes, hielt auch ein an-muthiges Gespräch in meinem Hertzen mit GOtt. Hiernechst machete ich mit denen Augen sowohl,als mit denen Händen, sonst noch allerhand heiligcBcwegungcund schlug öffters an mnneBrust, dadurch das zu ersetzen, was meine gelähmet Zunge nicht verrichten türmte. Alle Umstehende sahen mir mitgröster Verwunderung und Auferbauung zu, türmten sich auch derer Thränen nicht enthalten. Nach dieser kleinen Besserung fieng es aufs neue an, von Tag zu Tag schlimmer zu werden. Dannenhero versähe man mich, da wiederum etliche Tage verflossen gewesen, zum drittenmal mit der Speise des Lebens. Ich erwartete meinen Abschied aus der Welt mit grösten Freuden, weshalb ich, als mein Beicht-Vater einstmals zu dem Altar trat, und sich vernehmen ließ, er wolle eine Messe dem Höchsten vor meine Widergenesung aufopf- fern, zu verstehen gab, daß dieses wieder meinen Willen geschähe. Der Beicht-Vater wendete ein, daß es vielleicht der göttlichen Majestät also gefällig, und zu Dero Ehren, auch meinem eigenen Heil gereichen möchte ? woraufich mit Wincken bezeugtechaß dieser heiligste Wille auch der Meine sey. Wie er endlich weiter ftagte, ob ich bereit den bittern Keich des Todtes zu trincken, und mit meinem GOtt in alle Ewigkeit, aufs genaueste vereiniget zu werden ? da gab ich durch meine Augen und Hände-ringen m ( 188 ) M gen zur Gnüge zuerkennen, wie mein einiges und sehnliches Verlangen nach dem himmlischen Vaterland abziele, und gerichtet sey. Wegen der ganh erstochenen rechten Seite lag ich ganher neunzehn Tage auf dem Rücken, und stunde Tag und Nacht die empfindlichsten Schmertzen aus. Ich hatte mich allbereit aufgelegen, und es war nicht ohne Ursache zu besorgen, der kalte Brand möchte darzu schlagen. Gleichwohl ertrug ich dieses bittere Leyden, mit dem Beystand meines gecreutzig- ten Heylandes, dessen Bildniß ich mit beyden Händen hielte , und auf das liebreichste, unaufhörlich küssete, ganh willig und gedultig. Fiel mir bißweilen das Crucifix in der Schwachheit aus denen Händen, suche- te iches alsobald, mit grosser Sorgfalt, wieder herzu. Das schmählichste bey allen diesen Umständen war wohl dieses, daß ich mit dem Römischen .«äyser, meinem allerdurchlauchtigsten Herrn Sohn, nicht mehr mündlich sprechen, noch ihm meinen Seegen und Erinnerungen geben kunnte. Ich that es demnach in dem Hertzen, und vermittelst einiger äusserlichen, mir denen Augen und Händen, gegebenen Zeichen; auf welche Weise meinen Seegen, auch die verwittibte Käyftrin und alle Ertz Hertzoginnen, die allerseits um mein Bette herum knieten, empfiengen. Den ganhen Tag, biß in die Nacht, befand sich entweder mein allerdurchlauchtigster Sohn, oder dessen wertheste Gemahlin die Römi- schcKävserin bey mir. Die verwittibte Käyftrin aber, od.reine von meinen Ertz-Herhoginnen, nahm des Nachts die Wache aufsich. Am 19. ^nusrii kunnte man nicht undeutlich wahrnehmen, daß meine Todtes-Slunde verbanden seye. Darmenhcre fiengen, um i. Uhr Nachmittag, vier Priester von der Gesellschafft ftlu an das gewöhnliche Geber zu beten, vermöge dessen, nach der Kirchen-Verordnung,die von dem Leibe sich scheidende Seelen GOtt anbewhicn werden. Ich beharrete in dem schwehrenTodtes-Kampffgleichwohl biß ein Viertel auf 6 . Uhr, und gab alsdann meinen Geist, meinem Schöpffer, gleichsam durch einen sanfften Schlaff, in seine Hände; worauf sich, wie mir hernach allhie erzehlet worden. ja allen Zimmern der Käyftrlichen Burg, wie auch in denen meisten Häusern der Stadt Wien, ein erbärmliches Weinen und Jammern hören lassen. Ja fast alle getreue Unterthanen des Erh-Hauses Oesterreichs, bedauerten mich, und nahmen Theil an dem Leidwesen ihres Kaysers; und viele von der Hofstadt bemüheten sich etwas, m ( '89 ) W was, dessen ich mich in meinem Leben bedienet, als ein Heiligthum zu überkommen. Weil ich nun in meinem Leben ausdrücklich verboten, meinen entseelten Leib zu waschen, zu entbkössen, zu Kàmîren, oder auf einige Weise zu berühren: so wusch man auch nichts, als Gesicht und Hände, legte mir, nach Inhalt meines letzten Willens, einen gantz schlechten Küttel an, gab mir ein Crucifix und höltzernen Rosen-Crantz in die Hände, und legte mich, unter beständigen Meß-Lesen bey Hofe, wie sonst gewöhnlich, drey Tage aufeine Bühne. Die Kleidung war folgende : Einweisser nebst einem Viol- braunen Scspuiier, an welchem das Geheimniß des Englischen Grusses eingenähet gewesen, ein Schleyer auf dem Haupt und eine eiserne Gürtel, an dessen Ende ein Todten-Kopffge- hangen. Dieser Kleidung bedienen sich, an gewissen Fest - Tagen, die so-genannten îàisnischen Sklavinnen, welches-eine, zu München, in der Kirche derer k k>. Csjecsnek gcstifftete Versammlung, aus lauter ade- lichen Frauenzimmer bestehend, deren Haupt die Churfürstin ist. Nach verflossenen dreyen Tagen ward der Leichnam,von dem kar-cko-. Bette, in einen höltzernen Sarg geleget, und aufden Kupffernen Deckel, meinem Verlangen gemäß, stehen diese Worte: Meonora, liierst, eine arme Sünderin, gestorben 1720. den ly./anuä Alsdann ist der Leichnam, unter Begleitung des gantzen Hofs, aller hohen Loiiezien, auch aller geistlicher Orden, unter dem Zuschauen,eirier unzehlbaren Menge Volcks, von 14. Cammer-Herren, auSderKäyser- lichen Hof-Kirche; wiewohl im übrigen, nach alc-Oesterreichisch-herge» brachter Sittsamkeit, ohne unmäßiges Gepränge, zu denen Opucinera auf dem Neu-Marckt, in das Käyserliche Begräbniß, gebracht worden. Vier Wochen darauf wurden von Bischöffen, unter »«gemeinen Zulauffdes Volcks, die L^men, mit gewöhnlichen Ceremonien began-- gen, und ein guter Orä hat eine sehr gelehrte Rede gehalten; dabey sonderlich das Todten-Geruste, dergleichen an Pracht, Kunst und Kostbarkeit, in Wien lange nicht vorgekommen, sehens-würdig gewesen ; welchem Exempel des Hofs auch der Stadt -àgàr, und die übrigen Stände hin und wieder, bey denen, meinetwegen gehaltenen, Lxegmen gefolget haben. Ich habe , aus einem gewissen heimlichen Trieb, vielmals zuvor zesaget, daß ich m dem 6s. Jahr meines Alters , meinen letzten XWV.Km. Ah GeburtS- m c 192 ) M Geburts-Tag begehen würde, und von denen Kloster - Frauen zur Neustadt, nahm ich, als ich mîchLrmn 1719. tzas lchtemai daselbst befand, Abschied, eben als ob es eine unfehlbare Gewißheit wäre, daß ich zum letztenmal bey ihnen gewesen. So ist auch dieses etwas bedenckliches, und denen, so die Vorbedeutungen àruiren, zur Behauptung ihrer Sache nichts unvortheilhaffkes, daß in dem Eingang der Burg, der älteste von denen Adlern, welche bey Hofe gehalten werden, an eben demselben Morgen, und fastzu eben der Stunde, als ich vom Schlag gerühm worden, todt dahin gefallen ; wiewohl besagter Adler freylich ein sehr hohes Alter auf sich gehabt. Endlich istnoch dieses merckwürdig, daß mein Abschied aus der Welt sich an eben dem Tag ereignet, an welchem ich, zo. Jahre zuvor, als Römische Käyserin, gekröhnet worden bin. Ob ick gleich mit meiner Erzehlung schon ziemlich weit gekommen bin; kan ich mich dennoch nicht einbrechen, annoch von einigen, mein Leben und Wandel überhaupt, insonderheit aber den Wittwen-Srand, angehenden Dingen, zu reden. Ich schliche gerne des Nachts herum, um vielerley wichtigen Ursachen willen, vornemlich aber, dadurch die Hofleute desto furchtsamer zu machen, viele, ihnen anklebende Untugenden zu begehen; wobey ich kein Gespenst noch Pslter-Geist scheuere. Das Italiänische und Franhösische sprach und verstünde ich vollkommen , ja besser als das Teutsche selbst. Ich betete und beichtete auch in Italiänischer Sprache,und meine Beicht-Väm sind allemal Jesuiten, von ràîon aber Jtaliäner gewesen. Der eine hieß kaîàtàr KWl-r, und war, des Teutsch-klingenden Namens ungeachtet, einer derer verschlagensten Jtaliäner. Er hat dem Beicht-Vater-Amte 54. Jahre bey mir vorgestanden, und ist über 80. Jahre alt gewesen, als er ein paar Jahre vor mir gestorben. Denen Juden war ich, von Natur , Spinnen-feind, und befahl denen Hofleuten vor mich von ihnen nicht dasgeringstezu kauffen. Bey meines glorwürdigsten beopolL Leb-Zeiten, hielt ich Vogel, Papagey- enund allerhand andere rare Thiere, weil der Käyftr solche liebere. Nach seinem Todt hingegen schaffcte ich alle ab, und suchete mein Vergnügen nur darinnen, daß ich vor die Spatzen und andere,frey in der Lujst herum « _ m ( l§r ) W _ herum fliegende Vogel , vor die Fenster meines cskàts , einiges Fut- ^ ter legete. Meine Länge war mittelmäßig ; und im Alter gieng ich , wegen des vielen Kniens und Knie-BArgens,etwas vorwärts eingebogen. Acht Stundendes Tags betete ich gemeiniglich / wendete auch die übrige Zeit alle meine Gedancken / auf himmlische und göttliche Dinge. Nimmermehr mag sicheln Welt-Kind so an indischen Dingen ergötzen/ als ich mich an geistlichen, himmlischen und göttlichen erlustigte. Die Kunst, über geistliche und göttliche Dinge Betrachtungen anzustellen, ließ ich mir, von meinem Beicht-Vater, fleißig vorschreiben, und habe sie von Grund aus erlernet. Ich bedienete mich auch hierzu insonderheit desjenigen Buchs, genannt: Das Himmel Brod, und geschrieben vorn t'srer kauto Lsgnerj, einem Jesuiten. Ich war vermögend meinen LW.il- len, und alle ausschweiffende Einfälle, im Zaum zu halten. Zweymal des Tags sxgmmirte und untersuchte ich mein Gewissen, wobey ich den Ab-oder Zunahm meiner Tugenden fleißig aufschrieb. Ich verschlösse mich gar vielmat in ein Nonnen-Klsster, insonderheit des Jahrs einmal, die geistliche Einsamkeit und Übungen des Heil. ignsrü zn'exer^ ciî-en. Zu solchen Zeiten stunde ich des Morgens um 4. Uhr auf, und begrüsscee das Hochwürdige. Das geschahe aufbem Abend noch einmal , und um s. Uhr gieng ich zu Bette. Bey dergleichen jährlichen Verschliessung, oblervirete ich das Gesetze des Stillschweigens sehr genau , und redete binnen > 0. Tagen nicht das geringste, ausser mit dem Beichc-Vater, und das muste den Zustand meiner Seelen betreffen. Ich betete mit aufgehabenen und an die Brust gelegten Händen, eingebogenen Leib und tief-geneigten Haupt. In und bey geendeten Gebet sahe mein Gesicht ganh angeflammet, ja gleichsam von Feuer recht entbrannt aus. Jch spersete, ohne allen Rang, unter denen Kloster-Jungfrauen, zu gewissen Zeiten aber, wann ich z.E. das zehntägige Stillschweigen okà- - vwte, gantz allein in meiner Zelle. Da nun hatte ich eine erdene Schaa- !e zum Trinck-Geschirre, und zum Essen zwey erdene Schüssrem, noch zwey Krüglein gleichfalls von Thon, einen höltzernen Löffel, und statt des Tellers ein viereckichtesBretlein, wie Bauers-oder gar die Bettel- , Leute, zu haben pflegen. War aber die Speise schlecht, so war es gewiß- .lich auch die Wohnung, indem in meiner Zelle anders nichts als etliche geistliche Bildlein,ein unglaßirter Krug, dergleichen zwey Wasch-Schü'ß- D d r là m ( rsr ) W lein , und dann ein Stroh-Sack, samt schlechten Decken zum Bette, zu sehen gewesen. An gewissen Tagen hörete ich acht Messen, und da mochte es kalt oder warm seyn. Vielmals lag ich, im Gebet,mit dem gantzen Leib, auf der Erden, die ich mit meinem Angesicht berührte, in tiefster Demuth vor GOtt, besuchete alle Kirchen in und um Wien, wohnete auch allen bw- ceKonen bey, insonderheit der am Frohnleichnams-Tag; da ich dann eine schwehre weise Wax - Kertzen, 4. biß s. Stunden lang, in der Hand herumtrug. Mit einer, Namens columba, berühmten Stiffrerin derer Carme- Memmen zur Wienerischen Neustadt,lebete ich in grosser Vertraulichkeit. Hs reisete auch der glorwürdigste Käyser, mein Gemahl, bißweilcn mit nach Neustadt, und wir Meten, nebst der Ooiurà, össters eine Betrachtung von vielen Stunden über geistliche Dinge an, 1om-e Kempens Büchlein von der Nachfolge Christi, wüste ich auswendig, und ließ viele geistliche Bücher, aus der Frantzösischen Sprache sowohl, als aus der Italiänischen, mit grossen Unkosten in die Hochteutsche übersetzen., Unter dem Ankleiden und Aufputzen, da fönsten die Hof-Osmss, Fräulein > und Cammer-Iungfem, ihren Printzeßinnen etwas lustiges und angeneh- ! mes vorschwatzen, war bey mir schon eine bestellet, welche einige kaLZen ^ aus dem Leben eines Heiligen Herlesen muste. Das Geld, und dessen Preiß, kennet« ich nicht einmal recht, und meine Einkünffte würden nicht allzuweit gelanget haben, indem ich cklpo- nirt gewesen alles weg zu geben, ohne mich zu bekümmern, woher wieder etwas zu nehmen? Allem getreuer Bedienten gute Vorsicht verhüteten nicht nur den Mangel, sondern machte anch, daß nach meinem Todt an- nvch ein grosser Schatz gefunden worden ; welches zwar nicht sowohl meiner Bedienten Vorsicht, als vielmehr dem göttlichen Seegen zugejchrie, den werden muß, der sich in meinem Schah - Kasten gezeiget, wie er sich jemals in dem Oel- àg jener Wittwen finden lassen. In der Beicht fegete ich allemal mein Gewissen und Hertz dermassen rein aus, daß auch nicht ein Stäublein mit Wissen und Willen darinnen hangen blieb. Ich beichtete gemeiniglich dreymal in der Woche, und beweinete meine geringsten Schwachheiten, vor dem Beicht - Vater mit denen heißesten Thränen. Ich glaubte hiernechst, die Hoheit der Welt ftye mir bloß darum gegeben,damit gantzeStrö hme wahrer Christ- kicher Gutthätigkeiten, von meinem Thron herab in den Schooß derer Armen M ( r-z ) M Armen stressen möchten. Ich arbeitete immer viel mit meinen Händen, und alles, was ich machte, kam entweder zur Zierde in die GOttes-Häu- ftr, oder in die Klöster, oder vor Arme und Krancke in die Spitäler. Besagte GOtteö-Häuser, Klöster und Spitäler haben, Zeit meines Lebens , gantz unglaubliche Summen aus meiner cä gezogen. Mein Beicht-Vater, und sonstnoch andere Personen, musten immer viel All- mosen meinetwegen austheilen, damit die linckeHand nicht allemal wüste , was die rechte that. Ich bereitete mit eigenen Händen viele herrliche ArHneyen,die hernach denen Armen umsonstgegeben worden. Meine Hof-vZm^s, Fräulein, Cammer-Jungfern, samt allen andern Bedienten und vomeüjciuen, musten fromm, tugendhafft, und eyfrig in der Religion seyn. Waren sie dieses, wurde alsdann von mir vor sie gessrget, und das Frauenzimmer kunnte sichere Rechnung machen ansehnlich verheyrathet zu werden; wiewohl auch manche von ihnen , durch mich, in das Kloster befördert worden ist. Ihre BesolBun- gen empfiengen sie richtig, und denen, die es nöthig hatten, oder es ins besondere msririrten, gab ich noch wichtige Geschencke darzu. Vor junge schöne Mädgen, die viele Nachstellungen hatten, trug ich, ob sie gleich nicht in meinen Diensten stunden, besondere Sorgfalt, und trachtete sie in das Kloster zu ziehen, damit sie der Unkeuschheit nicht zum Raube werden möchten. Viele Wäysen ließ ich erziehen, eine ziemliche Anzahl Wittwen aber wurden von mir ernehret. Die Krancken bey Hofe besuchen ich fleißig, reichere ihnen die Suppe, trocknete ihren Schweiß ab, und erquickete sie mit Trost-vollen Worten» Denen Missethätern in Gefängnissen ließ ich meine Gutthätigkeiten ebenfalls angedeyhen. Vordre gefangenen Christen index Türckey aber wendete ich grosse Summen an, dergestalt, daß viele von ih, ren Fesseln und Banden erlöser worden sind. Vor das heilige Grab zu Jerusalem, und dessen Kloster, wie auch andere Klöster an heilige« Orten im 0àr , habe ich nicht wenig gethan. Manchem der zum Strang oder Sckwerd vermcheilet gewesen, erbat ich das Leben, daferne Hoffnung zur B- ssrung verbanden war. Indre Feld-Spttàhmund wieder, wvdieà.csn desKäystrs stunden, sendete ich alle Jahre viele Kisten mir Artzneyen, samt leinen Tü- Hêrn, Binde!», Fàn, und ausgezauseten Fäseiein, denen verwundeten Soldaten ihre Wunden damit zu saubern und zu verbinden, wes- Ddz HM , m ( l 94 ) W halb ich manches schönes Stücke zerschnittten habe. Wann ich b'iß- weilen spielete, gehörete aller Gewinnst denen Armen. Zu Lintz ließ ich denen Barfüssr-Carmeliterinnen ein herrliches GOttes-Hauß und Kloster, von Grund aus erbauen, machte auch, daß sonst noch viele Kirchen und Klöster, von Käyserlichen Geldern, erbauet worden sind. Alle Jahre, am grünen Donnerstag , pflegte ich , zur Nachfolge unsers Heylandes, i r. armen Weibern die Füsse zu waschen, sie zu speis- sen, und ihnen zu Tische zu dienen, beschenckete auch noch eine jede ins besondere mit gar reichen Allmosen. , Am Fest-Tage des Heil. Pflege- Vaters lolcplu, speissete ich IZ. Männer samt einer Jungfrau, denen ich ebenfalls bey Tische aufgewartet. Diesen gab ich weift Kleider, die ich meistentheils sechsten machete. Einstmals erblickete ich einen alten Mann, welcher dermaßen zitterte, daß er die Hände nicht zum Munde bringen kannte. Da nun scheuete ich mich nicht eine Aetzerin abzugeben, und ihm die Speise in den Mund zu stecken. Mein Beicht-Vater er- mahnete mich, solchen Dienst einem andern zu überlassen, wannenhers ich sprach : Lastet mich doch dem elenden Manne helffen, der sich selbst nicht helften kan. Allein weil der Beicht-Vater seine Ermahnung wiederholete, unterließ ich die Verrichtung, und verwechselte sie mit dem Verdienst des Gehorsams. Wann ich mich in ein Kloster , oder in eine Kirche begab, fand ich die Thore allezeit mit einem gan- tzen Geschwader von Bettlern besehet, denen ich das Allmosen eigenhän- digreichete. Sie bekamen Ducken, gantze Thaler und Gulden. Es zogen mich Labey dieselben bißweilen bey denen Kleidern, auch wohl denen Händen, hin und her; und dennoch gestattete ich nicht, daß die Wache, jemanden von ihnen, in meiner Anwesenheit, schlagen oder stossen durffte. Ich fuhr nie aus, daß ich nicht mehr als i oo. 8uppUquen mit mir nach Hause brachte, und ich trachtete einem jeden, nach Möglichkeit zu helffen oder zu dienen. Fürsten und Prititzeßinnen musten öffters warten , biß- ich die Armen gehöret hatte, und so lange von ferne stehen. Derer brotsiMt oder Neu-Bekehrten nahm ich mich stnrckan, undübete yl'le Gutthaten gegen sie aus,, Man sagere, daß viele Betrüger und liederliche Leute unter ihnen waren, die folglich meine Gutthaten gantz unwürdiglich genössen. Bey diesem Vorbringen nun zuckete ich die Achseln und sprach : GOrr lässet seine Sonne aufgehen, über Böse rmdGme, Gerechte und Ungerechte. Ich kunnte, wie leicht zu KZ c 19 5 ) m_ . erachten/ die 8vpplic,ven nicht alle durchiesen, sondern trug meinem Obrist- Hofmeister / ingleichen meinem Zahl-Meister, auf, deren einen Theil zu durchgehen. Als die Armen solches innen wurden, lagen sie dergestalt in des Obrist-Hofmeisters, wie auch des Zahlmeisters, Wohnungen, daß sie denen Spitälern nicht ungleich gewesen inden» ein jeder aufgute ksL. luuon bey ihnen wartete. In dem Wiener Burg-Spital werden gemeiniglich 1520 Arme verkostet, und in dem Armen - Haus vor der Stadt, deren über 2000. verpfleget. Hierzu contriduirete ich etwas wichtiges, begab mich auch , in der Heil. Fasten-Zeit, alle Wochen einmal, auch sonst vffters das Jahr hindurch, mit dem gantzen Hof- Adel dahin, speisete sie, trug das Essen auf, und dienere zu Tische. Bißweilen trug ich auf einem Bret mehr als 40. Pf. schwehr. Die vsmes musten ein gleiches thun, welches ihnen Blut-sauer ankam,und machete, daß sie nicht wenig schwitzten. Kam ich nach Neustadt, Baden, Eisenstadt rc. dächte ich die Spitäler ebenfalls, und davon kunnte mich weder der üble Geruch, noch die Enge des Orts, noch die Gefährlichkeit der Kranckhelt, noch die abscheulichen Gestalten, noch die Wunden,noch die Schwahren derer Elenden / abwendig machen. Begegnete mir ein Priester mit dem Hochwürdigen, eilte ich zum Wagen heraus, und begleitete ihn biß zum Krancken, die Wohnung mochte gleich noch so schlechtseyn. Alsdann ermähnte ich den kämen' zum wahren Vertrauen auf GOtt, und zu Christlicher Starckmüchlg- keir, erkundigte mich nach seinem Zustand, und dienere mit Rath und That. Vor die Neu-Bekehrten vermachte ich in meinem Testament hundert taufend Gulden, und das Geld ist aufZinnß ausgthan worden, ihnen davon gutes zu thun. Vielleicht wäre ich noch weit älter ausser Welt worden, als geschehen, daferne ich nicht ss gar viel gefastet, den Leib nicht alstustarck ge- casteyet, und ein so gar strenges Leben geführt hätte. Dennin meinem W-ttwen-Standspeiste ich schlecht, aß nie kein Rind-Fleisch mehr; ob ich gleich eine sonderliche Liebhaberin davon gewesen; und es geschahe folglich darum, ausdaß ich meinen öppetircreutzigenund ihm wehe thun möchte. Angleichen enthielt ich mich alles Flügel-Wereks und des Fe- der-Wildprts. Schon bey Lebzeiten meines glonvürdiüstcn Gemahls, machte ich ein Gefttze, daß mich des Mittags vier, des Abends aber drey Speistn besonders zascstchret werden musten, Diese nun waren weder m ( 196 ) W der kostbar noch niedlich, Md bestunden vielmals aus Kraut und schlechten Gemüssen. Von denen übrigen Käyserl. Speisen hingegen berühren ich nichts. Wann ich in dem Wittwen - Stande mit denen regierenden Kayserl. Majestäten speisen, oder sie zu Gaste hatte, nahm ich von gar vielen Speisen auf dem Teller. Damit man auch meynen solte, als ob ich äße, beschäftign ich mich immer mit dem Schneiden; gab aber das, was ich geschnitten, meistentheils, unberührt hinweg. Diese heilige List praäieirn ich 4Z. Jahre beständig, ob sie schon nicht allzulange verborgen bleiben kunnte. Einergleichen k^li^ue bedienen ich mich bey meinen vier groben gemeinen Speisen, indem der Rand derer Schüs sein jederzeit mit allerhand Pastetgen und Lecker, B'ßlein sezieret war, die aberstetSwieder hinaus kamen,wiesle aufdie Tafel gesetzek worden. Gieng ich schwanger, wurden von mir alle Speisen ungefaltzen gegessen. Ich tranck nichts als Bier, ausser, daß ich die Tafel mit einem einigen Gläßgen Neckar-Wein beschlösse; dasaber dergestalt mit Wasser ge- mischet gewesen, daß es fast weder den Geschmack, noch die Farbe einiges Weines behielt. An Fast-Tagen des Abends aß ich eine Wasscr-Suppe, worinnen etliche Brocken schwach Brod lagen; und dunckete ich hernach noch ein wenig Brod in das Bier. Des Mittags an denen Fast, Tagen, ließ ich mir die Speisen aus dem Kloster derer Carmeliterinnen nach Hose bringen, nicht besser, als wie sie in dem Kloster waren, und nicht mchr, als so viel ich essen kunnte. Befand ich mich in dem Kloster, nahm ich gar nicht den obersten Platz, sondern vielmals den allerletzten bey der Tafel ein, aß auch in dem Kloster selten von einem gantzen Brödlein, sondern die übrigen Brocken oder Stücklein. In ftmffzehn Jahren bin ich nicht spatzieren gefahren oder gegangen , ausser in das so - genannte Paradies - Gärthgen. Meine àk- Lbsràen sahen noch ziemlich prächtig msudüret aus , weil es die regierenden Käysere so haben wollen. Mein inneres Zimmer aber war bloß und allein mit einem groben schwachen Tuch überzogen. Befiel mich etwa des Nachmittags ein Schlaff, legte ich mich gar nicht aufcin Bette oder Polster-Stuhl, sondern auf die blosse Erde nieder. Lange Zeit wüste solches niemand, biß es sich endlich auf folgende Weise offenbahrete: Ich befand mich nemlich einstmals, mehr als sonsten, durch das Gebet Md Wachen emkräfftet, wannenhery ich mich, auf besagte Art, nieder _ W ( 197) W niederlegte. Die gewöhnliche Stunde, da ich mich in die Hof-Capelle verfüg ere , hatte bereits geschlagen, und ich kam nichr heraus. Man gab.ern Zeichen, durch wiederholtes Klopften an dieTküre, ich aber erschien immer nicht. Es erhub sich dannenhero, unter allen Anwesenden, eine Furcht und ein Wahn, es möchte mir ein kläglicher Zufall begegnet seyn. Solches zu erfahren trat eine derer Erh-Hertzoginnen, nicht ohne Zittern,'in das Gemach, erblickte mich auf der Erden liegende, meinece es hätte mich erwaS tödtliches gerühret, weshalb sie schrie und um Hülffe ruffeke. Damm erwacheteich, stundeauf, und gien- Ze ganh stillschweigend in die Capelle. Fast täglich züchtigte ich meinen Leib mit Geisseln, auch, zu gewissen Zeiten, mit Kettlein, so lange, als man den Büß-Psalm Allerer«, langsam und bedachtsam, beten mag, dergestalt, daß das häuffigab- fliessmdeunddie Erde befeuchtendes Blut, aufdem Boden starck zu sehen gewesen. Ich wolte nicht, daß diese Züchtigung ecl riren oder kund werden svlte, weswegen ich mich gewifter Leinen-Tücher bedienete, die ich unterlegte, und sie hemach einer Nonne zu reinigen gab. Nach meinem Todt hat man eine ziemliche Anzahl solcher Tücher, noch gantzblu- lia, samt vielen Geisseln, auch allerley, theils härene, mit schärften Stacheln durchzogene Buß-Gürteln, gefunden, welche letztem ich entweder an denen Communion Tagen, oder, wann ich in denen Spitälern die Armen bedienete, und auch sonsten öffters, um die Lenden, Arme und Füsse gürtete, dergestalt, daß ich, ohne grosse Schmertzen, mich weder bewegen noch gehen können. Alle, die es gesehen, sind in die äusserste Erstaunung darüber gerathen, und das Kästlein hat der jetzige Käyser, mein allerdurchlauchtigster Sohn, gleich einem unvergleichlichen Schatz P sich genommen, in der inremion es, als ein stetes Denck- malmutier Frömmigkeitzu verwahren. Ich liebere ein Bologneser Hündgen, welches artig, kurhweilig, und dermaßen zart gewesen,daß ich es auch mit in die Kirche tragen lassen. Gleichwie aber mein Beicht-Vater erinnerte, wie, es sich gar nicht wohl schickere ,daß dieses Lhieclein mit in die GOttes-Häustr getragen würde : alsgehorchete ich unverzüglich, und rührete das Hündgen gar nicht mehr an. Denn die ââen und Neigungen müssen in allen Stücken bezwungen und besieget werden. Ich empmkle mich immerfort der Andacht anderer Leute, und gieng me sonderlich prächtig gekleidet einher. Jll dem Mttwen-Stand mt- ^cxv.Lmr. Er schlug _ schlug ich mich aller Seiden-Zcuge, und trug gemeines schwaches Tuch, allemalst lange, biß es ziemlich abgenutzet, indem ich meine Kleider öfters flickete und ausbesserte. Ich bin demnach, unter allem Hof-Frauenzimmer, wohl am allerschlechtesten gekleidet gewesen. Müsse ich aber, an6s!l>Tagen mit grossem Pracht erscheinen, trugichauf derBrustem sehr kostbares vismäener- Crcuh , und an der Seite einen Rosen- Crantzvon Edclgesteinen; der übrige Aierath war,- wie sonst täglich. Auf daß ich mich auchvon asscn Eitelkeiten desto mehr entfemete, hatte ich, bereits im Leben, meinen übrigen Schmuck, unter meinen drey ge- kiebtesten Töchtem getheiler. Zeit meines Lebens habe ich nie gestattet, daß mir die Schuhe oder Strümpffe an-oder ausgezogen worden, noch weniger aber das Hemde. Wcrr memBeichk-Vatcr etwakranck,erhub ich mich zu ihm. Bey der âbluà warst ich mich allemal mit dem vollen Leib aufdie Erde. So offtsich mich indem Kloster befand, und die Oberm mich besuchte in der Zelle, nach derPflicht ihres Amtes, fiel ich nieder auf die Knie und rüstete ihr 5c3pu!icr. Eheich zu Bette greng, kniete ich nochmals vor ihr nieder, und bat um derselben mütterlichen Seegen. Bey dem Eintritt in das Kloster gestattete ich niemals , daß mich die Schwestern îm- ende empfangen, oder mit dem Hand-Kuß verehren durfften, wie sonst denen Käuferinnen zu geschehen pfleget. Ein gewisser Dieb entwände aus dem innersten meines Gemachs viel Geld, ward ertappet, und ihm der Strang zuerkannt; allein ich machte , daß er gar gelinde davon kam. Eine Cammer-Bedienkm machte es ebenso, die ich zwar deswegcnvomHofe schaffte; xrocurlrke ihr aber hernach dennoch eine sehr vortheilhaffre Heyrakh. Unter denm Büchern, die ich gerne läse, führete ich eines fast stets bey mir, geschrieben vom Luiebio dtterember§io . betitelt: Das gört- Äche Leben. Die Hos-Capelle reinigte ich mit meinen eigenen Händen , und kehrete sie vielmals aus. Die darinnen brennende Lampen derforgete ich mit Oel, und säuberte die heiligen Gekäste. Zudem Ende hatte ich den Schlüssel zur Capelle bey mir. Als ich nun einstmals gantz alleine hinein gienge, die auf mich genommene nurbesagte Verrichtungen abzuwarten, rraffich einen Dieban, der eine silberne Lampe entwenden wolle. Derselbe erschrack dermaßen , daß er sich gleichsam meine ÄLwc verwandelte,und tießdie Lampe,nebstdemOchaufdie Erde fallen. Ich stunde Anfangs ebenfalls gantz erstaunet da, fieng aber _ UZ ( -99 ) W _ bald hernach an zu reden/ gab dem Dieb, seines bösen Vorhabens wegen, einen Verweiß, und ermahnete ihn sich eiligst durch die Flucht zu retten; worauf er Beine bekam. Ich aber rüstete jemand von meinen Leuten ,das,durch dasOel,verunsauberte Pflaster wieder zu reinigen. Am Char -Freytag,oder am Oster- Sonnabend, besuchet«: ich, zu Fuß, alle Kirchen und Capellen der Stadt Wien, welche Wahlfarth gemeiniglich sechs Stunden, fast ohne alle Speiß und Tranck gedauret» Meine Verehmng gegen das Heil. Creutz JEsu CHristi, hatte etwas gantz sonderbares in sich , indem ich es, als das vornehmste Werckzeug der menschlichen Erlösung betrachtete. Llsoimra von àvrua , Kaysers ksrämsucli m. Gemahlin,hatte einehochadeliche Versammlung desHeil. Creuhes gestifftet, und ich war mit allem Eyfer bemühet, deren Anzahl zu vergrößern, die einverleibten Damer aber mit der Liebe zu dem Heil. Creutz und allen Tugenden,anzufeuren. Besagte Damer werden Creutz- Stern-Ordens-Frauen Zeheissen, und ihr Ursprung ist folgendermaßen bewand: änno 1668. entstund eine greuliche Feuevs-Brunst mderKäyserl. Burg zu Wien, und viele Käyserl. Zimmer,samt ihren kostbaren kkeublen, wurden sonder Flamme verzehret. Gantz Wien gerieth darüber in das äusserste Schrecken, unddieKäyserinLleonomwardvondem Feuer der- Massen übereilet, daß sie kaum aus ihrem Schlaff-Zimmer kommen türmte ; sobald sie aber heraus war, fiel solches ein. Viele ?rstiol- sind damals von der Flamme gefressen worden ; und dennoch bedauerte die Käy- serin nichts so sehr, als ein Stücklein vorn Heil. Creutz, das schon lange beydem Hause Oesterreich gewesen. Verschiedene Käyser haben es bey Gefahr, und in Feld-Zügen, am Halse getragen, und hernach allemal wieder in dem Kayftrlichm Schatz verwahrlich beygeleget. Mein glor- würdigster l.eopoläu§ vertraute dieses heilige Bißgen Holtz seiner Mutter, die es in einem Käfigen liegen gehabt, und sich gantz Trost-ksß angestellet, als esbey derFeuers-Brunst verlohren gegangen. FünffTage hernach faheeinKäyserlicherCammer-HerrdenenArbeits'Leuten zu, und ward gewahr, daß sie dasKästlein, welches die Käyserin so sehrbeweinete,auS dem verfallenen Gemäuer heraus, ja recht unterder Asche und denen Kohlen hervorzogen. Es war zum theil verbrannt, und das Crystallen-Glaß, so über das Bißgen Holtz vom Heil. Creutz gezogen gewesen, zerbrochen, das Gold aber,womit es umfasset, gar geschmoltzen,das Stückgen hakige Holtz hingegen annoch gantz und unversehret, à, als ob es im Masse», Ee L und poicjum2nimiret, solche, zum Andencken wegen austehsreer Pest erbauen Massen. Meinen Sohn, denKäyser fos-pbum, bewegte ich ebenfalls eine andere Säule aufdem hohen Marckt zu Wien, dem Heil. lolepko zu Ehren, errichten zu lassen. Gleichwie aber dieselbe nm von Hoitz : also wünschtte ich vielmals von Hertzen, daß sie sich endlich in Marmor verwandeln möchte. Viele Altare habe ich,aus meinem eigenen Beutel, erbauen lassen. Der Heil. ihre Hand befand sich in meinem Schatz-Kasten, und ich vcrehrete sie denè Priestern von derGesellschafftstlu bey ät.Lnns zuWien. Hiernechst waren viele heilige Gebeine, insonderheit von dem Heil- Xsverio , und der Heil. Iberett-, . bey mir verbanden. Gleichwohl ließ. ich sie nur des Tags, niemals aber des Nachts in meinem Zimmer liegen, weil ich davor hielte, es seye unbillig, tzaß sie an einem Orr seyn sotten, allwo eine arme Sünderin sich an und auskleidete,auch schliefst, wannen- hero ich sie allemal in die Capelle trug, so offte der Abend einbrach. Wie sehr ich sonst noch alle heilige Männer und Weiber, samt denen Ordens, Stiffttrn, verehret, ist aller Welt bekannt, folglich unnöthig, daß ich es jeho aühie writläufftig anführe angesehen die Erzehlung meiner Historie ehnedies schon viel länger gewähret, als ich mir es Anfangs eingebildet; sie seys aber hiemttgeendiget. DLeKönigm. Man höret und findet m dem Leben Ew. Majestät so viele Fröm, migkeir und Religions -Lyfer, als in der Historie mancher heilig,gewro, Ee z chenen KS ( ror ) ZH I chenen Person vielleicht nicht anzutreffen, wannenhero ich meines Orts davor halte, daß Ew. Majestät, und zwar nicht unbillig, dereinstens der Zahl derer Heiligen beyder Römisch, Catholischen Kirche, werden einverleibet werden ; angesehen doch unmöglich jemand unter denen Lebendigen, an Dero hohen Glückseligkeit, in dem Stande der Ewigkeit, zweiffeln mag. Nunmehro aber will ich zu meiner Historie schreiten, wann es anders Ew. Majestät gefällig solche anzuhören. DieKayserin. Solches wird mit dem grösten Vergnügen geschehen; wiewohl ich mich auch allemal betrüben werde, so offt eine von dem, was Ew. Majestät in Dero Lebenzum Mißvergnügen gereichet, mit emfiies- senwird. Ich bin allerdings sc, ^ . stat, als einer Römischen Käyserin, und sotglich der ersten Printzeßin in der gantzen Welt, den Rang und kss zu geben. Sonsten aber darffsich keine vame des Erd- Kreysses unterfangen mir den Vorzug 6i5punrlich zu machen; esseye dann,daßsie mit Ew. Majestät in gleicher Linie stünde, und eine Römi- scheKäyserin, wie Dieselbe, gewesen wäre. Denn ich war eine Königin von Franckreich und Navarra, Tochter, Gemahlin und Schwester eines Königs, eine Mutter eines v-upUms, und bin nunmehro, nach meinem Todt, zur GroßmutteremesKönigs von Spanien, und Ur,Großmutter eines Königs von Franckreich geworden. Ich meines Orts erblickte das Licht der WeltzuMadrkt, den 20 . 8eptembr. Neuen Calenders i6Atz. Merckwürdig ist demnach dieses, daß ich, mit dem Grossen Ludwig , nicht nur in einem Jahr, sondern auch in einem Monath, gebvhren. Derohalben solte man meinen, es müsten unsere Gemütherbesser alsanderer Menschen, die, in Betrachtung des. Jahrs ihrer Geburt, gar sehr von einander unterschieden sind, kgrmom- rei und zusammen-gestimmet haben. Allein wer so urtheilet,und hernach meine Historie erzehlen höret, wird daraus überzeuget werden, daß er sich in seinem Zuàîcio gewaltig betrogen. Mein Vater war PKiiippus iv. König von Spanien, und die Mutter MUsberKa tssbsila, eine gebohrne Printzeßin von Franckreich', und zwar eine Tochter Nenrici iv. und Schwester l-uàovici xiu. dergestalt, daßich und mein Gemahl leiblich- Geschwister - Kind gewesen. - Man m ( -2Z ) M. Man erzog mich nach Spanischer àà; du. man war bemühet mir schon in der Wiege die 6r3nàLg und lauter hohe Gedancken zu iassi- riren. Was hingegen den Unterricht in geistlichen und Seelen - Sachen betrifft, so vertrauere mich der König, mein Vater, dem kster.zànn VvNkalms» Lsneral-LommiLIrrio deskrgocitcanel'-Ordens, der die völlige OireÄion desfalls fübkett, und sich bemühFte mir, von Kindes-Beî- nen an, alle löbliche und milde Lemimenrs, alle Gottesfurcht und Frömmigkeit , samt allen Eyfer in Ausübung derer Religions-Schuldigkeiten, und Haß gegen die Ketzer, beyzubringen. Es zeigete sich auch eine gargroffeLebhafftigkeitdes Geistes in mir, und fastete ich alles, was ich lernen solle, sowohl Dinge, die das Christenthum und die Religion angehen, als andere Sachen, welche eine Prinheßin zieremwie da sind das Tantzen,Sprachen, àlìc. Singen,irem allerhand fchöneHand-Arbeit zu machen,mit gar leichter Mühe ; und was jch einmal gefastet hatte, blieb feste in meinem Gedächtniß bekleben. Den Gottesdienst, und das Gebet, wartete ich mit grosser Ge- fi-ssenheit, ja aufdas sorgfältigste ab. Dem Beicht- Vater und Mre- 6ori meines Gewissens, leistete ich allen Gehorsam, und kam demjenigen kri^L nach, was mir von ihm auferleget worden. Jch ward demnach, durch den Fleiß dieser Männer, dahingebracht, daß ich, bey aller meiner Hoheit, und Herrlichkeit des Hof-Lebens, des Tags mehr als einmal, an die Bitterkeit des Berges catvà.und an das Elend derer Armen gedachte, die ich, von Zeit zu Zeit, mit wichtigen Allmosen touîagirte. Schon Lnno l 6s6. hakte sich àrà, der berühmte Cardinal und kremier-Mnillrc in Franckreich, in den Kopfs gefehet, mich dem damaligen jungen König , L.uclo vieo Xl V. als eine Gemahlin in die Arme zu liefern, in der Absicht, dereinsten Spanien mit Franckreich zu vereinigen und unter ein Haupt zu bringen. Dannenhero war er bedacht, den langwierigen harken Krieg ,Mlchen l.nllovicu 5 Xì V. mit meinem Vater führte, derer besonderen ànrggeu, so Franckreich von einer Zeit zur andern erhielt, ungeachtet, einen Frieden zu treffen, womit es ihm aber damals noch nicht gelingen wolte. Gleichwohl gewann er, durch seine Abgeschickten, Leute, welche mir täglich so viel angenehmes von dem jungen König in Franckreich vorschwatzeten, daß ich mich nicht wenig in ihzz ver- cksmerirte, ob ich mich gleich zu Madrit, nur-besagttt König abèrzuPa- riö befand. Was - N ( r<-4 ) W Was nundem listigen kàgi-m zur selben Zeit nicht angehen wolte, gelunge ihm 1659. bey dem Pirenäischen FriedeuS ^Schluß. Mein Vater, daferne er sich dem Haust Oesterreich recht gefällig erweisen wellen, hätte gar nicht von einer Heyrath zwischen uàvico Xlv und mir reden hören, sondern die l> osiolmon desfalls verwerffen sollen > sobald sie mf das gekommen wäre. Da er hingegen sich von einigen kimàis immer davon etwas vorschwatzen und alsdann dre Sache aufweinen freyen Willen ankommen ließ, war es geschehen. Man ruffere mich zwar in sein Lsbiner allwo ich die Reichs-Kleinodien der Spanischen klon-ircbie, daS ist, Cron und Scepter rc.aufder einem, 1-uci^vici X V. Bildnis aber aufder andern Seite stehen sahe, und es ward mir gejagtt, daß ich auf das eine, nemlich die Reiche-Kleinodien, entweder, vor mich und meine ganhe Nachkommenschaft renuncurm, oder das Bildniß l-u- öovici aus meinem Sinne schlagen mäste, wobey man mir zu erwegen gab,daß ich dennoch die Gemahlin eines grossen Potentaten werden konnte, wann ich gleich nicht in die Arme eines Königs von Franckmch fiele; allein der muntere und Mge König, hatte mein Hertz und Sinnen schin dermassen eingenommen, daß ich nicht nur auf Spanien, sondern auch auf die gantze Welt, daferne es nöthig gewesen wäre, renuvcuret, und mit ihm herhlich gerne in einer Einsiedlerey gäbet hätte. Der Handel erlangte demnach seine Richtigkeit. Unverzüglich fanden sich Schmeichler, die es der puren Fügung des Himmels zuschrieben, und sprachen, ich seye vor den gerechtesten und mächtigsten derer Könige bestimmet; ja der allerchristlicbste unter denen potentaten^und geereuester Verrheidrger der Rtrche, mäste, norywendiczer weist, eine von Gr. Lätholiscben Mawjtät, als meinem Vater, Herstammende prinyesirn zur Gemahlin haben. Ein anderer nennere mich eine, mit aller exemplari- sü>en Gottesfurcht und hell - glänzenden Turrenden prantsem de, Braut desjenigen Rönigs, der mit allem Re .br die Sonne zuseinemä^mboloführe, weilderGlanystmer Tugend, seiner Weisheit und seiner Gewalt, steh sowohl über das Meer, als über die Erde erstrecke, eben, wie die Sonne ihr Licht und In- üusor dahin ausbreite. «Ob mir nun gleich mein ZK-mrer, junger und munterer, Bräutigam immer vor denen Augen schwebtte, so mochte dock meine Abreise von Madrit nicht ohne Vergicssung häuffiger Thränen vor sich gehen. Mein Vater, m ( 20s ) M _ Vater, nebst einer starcken Là, begleitete mich biß nach konr-irà, in derProvintz OujpulcsZ, allwodie Vermählungs-Csremonis.den z. lunü. l66cx erfolgete. Don I-OUÍ8 Kre, mit dem ^ärsrin, des Jahrs zuvor, auf der bekannten Fasanen- Jnsel, den Pirenäischen Frieden geschlossen, war bevollmächtiget, bey der Vermählung die Stelle meines Bräutigams zu vertreten ; und wann ich sage, es habe mir die Nacht nach dieser Vermählung, etwas recht ggrszbiss von meinem annoch abwesenden Bräutigam geträumet,wird hoffentlich niemand sonderliche Mühe haben fetches zu glauben. Mein Vater führete mich vollends auf die Fasanen - Insel, allwo ich von der Mutter meines Bräutigams, in dem conkrear - Saal desjenigen Hauses, , so zu denen Friedensräten, in dem vorigen Jahr, errichtet worden, erwartet ward ; und diese Prinheßin hatte folglich das Vergnügen ihren Bruder allda zu sehen, indem sie meines Vaters Schwester gewesen. Meine Augen bliheten nicht wenig herum, weil ich vermuthete, es möchte sich etwa der Bräutigam, mcogmtà, mit in dem Gelolg seiner Mutter befinden, und sie entdeckten ihn wircklich, ob er gleich alle Kunst angewendet sich zu verstellen, auch sich mehr als andere entfernet hielt. Das Feuer der Liebe stieg mir aus dem Herhen in das Angesicht, sobald ich denselben erblickete, und ich sahe gantz erräthst und angeflammec aus, brannte auch vor Begierde mit ihm zu sprechen, und meine feurigen Lippen an die Seinigen zu fügen; welches die Zeit gleichwohl noch nicht gestatten wolle. Am 6. erschienen beyde Könige öffentlich, mit der äussersten, und gantz unbeschreiblichen Kl3gni6cen2 aufder Jnsel/beschwuhren den Frieden, und thaten sehr freundlich gegen einander. Auch ich meines Orts hatte nunmehro das Vergnügen eine và von meinem Bräutigam zu empfangen; das Beylager aber blieb zur Zeit noch immer ausgesetzet, biß den 9. à. An diesem Tag empfand,ich grosse Betrübniß sowohl, als unaus, ffrechliche Freude. Die Betrübniß ruhrete daher, weil ich von meinem Vater Abschied nehmen, und mit dem Fraptzösischen Hofnach8r. ZcZn 6e!.ur. so nicht weit von der Fasanen-Insel entfernet, reisen muste, welches mir heisse Thränen aus denen Augen erpresste. Die Freude und Vergnügen aber verursachen das, was sich weiter an diesem Tage begab. Es ward nemlich, gleich nach unserer Ankunfft zu Sr.sszn äsiä, à abermalige Trauungs- Ceremonie, in der Haupt-Kirche allda, xxxv.Lnrr. §f durch _ Ec ros ) W durch den Bischoff von k^ovne verrichtet. Der Cardinal kk-armi tervirete dabey als Groß - àumovier. Er prsetenrirte meinem Bräutigam, dem König, mir und der Königl. Mutter, das Meß- Buch, mit einer güldenen Lck,rpo bedecket, auf denen Knien, solches zu küssen, und den ?sceai überbrachte er uns gleichfalls kniende. Nach der Ceremonie warff er güldene und silberne Müntzen unter das Volck aus, aufderen einem Serre sich des Königs und mein Bstdniß, auf der andern aber 8r. 7 ) M fen, folglich aber in allem Wesen und Herrlichkeit der Welt nichts beständiges und wahrhafstig toiiäesseyn könne. Es äusserte sich nemlich, daß der König mein Gemahl, bereits bey seiner Vermählung sein Hertze nicht von ftemden Liebes-Fesseln frey ge- habt hatte, sondem vielleicht mehr als die Heljste davon und seiner Ge- daneken bey der ^tsris.^Loà, einer Nichte des Cardinals àsrim gelassen haben mochte, als er abgereiset, mich als seine Braut zu empfangen; mgleichen, daß seine Augen gewöhnet waren, sich alle Knuten nach solchen Baume» umzusehen, welche verbotene Fruchte trugen. Darüber nun betrübrte ich mich hertzlich. Hiernechst begriffe ich, daß der König, der, ftiner Spanischen Mutter ungeachtet, ein Erh-Femdder Spanischen dkà gewesen, mich aus keiner andern Absicht, als um seines Staats-lmercils willen, geheyrathek. Solcherlei- Betrachtungen vermehretcn meine Betrübniß von einem Tag zum andern, und machten, daß mir die heissen Thränen über die Wangen herunter flössen. Ich fiel aufdie Gedancken, es mäste der Himmel etwa von mir, obgleich unwissende, gar sehr beleidiget worden seyn, weiter mich mit einer so empfindlichen Ruthe, wie ein unbeständiger Gemahl ist, züchtigte, wer halb ich mir, mich mildem erzürneten Himmel aufs neue zu versöhnen, und ihn zu bewegen, meines Gemahls Hcrhezur Treue und Beständigkeit zu lencken, vorsetzet«, in steter Busse zu leben. Dannenhe- ro trat ich m den dritten Orden des Heil. krâiscî , wie Ew. Majestät in dem Wittwen-Stande gethan, und nahm den Habit davon, bereits in dem Jahr meiner Vermählung zu Paris an. Nach der Zeit Habs ich gar viel dabey gethan, daß sich dieser Orden in Frankreich, allwo er bereits unter der Regierung ^uckovlel 8saÄi üonret gehabt, reràîxen, kunnte. Angleichen führte ich den Orden von der unbefleckten Empfäng- »iß ài« ein. Allein meine Sachen wurden dadurch nicht besser, da ich noch mehr Ernsihafftigkeitund Heiligkeit, als zuvor von mir blicken ließ; sondern mein Gemahl, als ein über alle Massen grosser VvK^molur, regsàte mich nunmehro wie eine bußfertige Schwester, die ihn nicht so sehr als eine Lo^ueue, von der alle andächtige àen verbannet sind, conremiren könnte ; ob ich gleich,memer Bußfertigkeit und Heiligkeit ungeachtet, seins (^retten jederzeit mit der gröjken Begierde annahm, so offt es ihm gefällig warmir deren einige zu erweisen; und solches durchweine Schwangerschafft kiahrlich darthat, da ich nemlich ein Pfand der ehelichen Liebe Ff 2 unter -M c 208 ^ M unter meinem Herhen trug, und den i. Xovembr. rssi. den vruxtüu zur Welt gebahr. , Wann sonsten eine Prinheßin einen Printzen und Erben des gan- tzen Königreichs gebühret, pfleget sich die Liebe ihres Gemahls gegen sie zu verdoppeln, wie bcy Ew. Majestät geschehen. Allein dey i^ovíco xiv. ereignete es sich keineswegs. ^uconii--,ire, sein ^ppcrir nach fremden Fleisch verdoppelte sich, nachdem ich einmal gebohren hatte. ünno 662. gebahr ich eine Prinheßin, und LNN01664. abermals eine, welche aber beyderseits, in eben dem Jahr, da sie zur Welt gekommen , solche wiederum verlassen haben. Ungefähr um diese Zeit muste der König mein Gemahl geschehen lassen, daß sich seine îviàreffe, ?à- ài . des Cardinals KtL-Zrîni Nichte , verheyrarhete. Als solches geschehen, lag er alle Tage viele Stunden beyder Gemahlin seines Bruders, der Hertzogin von Orleans, und ein jeder meinete, er würde sein Hcrhe wirklichem ihr hangen, und sie statt der b-iäm;, zu seinem wollüstigen Zeit - Vertreib erwehlen. Jedoch es änderte derselbe seinen Sinn gantz plötzlich, und warffdie lüsternen Blicke seiner Augen auf eine ihrer Staats-Fraulein, t^Vaiiers genannt, ungeachtet ich auf denjenigen Theil meines Leibes, dessen ich mich zum Sitzen bedienete, weit schöner gewesen seyn mag, als siean ihrem gantzen Gesichte. Hier nun war es mir unmöglich den Schmerh, welchen ich in meinem Herhen wegen der Wahl einer neuen ivlàlle empfand, zu verbergen , sondern es brach derselbe aus allen Seiten aus. Solches verdroß den König, daß ich seine Excesse nicht mit gelassenen Augen ansehen wolle, richtete auch deshalb seine väen bey mix, noch weit sparsamer ein als zuvor. Die verwandte Königin nahm grossen Theil an meinem Schmertz und Betrübniß, und wir beyde fassen manche Stunde beysammen, binnen welcher Zeit wir die bittersten Thränen vergossen. Wir beschlossen endlich unser äusserstes zu thun die Vàre zu stürtzen, und die Hertzogin von Oàns trat mit in das eomplor, sonder Zweiffel darum, weil es sie verdrossen, daß sie nicht selbst von dem König dieser elenden Creatur vorgezogen worden. Wir drey Printzeßinnen, nemlich ich, die Mutter meines Gemahls, und die Hertzogin von Orions, setzten uns einstmals zusammen, und liessen mehrbesagte V-liere vor uns - gleichsam wie vor ein Tribunal ruffen. Hätte es nun bey uns gestanden, ein Ur heil über sie zufallen, würde es sehr unbarmhextzig gelautet haben, und die arme Logusne gantz ge- wißzu , _UZ ( ros ) M_^ _ wist zu einem schmäligen Todt verurthcil'et worden seyn. Mein einer solchen Gewalt durfften wir uns nicht anmaßen , weshalb wir nur unsere Zungen gebrauchen musten, womitwirihrgleichwohl den Kopffder- massen wuschen , und ihr solche hcfftige !ìeprîmen6en gaben, daß sie einen gantzen See von Thränen vergösse. Was auch unsere Worte vor blutige Stiche in ihrem Herhen gewesen seyn müssen, ist daraus abzunehmen, daß siedie ketviunon ergriffe zu fliehen, und in ein Kloster zugehen, welches dieselbe auch augenbliàch in das Merck richtete, und sich nach cb-i- lior, etwa eins Stunde von Paris gelegen, begab, woselbst sich Nonnen befinden. Jedoch was geschahe? Als mein Gemahl diese Zeitung undBegebniß vernahm, hatte er eben denen Spanischen âmdââsuk-s àànr gegeben, und es war ihm solche ein Donnerschlag in denen Ohren.Derfeide befahlalsobald eine à- ro6'c anspannen zu lassen ; halte aber keine Gedult solche zu erwarten, sondern stieg zu Pferde und rannte spornstreichs nach ck-liot. Ich meines Ons befand mich eben gegenwärtig, da er sich aufmachete, wannenhero ich trachtete solchen zurücke zu halten, und ihm einige Vorstellungen zu thun. Allein der, in fremder und verbotener Liebe, ganh entbrannte König, setzte mir die Hand an die Brust, und trieb mich von sich. Hierüber erblasste ich in meinem Angesicht, und sprach mir Qr^vität: In Wahrheit ^re! ihr sevd nicht sehr Herr über eure UaiTìones. Darauf gab er mir eine bittere kà-e, und antwortete: wann ich nicht Herr über meineBe§ierden bin iciLäsme ! so hoffe ich es dennoch über diejenigen zu seyn, die da suchen mirGrreiche zu spielen. Alsdann jagere er fort, brachte auch seine entflohene àirrells gar bald nieder zurücke. Ich setzere mich demnach in mein Oabmer. den Jammer meines Hertzens recht auszuschütten, und denen Ströhmen derer Augen ihren Betrübniß- vollenLauffzu lassen. Hiernechst that ich mir alle Gewalt an, mich mit noch mehr Gedult, als ich bißhero gehabt, zu wappnen, die Lxceüe meines Gemahls anzusehen und zu ertragen. Gleichwohl nagele der cbsgsjl, mein Hertze dergestalt, daß ich bettlägerig wurde. In dieser Kranckheit besuchere mich der König, und vergösse Thränen. Er bestrebece sich zwar mit aller Macht solche zu verhelen, muste Fch aber gefallen lassen, daß ihm eine vornehme, in meinem Zimmer anwesende gleichsam einen Verweist deswegen gab und Krach: §üe! Verbergen sie doch dasssniZenichr, weiches , Ff Z , das m ( rro ) M das emtzige Mittel zur wiedergenesunA derKömgm ist; und in der Thar, seine Thränen trösteten mich, weil ich so viel daraus urtheilete, daß seine âK-Âìon zu mir nicht gantz und gar verloschen seyn müste. Wir,nemlich ich und die verwittibte Königin, bemüheren uns es dahinzubringen, daß ^Vàsverheyrathet werden möchte, zogen uns aber dadurch lauter Verdruß zu. Hernach steckten wir uns hinter dem Beicht-Vater des Königs, dem ?srer àoZt, einem Jesuiten, aber doch sehr ehrlichen Mann, und bewegten ihn, daß er dem lüsternen!^«,-» cden Wers, insonderheit bey der Beicht, ftharffeBuß-Predigtm halten muste. Allein da endlich dieser so weit gieng, daß er seine OimMoo forderte, und sich verlauten ließ, er könne dem Amt eines Beicht-Vaters länger mit guten Gewissen nicht vorstehen, schaffte ihn der König fort,und die, welche nach ihm gekommen sind, insonderheit der k-uer 1.3 LKê, habenden Fuchs-Schwantz weit besser zu streichen, und dem König, von einer Zeit zur andern, alle seine Sünden perleÄ zu vergeben gewuft ; ob er gleich beständig darinnen verharret auch sich an Ehe-Weibern vergriffen. Allerdings wird vergüte König brav davor haben kucken, und in vielen andernDingen demWillen seines Beicht-Vaters erfüllen müssen. Ob aber dadurch der Himmel wahrhaffrig besänjstiget worden? laße ich dahin gestellet seyn. Nach denen klaren Worten der Schrifft, in- gleichen zu Folge derer Meinungen vieler heiligen Kirchen-Lehrer, ist es etwas unmögliches, anderergestalt bey GOtt zu erlangen, als wann man nimmer thm, womit man zuvor gesündiget. Jedoch l.uäovi- eus xiv. ist darinnen glücklich gewesen, daß er alt geworden, und folglich Zeit zu seiner Busse gehabt, woferne derHi'mmel allemal mit derHefen zufrieden ist, nachdem man die Erstlinge des menschlichen Lebens der Hölle aufgeopffert hat. Der König ließ endlich eine grosse Kaltsinnigkeit gegen k.3 vàe spühren, als er ein paar Kinder mit ihr gezeuget hatte, weswegen fie nunmehro wircklich in ein Kloster gieng. Bey so -Gewänden Sachen stund ich in derHoffnung, sein Herhe würde sich völlig zu mir wenden; allein er sehnete sich «dermal nach fremden Fleisch, und kostete bald die- ses bald jenes, biß er letzlich ander^omeipZn lange Jahre hangen blieb, auch viele Kinder mit ihr zeugete. Allermassen nun dieses eine verhey« rathete Frau gewesen, so betrübete ich mich weit mehr über die Sünde, welche mein lüsterner Gemahl begieng, als zuvor, da er sich an^vàs srtacliir- m (ru )W sttacK-'rte,undwMfchète,wie auch schon vorhero vielmals geschehen.er möchte mich gäntzlich mit seinen ehelichen Oreüen verschonen. Weil ihm aber solche Gedancken von sich selbst nicht m den Kopff kommen molten . muste ich mir, dann und wann, seine wiewobi unter Ver- gieffung vielerThränen, gefallen lassen. Jedoch derer Thränen ungeachtet, waren seine sehr spahrsam eingerichtete brechen dermassen fruchtbar bey mir, daß den r.sLnusrü 1667. noch eine PrinheAn,àno 1668. aber ein Printz, und 1672. deren wieder einer, von mir zur Welt gebracht worden ; die hingegen alle, sehr zeitig, wiederum den Weg alles Fleisches gegangen, dergestalt, daß von meinen erzeugten Kindern keines, als der o-vpkm, zu einem männlichen Alter gekommen. In diesem Zustand, und da meine Augen immerfort Objeà vor sich sahen, die mein eheliches Vergnügen stöhrken, verschwand die Zeit in steter Traurigkeit, und es trat miklerweile das r 68z.Jahr herein, in welchem ich, und zwar den zo. suln, nach einer kurtzen Kranckheit, die sonder Zweiffel von meinem unaufhörlichen Jammer hergerührer, in dem 4sten Jahr meines Alters, aus der Zeitlichkeit, zuGOtt in die Ewigkeit geruffm ward. Mein d^nrre! war im übrigen, absonderlich nach denen prinLipiis meiner Religion,Kern-gut. Wann ich von Missethaten reden hörete, oder daß die Ungläubigen über die Christen viàilstet hatten, erschrack ich allezeit. An das Jüngste Gericht kunnte ich, ohne Furcht und Zittern, weder gedencken, noch davon reden hören, weshalb ich mit allrrSsrg- falr über mein Gewissen machete, damit ich einen so erschrecklichen Richter nicht beleidigen möchte. Die geringsten Fehler bewemete ich, sonderlich in der Beicht, und bejammerte, daß ein so liebreicher Varer, als wie GOtt, von mir beleidiget, auch demselben Anlaß gegeben worden sey, als ein skrenger Richtermit mir zu handeln. Alle E-kunden, die ich denen Koneiren kîecre-itíonen bey Hofe abbrechen kunnte, wendete ich auf Lesung guter Bücher, oder zur Arbeit solcher Dinge an- welche bey Auszierung derer Airäre und heiligen Bilder erfordert werden. Vielmals sahe ich mich verbunden mt dem ssönig zu reisen. Wann wir nun irgcndswo anlanaeren, begab ich mich also- bald in die Kirche, mein Geber zu verrichten. Ich befind mich beyder Reise des Könrgs nach Srraßbmg, und an einem Ort, wo lauter Lutheraner wohneren. Dieses wüste ich nicht, und wolre man sokte Mich in die Kirche führen. Man antwortete, es sey deren keine vor Ca-- tholische m ( rrr ) M tholische vechanden, worüber ich mich hefftt'g emsehete, und bitterlich 5uff, zere. Es ward mir demnach ein o.-äwm in einem meiner Zimmer errichtet, woselbst ich betete, auch dem Himmel die so, genannten Kelm eyfrigst recowâvàte, daß er sie bekehren, und die Römisch-Catholische Religion an allen Orten wieder aufgehen lassen möchte, wo sie ehemals klonret. In der That schiene es-auch, als ob mein Gebet erhöret werden wolle. Denn wie ich aufgehöret hatte zu beten, und wieder heraus Sleng in den Saal, sagte der König, daß er Oà geben würde, zur Auferbauung einer Römisch,Catholischen Kirche an diesem Orte, und Geistliche dahin sehen lassen wolte, den Gottes-Dienst abzuwarten. Vor die Priester hegete ich bey nahe eben so viel àsseâ. alsEw Maj. gethan, indem ich sie vor diejenigen hielt, so den Leib, Geist, das Wort und die Gewalt JEsu C-Hristi in denen Händen hätten. Also kunnte ich mich auch über alle Massen betrüben, wann ein Geistlicher seine Schuldigkeit nicht olàvitte, oder die Kirche, durch eine ärgerliche That, verunehrete. Einstmals sahe ich einen Priester, der sich kaum ein paar âve ài- lang bey einem Krancken aufhielt. Ich schalt à deswegen. Er entschuldigte sich, wie der Krancke dem Todt schon der- müssen nahe sey, daß er sein Zuruffen nicht mehr verstünde. Weil nun Liese kxcuse fehr schlecht beschaffen war, und der Priester, da des ?,à- ten Ende so nahe gewesen, um so vielmehr verbunden zu seyn schiene, solches vollends abzuwarten ; als gab ich demselben noch eine derbere keptt- msnäs dann zuvor, under muste bleiben, biß sich die Seele des Sterbenden von dem Leibe geschieden hatte. Im Gebet war nichts vermögend mich zu stöhren. Es geschahe emstmals, daß sich m emeràche,wormuen ich mich befand, ein grà Tumult und Ausstand ereignete. Allein ich betete dermassn eyfria, daß ich fast nicht das geringste davon hörete oder sahe. Die Bücher /welche ich gerne läse, waren die Wercke der Heil. lìà, des Heil. ?e- rriVvN àgmars, UNddts Heil. krancisci von 5a!c, diemlrmem Beicht- Vattt recommerärte, als solche, die vermögend das Feuer meiner Andacht zu enrrsrenireu, und die Bmnnst meiner Liebe gegen GOtt/n vermehren. Auf denen Knien lag ich gar öffters, das heilioe Bildniß Uew des Gecreuhigtm vor mir stehende habende, das ich mit un"crwa.t- den Augen ansähe und bittere Thränen dabey vergösse. In meinem innersten Labàr hatte ich die Heil. Irmàu à mit ihren sieben Lsuöiis oder Freuden, deren jede vorgestellet ge- westn, m ( rrz ) M Wesen, als die Freude, welche sie gehabt i.) über der Verkündigung und den Gruß des Engel Gabriels; r.l als sie die Liipài, besuchte; z.) über derGeburchCHristi; 4.)überderAnkunfftund Beschenckung derer Weisen aus Msrgenlande ; s.) da ihr Christus mit einer Sieges- Fahne, nach dem Glauben der Römisch-CacholiMen Kirche erschienen; 6.) da der Heil. Geist, ebenfalls nach der Lehre der Römisch - Cacholischen Kirche, übersie ausgegasten; und endlich 7.) da sie gekröhnet worden. Das Bijdniß war von denen Händen eines vortrefflichen Meisters gemacher, und mein Hertz bewegete sich allemal vor Freuden, so offre ich es betrachtete. Hingegen befanden sich auch die sieben Dolores oder Schmerhen der ' Hei!. in eben diesem Cslàr . das mich zum Weinen bewog, wann sich meine Augen aufsolches wendeten. Dem Bildniß der Heil. Jungfrauen gehet, wie bekannt, ein Schwerd durch die Brust, und um sie herum stunden die sieben Dolores oder schmertzliche Betrübnisse, ebenfalls jedwede à pül-ks entworffen. Die Erste ist die Beschneidung J§su. Die Andere die Flucht in Egypten. Die Dritte die VerliehrungJEsu im Tempel. Die Vierte, JEsu schmerhiicher Leidens - Gang, da er sein Creutz selbst tragen müssen. Die Fünffre die schmähliche Creuhigung CHristi. Die Sechste dessen Abnehmung vom Creutz. Die Siebente dessen Senckung ins Grab. Ich hieß làîa Ilierâ , und doch auch îàia von dem O ; ob man mir gleich nie den letztem, sondern allemal den erstem Namen beygeleget. Niemanden darffsolches wunderlich däuchten. Denn, wann in Spanien ein Mädgen mit dem Namen ària benamset wird, füget man gemeiniglich den Namen eines Festes hinzu, so der Heil Jungfrau conlecri- ret sind. Da nun heißet eine, dàia von der unbefleckten Empfängniß. Eine andere, àisvonderHimmelfahrtàiL,Lec Ich meines Orts aber ward à'ls von dem O genennet, zu Ehren derjenigen Woche, so wir die Erwartung der Niedeàfft àiL nennen, welche acht Tage vor Weynachten angehet, undworinnen alle, bey derRömisch'Cathslischen Kirche in Spanien eingeführte, öffentliche Gesänge, mit einem O anfangen, wie z.E. 08 äpienri->! O Allouai! O käöix Fessel öec. wodurch das brennende Verlangen derer Patriarchen,undPrvpheten nach der Zukunfft des theuresten Erlösers derer Menschen bemercket wird, der unsere Unschuld und heilige Freyheit wieder herstelln muste, indem er uns von der xxxv.Llitr. Gg Ge- _ m ( r'4 ) W _ Gefangenschafft des Teufels, und von der Knechtschafft der Sünde erlöset hat. Gleichwie ich eine Tochter des Heil. incise; gewesen: also bestünde auch eine meiner principMen Osvor-onen darinnen , daß ich ihn ehrete. Seinen Fest-Tag / ingleichen denjenigen / welchen die Kirche verordnet hat die Impression zu beehren, so er von denen blutigen Wunden JEsu Christi in seinem Hertzen gehabt / begieng ich mit einer inbrünnstigen Andacht, dergestalt / daß man gar wohl ermessen kunnre, wie ich von eben dem Geist / der in ihm gewöhnet, angcfiammet und beseelet war. Es gcreichetc mirauch allemal zu einem sonderbaren Trost, wann ich denen . ssr3ncilc2nern einige Gutthat erweisen, und meine erororität zum Dienst demjenigen Orden, welche er gestifftet, empören kunnte. In Summa, ich halte dermaßen viel Venersrion vor diesen Heil. Mann, daß ich vielmals zu sagen pflegte, wie ich den Stand, oder die (lvriöi-ion, einer Tochter des -Heil. krancssci, eben so hoch LÜimirte, oder j chä- tzeee, als die Hoheit, eine Königin von Franckrerch zu seyn; welche Worte mir auch niemand, der meinen mißvergnügten Ehestand recht erweget und betrachtet, verargen wird. Alle Grüne Donnerstage wusch ich i r. armen Jungfrauen die Füsse, und verrichtete es eben mit so grosser l>lä, als Ew. Maj. diesen Dienst der Demuth abgewartet. Starb mir ein Kind, gieng ich allezeit unverzüglich in mein o^ron- vm, und warff mich vor GOtt nieder auf meine Knie, seinen heiligen Willen zu->-ioriren, und ihm alle noch übrige theure Pfänder meiner unbefleckten ehelichen Liebe, als unschuldige Opsser, anzubieten. Da mir einstens eine Printzeßin starb, vergoß eine gewisse Osme viele Thränm rhrentwegen und sprach, daß indem sie eine prinyeßin vonFranck- reich beweinete,.zugleich die Thränen vor eine zukünftige, nun aber durch den Todt geraubte,Königin von Spanien flössen. Wein ich antwortete : ààme ; Es ifl mir viel lieber, daß fle todt, und schon in ihrer Kindheit des ewigen Heyls benieset, als wann fle etwa lange Zeit gelebet hätte, und eine mißvergnügte Königin gewesen wäre. Ich gab sehr viele und wichtige Allmosen, wodurch meine cssss manchmal ausgeleeret und erschöpftet worden. Denen Neu- Bekehrten chatich viel gutes, ftiffcete auch Klöster und Kirchen, und in andere, insonderheit nach Spanien, sendete ich wichtige Gefthencke. Ferner ließ ich m ( 27s ) M ich ein Haus, bey Paris, erbauen, worinnen alle krancke arme Ausländer, insonderheit diejenigen, welche sich einfanden, von dem König meinem Gemahl ihre Kröpffe anrühren zu lassen, aufgenommen, und bißwei- Leu viele Monathe nach einander, verpfleget werden muften. Der Griechische Patriarch zu Constantinspcl brachte es durch grosse Geschencke bey der Pforte dahin , daß die Römisch-Cathslischen k'.-anci- âne/ bey dem heiligen Grab zu Jerusalem, und an andern heiligen Orten mehr, fortgejaget werden sotten. Dannenhrro lag ich dem König, meinem Gemahl,Tag und Nacht an,und rührte nicht eher, biß er durch sein mächtiges Wort, bey seinem guten Freund dem Groß - 8ulrzn, es dahin brachte, daß die ausgesagten kräiscgner ihre Wohnungen an deucnjenigen Orten, ws unser Heyland herumgegangen und Wunder gethan, wieder beziehen durffren. Sehr fleißig gieng ich in die Spitäler, diejenigen zu besuchen, welche aus Kranck - und Schwachheit nicht zu mir kommen, und ihre Rothdursst - klagen kannten. Zu 8c. Qermà en l-gys insonderheit, gieng ich, vielmals, in dem Hospital, von einem Bette zum andern, die Dienste zu verrichten, so die Kcancken--Wärterinnen auf sich hatten. Mit einem Wort, mein gantzes Leben war ein Gewebe des Gebets, der Andacht, und tausenderley guter Wercke, wovon ich noch gar vieles erzehlen könnte. Jedoch weil die Zeit schon ziemlich verflossen, will ich den L-auffmeines Lebens beschließen, und nebst Ew. Majestät ein wenig anhören, was neues aus der Welt emgelauffen. DieKayserin. Ich bin dessen zufrieden. Zuvor aber bitte ich Ew. Majestät mir annoch zu sagen, wie es gekommen, daß eine unter denen Printzeßinnen, so von Ew. Majestät gebühren worden, einer Mohrin gleich gesehen? Die Königin. Wie dieses gekommen, weiß ich sechsten nicht zu sagen; gebe es aber dem grossen ek^rm Schuld, der mein Heche immerfort genüget.' Über dieses war auch die kleine Prinheßin nicht gar so schwach, wie eine wircklicheMohrm/sondern kam der schwachen Farbe nur ziemlicherMasseu Zleich. Die Kayserin. Und wie war doch Ew. Majestät zu Muthe, da sie sahen , daß Gg r Dero AD s 2l6 ) AD Dero Gemahl mit Dero Bruder, dem König c»roloii.jn Spanien, immer in einem blutigen Krieg begriffen gewesen ? Die Königin. Es weinete mir mein Herhe im Leibe deswegen, muste mich aber bestreben, meine Betrübniß desfalls so viel als möglich zuverbergen, auch mich bequchmen denen Freudens, Bezeugungen bevzuwohnen, welche bey Hofe angestellet wurden, so offte die Spanier Schläge bekommen hatten. DieKayserin. Wie die Rede gehet, so ist der Vsiiere vielfältig nach dem Leben getrachtet worden. Ew. Majestät werden doch aber hoffentlich keinen - Theil an diesen Nachstellungen genommen haben? DieKönigin. Da bewahre der Himmel vor/daß ich Theil an dergleichen Beginnen gehabt haben solte. Ob aber die verwittibte Königin, meines Gemahls Mutter, samt denen Spanischen, zu Paris anwesenden, à- bässacieurs, nicht mehr darum gewust als ich ? lasse ich dahin gestellet seyn. Wohlan l Wir wollen uns nunmehro zu dem Lecrecsrio derer Neuigkeiten verfügen. Prag. Nachdem Jhro Majestät die regierende Käyserin, am 27. ^rimi des Abends, aus dem Carls-Bad, woselbst Sie sich fünff Wochen aufgehalten, und der Bade-cur bedienet, unter Lösung derer Stücken, und im Gewehr gestandener Bürgerschafft, auch îMî?, akhie wieder angelanget: so haben Dieselbe des andern Tags, als den 28. ào Morgens, dero Andacht in der HostCapelle verrichtet, und Abends indem grossen Spanischen Saal öffentlich gespeiset, an welchem Tag der Leib des c-momtirten ^obânnîs von blepomuck, aus dem Grab, in Gegenwart des Erh-Bischoffs und Dohm-Capituls, erhoben, und in das àbiv gestehet worden. Den 29. ào . als am ?erri und k-vü Tag, haben Jhro Käyserl. Majestät, Vor-und Nachmittags, in der Dohm- Kirchezu Lc.Veit, den Gottesdienst abgewartet, den zo.älro aber sich nach Brandeiß erhoben, und zu Alt-Vunhlau, bey dasigemuhralten ^tsrien-Bild, dero Andacht gepflogen, nachgehends aber mit einer a8- da angestellten Haupt-Jagt sich belustiget, folgcnds des Abends gegen E( "7) W 8. Uhr sich wieder in Dero ke66eo?i eingefunden. Den r. 1u!ü ist nichts besonders vorgefallen. Den 2. à aber haben Jhro Majestät, die regierende Käyserin, nach der Vesper, zu dem Heilig-gesprochenen Cöroer des svbsnnis von l^spomucîc , in das àkiv, allwg derselbe in einen kostbaren Sarg geleget worden, sich verfüget, auch Abends in dem so-ge- nannten Spanischen Saal öffentlich Tafel gehalten. Den z. cliw sind Jhro Majestät, des Nachmittags gegen 4. Uhr, in das Kloster derer Kloster, Frauen, Carmeliter Ordens, bey 8e. Joseph gefahren, allda Sie über eine Stunde verweilet. Darauf erhuben Sie sich, in Dero Leib-Wagen , vor die Stadt, in das Käyserl. Lust, Haus und Thier- Garchcn/Làne-iìK, woselbst Sie aufdem Teich wildeGännßegeschossen. Um 8. Uhr aber sind Selbige wieder in die Stadt gekommen, da SiedasHausU.L.F.vonl.orelro,mglê!chmdieKirche auf dem Berg 8wn, wo der Leib des Acil. dlorberci ruhet, besuchet, von dannen Sie Abends um 9- Uhr zurücke gekommen, und endlich in dem ss-genannten Spanischen Saal zu Nacht gespeiset. Eben diesen Abend um 9. Uhr ist derLcibdcsHeilig-gesprvchenenchKâàrvonblej)(>mu!î, meinem kostbaren Sarg, unter Lämung aller Glocken, aus dem àkîv, nach der Ca- pelle 8r. Wencesigj gebracht, folgendes Tages aber, als den 4. àito frühe, zàm hohen Altar in der Dom-Kirche gesehet worden, welche mit rothen Damast, und Gemählden von dem Leben dieses Heiligen, wie auch vielen Crystallenen Häng-und andern Leuchtern ausgezieret, nichtwemger vor der Kirche eine schöne l'rium^b - Pforte zu sehen gewesen. Gegen 8. Uhr kamen die krocetiwuen aus denen Pfarr - Kirchen, darauf eine Teutsche und Böhmische Predigt gehalten worden. Nach selbigen aber, da Jhro Majestät die regierende Käyserin mit denen csvaiiere.-n und Ormen, Zegen io. Uhr in die Dom-Kirche gekommen, umb bey dem Leib, auch dessen unverweseter Zunge, am hohen Altar, Dero Verehrung gethan, hat diegrosse procäl,, welche der ErH-Bischoffzu Prag, Graf von Kien- burg geführet, unter dem Geläute aller Glocken in der Stadt, folgendermaßen, den Anfang genommen. Anfänglich kamen die Lateinischen Brüderschafften mit ihren l.à. ris, die gesammte Geistlichkeit mit ihren Creutzen, die àgàte derer Königlichen drey Präger-Städte,die vier lìultmen in Vortragung ihrer güldenen Scepter , ein grosser Chor ksiàmcn , die Geistlichkeit von der Dom-Kirche, die Pfarrer und vàme aus dem Erh-Bistum, die îà Lrten Aeb:e und l'ràen, mit ihren làier, auf dem Haupte und in. v Gg z Vesper- -_ m c 2'8 ) M _ Vesper - Manteln,auch das Erh , Bischöffliche Creuß. Folgendö wurde der Leib des jànniz von blepomulc, in einem kostbaren Sarg, durch das Dom-Capitul, mit denen indien auf dem Haupt getragen, so von denen andern kràen, auch voäoren, abgelöset worden. Hierauf kam der Ertz-Bischoffsamtder bey sich habenden Geistlichkeit, und einer grossen Anzahl Kävserl. und Königlicher Emitter und cavaliers , wie auch l)L7 ms- ; den Schluß aber machte eine ungemeine Menge Volcks. Bey der Zurückkaufst in die Dom - Kirche haben Zhro Majestät, die regierende Käyserm, aus Dero Orat-rrio, in diE Capelle 8. ^enceslai sich begeben, und als man den Leib vorbey getragen, zu demselben sich genährt, auch selbigen biß zu dessen Grab begleitet, daraufderErtz-Bischoff das 1> vsum cauäamus angestimmet, welches aufdem hohen Chor die ^uücamen vollends gesungen. Bey dessen Anfang ist gleich, von der auf dem kleinen Schloß-Platz im Gewehr gestandenen kvîà, und aus zy. c-monen, die erste Salve gegeben. Ferner, nachdem der Leib auf ein über dessen Grab aufgerichtetes Ehren-Gerüste, unter einem roth-sam- meten, reich mit Silber gestickten kalciackin, mit 4. abhängenden langen roth-sammeten Fiügeln, welche 4. Engel gehalten, mitgrosser Ehrerbietigkeit gestellet, folgends das hohe Amt der Messe von dem Bischofs von Leitmaritz gehalten, die andere und dritte 8al ve aus denen Mußqueten und csnonen gegeben worden, welchen allen, gleichwie auch Nachmittags der Vesper in öffters - berührter Dom-Kirche, Jhro Majestät die Käyserm beygewohnet, des Abends aber in dem offt-genannten Spanischen Saal öffentlich Tafel gehalten. Und gleichwie bey Ihrer Majestät Durchreife, nachdem Carls-Bad, geschehen: also hat man auch nach dero kerour allezeit, wann Jhro Käyserliche Majestät den ersten Trunck gethan, jedesmal,,sowohl Mittags als Abends, durch die Prager-Schü- tzeu-cvnsrZrermtät,auchaufderim Fluß Moldau, beyder Präger- Brücken gelegene Schützen-Insel, sonst Klein-Venedig genannt, allemal aus dreyßig groffen Feuer-Mörsern, 8às geben lassen ; worauf,den s. suiü Jhro Majestät, des Morgens um s. Uhr, unter Lösung derer L»? vonen, weiter nach Wien aufgebrochen. DieKclyserin. Diese sonderbare vsvoà meiner Allerdurchlauchtigsten Schwie- ger-Tochter,vorden Heil. sokannsm von dsepomuctc.gefället mir über alle Massen wohl. Der böse Käyser Wd König von Böhryen, deuces- Kur, M ( ris ) W _ îsus> welcher den Scharst-Richter zu Gevattern gebeten, und solchen seinen Herrn Gevatter allenthalben mit sich herum führete, damit er seine tyrannischen Befehle gleich auf der Stelle zur kxeâîon bringen mö chte, ließ den Heil. jcànnem von î^cpomuà, über die Brücke zu Prag, hinein in dieMuldastürhcn, dergestalt, daß er elendiglich ersauffen müste. und zwar bloß und allein darum, weil er nicht offenbahren wollen, was ihm die Gemahlin v^enceskigebeichtetgehabt. Jedoch dieser sein schmählicher Todt hat demselben den Crantz derer Märtyrer und Crone derer Heiligen prvcurlret. Denn sobald sein Cörper aus dem Wasser gezogen worden, hat er solche Anzeichen von sich gegeben, welche, nach denen i'rmcipiis der Römischen Kirche, machen ,vaß man einen vor einen Heiligen hält. Hernach haben sich' die Leute seiner Vsrbitte bey GOtt empfohlen, auch gerühmet, daß sie eine wundersame Wirckung davon ge- spühret. Dannenhero siehet man, in dem gantzen Königreich Böhmen» Mähren und Schlesien, auch in andern Oesterreichischen Erblanden,seine nicht etwa nur in Kirchen und Klöstern, sondern auch auf öffentlichen Gassen und denen Land-Strassen, viel tausend und tausendmal stehen , und er ist schon etliche hundert Jahr vor einen Heiligen gehalten worden,obgleich zu Rom,man dessen wirkliche csnor-iümon biß in diesesJahr verzögert. St. Veit war ehedem der paironus kobemís:. Nunmehr» aber weiß fast der gemeine Mann nichts mehr von ihm, und ein jeder, der sich in Böhmen, Schlesien und Mähren, zu LerRömisch-Catholi- schen Religvn bekennet, sàeckret sich an den Heil. j okäsm von dlepo. muck , wann er etwas in dem Himmel auszumachen hat. Die Königin. Ich habe mir gar viel von diesem Heiligen erzchlen lassen. Insonderheit abererinnere ich mich, folgendes von ihm gehöret zuhaben: Ein gewisser Mann, der einen imponäen process zu führen, und dabey das Recht auf feiner Seite gehabt, habe vermercket, daß endlich seine Gegen-Parthey, ihrer ungerechten Sache ungeachtet, dennoch dm Meister über ihn spielen würde, weil sie sich nicht nur derer Geschencke, Andern auch sonst noch allerley lijssge Wege und Mittel bedienet, ihren Zweck zu erreichen. Dannenhero hätte er den Heil. Icànem von Nepomuà inständigst ersuchet, er solle bey GOtt vor ihn bitten, daß sein Recht nicht unterliege möchtessoki-mrics von l^epomuà stye ihm daraufimSchlafferschienen,und habe befohlen, der seine Vochitte suchendeMnn solle à ve- m ( rre> ) W crer , so wie er es gerne , in der Hof-Cantzley zu Wien, ausgefertiget haben möchte, aufsetzen lassen, und es bey einer seiner Scsrue, in einer gewissen Kirche, niederlegen. Der Mann, nachdem er erwachet, Habeden Traum vor einen wircklichenBefehl desHeiligen sànnis von dlepomà angenommen, solchen auch vollzogen. Einige Tage hernach seye das vecret wieder aufseinem Tisch gelegen, und zwar von dem Käyser eigenhändig unterschrieben, welches er bey der Regierung übergeben, allwo seine Sache eigentlich anhängig gewesen ; da dann, zu Folge des vom Käy, ser unterschriebenen Ockers, ihm das Recht zuerkannt werden müssen. Wie aber das vecrer zur Käyserl. Unterschrifft gekommen, das hätte sich also ereignet. Der Käyser (ich habe aber vergessen, welcher es gewesen seyn solle, I.eopolclu8, oder einer von denen ksràsnà) sitzet in seinem Cabinet,, und schreibet etliche eigenhändige Briefe, wobey befohlen gewesen, daß kein Mensch, wer es auch sey, hinein treten solle, biß der Käyser klingeln würde, auf daß der schreibende Kion.n-cK in seinen ^eàir-monen nicht möchte gestöhm werden. Gleichwohl fügst es sich, daß die Thür aufgehet. Der Käyser siehet sich um, und erblicket einen Geistlichen, der sc- curàr ausgesehen, wie man den Heil. lànvem von dtepomuck abzumahlen pfleget, weswegen ihm eine kleine Furcht und Schauder angekommen. Was geschiehet ferner ? der in das Cabinet getretene Geistliche nähert sich dem Käyser, prà-miret das Oec^r, und bittet es zu unterschreiben. Das thut der Käyser, der Geistliche spricht : Habe Danck vor deine Gerechtigkeit , und begiebr sich nebst dem Oecrsc wieder zur Thür hinaus. Gleich darauf klingelt der Käyser, und es trit jemand von denen, so vor der Thüre des Cabinets gesessen, hinein. Der Käyser ftaget, wer der Geistliche sey, der bey ihm in dem Cabinet gewesen? Allein niemand hat ihn gesehen, und ein jeder versichert, daß kein Mensch hinein gekommen, wannenhero der Käyser in seiner Muthmaßung bestärket worden, daß er mit dem Heil. solenn von diexomuck geredet haben müsse. Die Kaysecin. Man weiß,in denen Oesterreichischen Erb-Landen, sonderlich aber in Böhmen, von denen Wundern des Heil. jànnis von^omà, gar viel zu erzehlen. Jedoch können alle dergleichen Erzehlungen freylich nicht vor Wahrheiten angenommen werden, biß sie von denen coEo- ritz _ W ( LSI ) M riis sattsam cxLMlnîret und untersuchet worden; wiewohl ich meines Orts selten an etwas gezweiffelt, das dem Heil. sok-vn, von Nepomuä, als ein Wunder beygeleget, undM seiner Ehre srzehlek worden. 8LLAL1-LKIV§. Aus Italien. Wir haben diesen Sommer,an gar vielen Orten? dermassen entsetzliche Ungewitter gehabt, als bey Menschen-Gedencken nicht gewesen. In der Nacht, Mischen den 29. und zo. , schlug, zu ?orrc> kerrajo, ein Wetter-Strahl in ein Kriegs - UZZgrin , so an der k'or- tiücation in dem Winckel der korcersils kacone erbauet gewesen. Man sahe alsobald eine grosse Menge Granaten, Fässer mit Pulver, und andern brennenden àsàUen in die Lufft fliegen. Zu gleicher Zeit ward ein kleines Gäßgen, in dessen Häusern, auf denen Böden, Pulver aufbehalten worden, ergriffen, und das Pulver ebenfalls in die Lufft geschi- eket. Die conlutîon war um so viel grösser,weil sich niemand unterstehen wolte dem Feuer zu nahen, und dasselbe, wegen derer herum fliegenden Steine,Granaten, rc. und dem unaufhörlichen Krachen, zu löschen. Vier gefüllte Bomben zersprangen zu gleicher Zeit , mit einem erschreck, lichen Krachen, so, daß die Trümmer davon durch die gantze Stadt flogen. Eine derergrösten, welche 91. Pfund schwehr seyn mochte, flog in die Cammer des Là dieser Stadt, ohneihm einigen Schaden zu thun; die übrigen wurden biß an die Kirche âeil' ànuoàà getrieben, auch zum thell an sehr abgelegene Orte. Der Regen, welcher damals fiel, war so häufig, der Wind so grausam,und das Wetterleuchten so erschrecklich/daß wenig Leute sich aus ihren Häusern zu gehen getraueten, sondern ein jeder schiene von einer recht tödtlichen Furcht befallen zu seyn. Als das Gewitter ein wenig nachgelassen, eilete das Volck, mit denen Befehlshabern herbey. Deren einer stellete sich vor die Feuer- Wercker und rieff: Die mich lieben, folgen mir nach ; durch web» ches Zuruffen diese Leute so behertzt gemacht wurden, daß sie sich, ohne einige Furcht, in das Feuer, und unter die Granaten begaben. Nach, dem man nun, mit grosser Mühe, gedachte korriNcskion untergraben,und über einen Haufen geworssen, dadurch aber die Lommunicacà des Feuers verhindert hatte, wurde dasselbe endlich gelöschet. Man hält es vor ein Wunder, daß nicht die gantze Stadt, nebst der Citadel! in die Lufft geflogen; und würde dieses gantzgewiß geschehen seyn, wann das Feuer vasKömgliche làZsà, und andere dort herum befindliche, die insgesamt xxxv. à. Hh voll - - UZ ( -22 ) W _ voll Pulver sind/ ergriffen hätte. Vor etwas besonders muß manes auch halten / daß bey diesem allem kein einiger Mensch getödtet worden.. Den l.juiii hat maâswegendasievôuvàìàâs gesungen. Indem kolognssischen ist den l z. juüt. ebenfalls ein so hefftigcs Un- gewitrer, mit einem Sturm'Wind und comiàlichen Platz-Regen entstanden/ daß dadurch nicht allein das Land auf rs. Welsche Mei, len unter Wasser gesetzet/ und viele Bäume äußrer Erde gerissen worden/ sondern auch verschiedene Menschen, und eine grosse Anzahl Vieh- dabey um das Leben gekommen. Denn r s. à . als am Tag der Heil. àns, istzu koiognI , und in selbiger Gegend, abermals fast eben ein, so hefftiges Ungcwitter, wie das vorige, gekommen, welches von Ca- M 6ue!fo cm, Welsche Meilen in der Länge hin, alles rmniret, indem dabey Hagel-Steine, von drey biß vier Pfund schwehr, gefallen? so, daß der Schade, welcher dadurch verursachet worden, grösser als der vorhergehende ist. DieKckyseà,, Diejenigen Orte und vilìnâs , so dergleichen Ungewitter auszusie^ hen haben, sind allemal Bcklagens, würdig. Inzwischen muß man sich doch auch jederzeit die göttliche Züchtigung gefallen lassen. Wann indem Sommer einige schöne Tage gewesen, ist nichts gewissers als ein nahe-bevorstehendes Ungewitter^ Ich meines Orts fürchtete mich vor kemDonnern undBlitzen.Warum?Jch stunde allezeit mit mememGOtt wohl, und hatte ein gut Gewissen. Ich, und der glorwürdigste kà xoiäus, fassen einstmals zu Laxenburg an der Tafel und speiseten. Da ttun kam ein sehr schwartzes Gewölcke an dem Himmel einher gezogen, das ein schweres Donnern und Wetterleuchten in sich sichrere. Endlich schlug das Wetter hinein in den Saal, wo wir speiseten. Es befanden, sich verschiedene Personen, nebst uns darinnen., die alle, theils betäubet, theils,von dem starcken Nachzug des Strahls, zuBoden gemorsten wurden. Nur ich und i-eopolà blieben, wie wir waren, ganh unverletzt an der Tafel sitzen; ja man kunnte kaum wahrnehmen, daß wir ein wenig erschrocken». DieMnigm. Und ich meines Orts wäre gantz gewiß vor Schreckendes Todtes gewesen, daferne ich mich an Ew. Majestät Stelle befunden hätte. Ein .Gewitter istzwar etwas gar natürliches, und man hat derenä Jahr, auf W ( 22? ) M auf der Erden, nicht wenig vor Augen; allein dem ungeachtet, und vb ich mich auch gleich mit aller Macht bestrebete, jederzeit mit einem unschuldigen Gewissen vor GOttes Angesicht einher zu gehen, hatte ich dennoch eine sehr grosse angebohrte Furcht vor dasselbe. Der Schaden, den im übrigen ein Gewitter thut, geschiehet entweder von ungefähr, oder aus einem sonderbaren Befehl GOttes , der bißweilen die Gottlosen dadurch strasset, manchmal aber auch die Guten damit heimsuchet, die Verstockten dadurch zur Busse zu erwecken. Dreßdett. Jhro Königl. Hoheit der Cron-Printz von Danne- marck, welcher sich am 7. äuZuL dieses Jahres, mitder Prinheßinvon Brandenburg. Culmbach, zu Pretsch vermählet, sind nunmehrs samt Ihrer Gemahlin, und der gantzen 5à aufgebrochen, und nach Dän- nemarckretourniret. DieKaysà DiesePrinheßm ist eineîoch ter eines Marggrafens von Culmbach, der ein naher Verwander von der Königin in Pohlen ist. Nurbesagte Königin hat die Printzeßin eine geraume Zeit bey sich gehabt, und wird, allem Vermuthen nach, zu dieser àì-Zs nicht wenig conrttbuiret haben. Inzwischen sind beyde Neu - Vermahlte glücklich. Die Prin- tzeßin darum, daß sie eine Cron-Printzeßin von Dannemarck worden, und einem angenehmen Printzen, der sie recht inbrünnstig(wie ich sonst schon gehöret) liebet, indie Arme gefallen; der Cron-Printz aber aus der Ursache, daß er eine, mit Königlichen Geblüt verwände, àmante, -ottesfürchtige, und mit allen hohen Tugendenbegabte Prinheßm, welche ihn wiederum recht hertzlich liebet, bekommen» Die Königin. Diese KksrisAe muß glücklich seyn, weil es scheinet, als ob die Starcke derLiebe weit mehr Theil daran habe,dann dieStaats-Absichten und das kncerelle. So gerne aber die Königin von Pohlen, dieser ihrer nahen Anverwandtin diegetroffene Heyrath gönnet; so sehr wird es sie gekrängt haben, daß sie solche von sich lassen müssen, weil sie gleichsam ihre gröste Freude an dieser tugendsamen Prinheßm gehabt» DieKayserin. DerKönigl.DanischeHofhatdemnach tnkurher Zeit ein gantzander Ansehen bekommen, als er zuvor gehabt. Denn voreimgen Mo- H h s natsn W ( r-4 ) M varen war, wegen der lange angehaltenen Unpäßlichkeit der versterbe- gen Königin, alles stille und traurig. Anjetzo aber ist eine junge Koni, gin verbanden, samt einer noch jüngern Crvn-Printzeßin, deren Schön, heit gleichsam einen Wett-Streit mit einander anstellen. Sie gleichen fast zweyen Sonnen, von denen das ganhe übrige Hof, Gestirn, «. alte und junge, hohe und niedere Hofleute, beyderley Geschlechts, à «eues Leben und Wesen empfangen- Die Königin. Ew.Majestät urtheilen recht. DerKönig von Dännemarckhey, rathete, bald nach seiner verstorbenen Gemahlm.Todt,die jetzige Königin, die man aber noch nicht Königin, sondern nur die hertzallerlicbstc Gemahlin des Königs und Hertzogin von Schleßwig,ncnnete. Es schiene demnach das Glück und Vergnügen dieser Königlichen Gemahlin zwar groß, gleichwohl aber noch nicht vollkommen zu seyn, biß es den zo. dieses Jahres seine Vollkommenheit erreichete., Dennan diesem Tag war ein grosseskettlnaufdmrSchlosseFriederichs-Berg.. ZuMittagenun,ehe man sich an die Tafel setzete , trat der König iy das Zimmer, àlsnrte seine Gemahlin als Königin, und setzte derselben die Crone mit diesen Worten auf das Haupt : XVà Sie. hiermit zur Romain von Dännemarck und Norwegen. Nach dieser kieclsr-nionha- den die Gräfin Holstev, wie auch die Qenerà von Ocrhcn, der Königin die Crone auf dem Haupte befestiget; worauf dieselbe vondem Kö- nig zur lincken, von dem CromPrintzen aber zur rechten Hand sccom- xagniret, zur Tafel geführet worden, da mitlerweile die Anwesenden, sowohl einheimische als fremde iUlnlttre« die L/grulsr ons - (.omp^imenre abgeleget. Die Königlichen Herrschafflen speiseten bernach öffentlich an derTafel, woran l6. biß > 8.Personen vondem ersten Rang gesessen, die übrigen aber sind, an der Ober-Hofmarschalls Tafel, rrârtt worden. Wie düncket Ew.,Majestät , daß der neuen Königin von Dännemarck damals, als sie mit der Crone aufdem Haupt an der Tafel gesessen, werde zu Muthe gewesen seyn? DieKayserm. Ihre Freude und Vergnügen mag freylich wohl fchwehrlich mit einer Feder beschrieben werden. Sie ist auch, als eine gebvhrne Gräfin, abermals ein gantz frisches Exempel von der Glückseligkeit des Frauenzimmers,und beweiset,daß nicht nur diePrintzeßinnen allein, sondern auch andere, KZ ( 22s ) W andere, daftrne sie dietzu^ütäten einer vollkommenen Printzeßin an sich haben , Gemahlinnen gekröhnter Häupter werden können.. HkekL-räkivs. Petersburg. Obgleich bißhero gar vielfältig ipargiret worden,, daß der Friede zwischen Jhrv Czaaristhen Majestät und der Cron Schweden seine Richtigkeit erlanget hätte;- so will sich gleichwohl, dieser Nachricht wegen, noch allerhand Zweiffcl und Ungewißheit hervor thun, insonderheit weil es scheinet , als obJhrs Majestät der Czaar das Ivceresse des Hertzogs von Hollstein mit. aller Macht znpoussiren gesonnen, damit ihm nicht.nur die 8ucce «ico einnehmen, welches so Viel ââuitte, daß sich gegen den Nachmit- rag die Schmertzen vertohren, so daß derselbe die darauf folgende Nacht ganher neun Stunden geschlaffen, und nunmehro halt man ihn vor vollkommen reàuiret. Alles dieses hat von einer Bêlîâltung und Überladung des Magens hergerühret, weil Sr.Maj. Abends zuvor, von einer gewissen Sorte grossen Kirschen und andern Früchten zu viel gegessen» Der Cardinal von dloLiUcs hat bey dieser Occàn ft fort nicht nur in allen Kirchen das Veneràie aussehen, sondern auch dieLeiiyu-en der Heil» Lenevle vs in der Haupt, Kirche aufstellen lassen , und ein 4