Druckschrift 
Gespräche in dem Reiche derer Todten ... zwischen der letztverstorbenen Römischen Käyserin, Eleonora Magdalena Theresia, und der letztverstorbenen Königin in Franckreich, Maria Theresia : worinnen das Leben, Gottesfurcht und hohe Tugenden dieser beyden großen Printzeßinnen ... zu ersehen ...
Entstehung
Seite
187
Einzelbild herunterladen
 

m ( 187) M

mich ein wenig in die Höhe richtete. Nachgehends ist auf diesem Al-tar, biß zu meinem gäntzlichen Hmtritt aus der Weit, alle Tage dasMeß« Opffer verrichtet worden.

An dem Heil. Drey - König - Abend, ftagte mich mein Beicht-Va-ter, ob ich nicht wüste, was morgen vor ein Tag wäre? Ich besonne michein wenig, und erinnerte mich endlich, wie der 6. ssnuarn mein Gcburts-Tag sey. Der Beicht-Vater erforschet ferner, ob ich nicht gesonnen,mich nochmals mit der Heil. communion zu erquicken, und dem HErrndes Todtes und Lebens, wegen meines so hoch gebrachten Lebens,Danckabzustatten ? Bey Anhörung dessen stiegen mir viele heisse Seuff-zer aus dem innersten Grund meines Hertzens herauf, richtete meine Au-gen gen Himmel, und bezeugte mein innerstes Verlangen darzu, mit ei-ner an den Mund gedruckten Hand. Nach derer àckcorum Gut-Be-finden , solte ich alle Stunden eine kMuillvn oder kräffkige Brühe nehmen ;allein ich weigerte mich dessen vor diesesmal, damit ich den allerhciligstenLeib des HErrn nüchtern empfangen, und vor allen Dingen meinen See-len- Hunger stillen möchte. Währender Zeit aber, da man alles zurcommunion bereitete , ergötzet ich mich mit Küssung des Crucifixes, hieltauch ein an-muthiges Gespräch in meinem Hertzen mit GOtt.

Hiernechst machete ich mit denen Augen sowohl,als mit denen Händen,sonst noch allerhand heiligcBcwegungcund schlug öffters an mnneBrust,dadurch das zu ersetzen, was meine gelähmet Zunge nicht verrichten türm-te. Alle Umstehende sahen mir mitgröster Verwunderung und Aufer-bauung zu, türmten sich auch derer Thränen nicht enthalten. Nach die-ser kleinen Besserung fieng es aufs neue an, von Tag zu Tag schlimmerzu werden. Dannenhero versähe man mich, da wiederum etliche Tageverflossen gewesen, zum drittenmal mit der Speise des Lebens. Ich er-wartete meinen Abschied aus der Welt mit grösten Freuden, weshalb ich,als mein Beicht-Vater einstmals zu dem Altar trat, und sich vernehmenließ, er wolle eine Messe dem Höchsten vor meine Widergenesung aufopf-fern, zu verstehen gab, daß dieses wieder meinen Willen geschähe. DerBeicht-Vater wendete ein, daß es vielleicht der göttlichen Majestät alsogefällig, und zu Dero Ehren, auch meinem eigenen Heil gereichen möchte ?woraufich mit Wincken bezeugtechaß dieser heiligste Wille auch der Mei-ne sey. Wie er endlich weiter ftagte, ob ich bereit den bittern Keich desTodtes zu trincken, und mit meinem GOtt in alle Ewigkeit, aufs genau-este vereiniget zu werden ? da gab ich durch meine Augen und Hände-rin-gen