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Auswahl wichtiger Aktenstuecke zur Geschichte des neunzehnten Jahrhunderts
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Mo. Kaiser Wilhelm II. über die soziale Frage.

besseren Regelung der Verhältnisse des Arbeiterstandes erforderlich sind. Esentspricht der Bedeutung, welche der Staatsrat in der Monarchie einnimmt,daß die wichtigen, auf diesem Gebiete einer gedeihlichen Lösung harrendenFragen von Ihnen einer gründlichen Erwägung unterzogen werden, bevordie aufzustellenden Gesetzentwürfe an die parlamentarischen Körperschaftengelangen, denen die endgültige Beschlußfassung darüber verfassungsmäßig zu-steht. Ich lege Wert darauf, daß der aus den verschiedensten Berufskreisenzusammengesetzte Staatsrat auf Grund der in ihm vertretenen praktischenErfahrungen die von Mir in Aussicht genommenen Vorschläge auf ihre Zweck-mäßigkeit, Ausführbarkeit und Tragweite einer gewissenhaften und vorurteils-freien Prüfung unterzieht.

Ernst und verantwortungsvoll ist die Aufgabe, zu deren Lösung Ich Siehierher entboten habe. Der den Arbeitern zu gewährende Schutz gegen einewillkürliche und schrankenlose Ausbeutung der Arbeitskraft, der Umfang dermit Rücksicht auf die Gebote der Menschlichkeit und der natürlichen Ent-wickelungsgesetze einzuschränkenden Kinderarbeit, die Berücksichtigung der fürdas Familienleben in sittlicher und wirtschaftlicher Hinsicht wichtigen Stellungder Frauen im Haushalte der Arbeiter und andere damit zusammenhängendeVerhältnisse des Arbeiterstandes sind einer verbessernden Regelung fähig.

Dabei wird mit fachkundiger Besonnenheit erwogen werden müssen, biszu welcher Grenze unsere Industrie eine durch strengere Vorschriften zu gunstender Arbeiter erhöhte Belastung der Produktionskosten ertragen kann, ohnedurch Wettbewerb auf dem Weltmärkte die lohnende Beschäftigung der Arbeiterbeeinträchtigt zu sehen. Dadurch würde statt der von Mir erstrebten Förde-rung eine Schädigung der wirtschaftlichen Lage der Arbeiter herbeigeführtwerden.

Um diese Gefahr zu meiden, bedarf es eines Maßes weiser Besonnen-heit. Denn die glüsliche Lösung dieser unsere Zeit beherrschenden Fragen istum so wichtiger, als dieselbe mit der von Mir angeregten internationalenVerständigung über dieselben in ersichtlicher Wechselwirkung steht. Nicht minderwichtig für die Sicherung eines friedlichen Verhältnisses zwischen Arbeitgebernund Arbeitnehmern sind die Formen, in welchen den Arbeitern damit dieGewähr dafür zu bieten ist, daß sie durch Vertreter, die ihr Vertrauen besitzen,an der Regelung ihrer gemeinsamen Thätigkeit beteiligt und zur Wahr-nehmung ihrer Interessen in Verhandlung mit den Arbeitgebern befähigtwerden.

Es wird zu erstreben sein, die Vertretungen der Arbeiter mit den staat-lichen Berg- und Aufsichtsbeamten in Verbindung zu setzen und auf diese WeiseFormen und Ordnungen zu schaffen, durch welche den Arbeitern der freieund friedliche Ausdruck ihrer Wünsche und Interessen ermöglicht und denstaatlichen Behörden Gelegenheit geboten wird, durch Anhörung der unmittelbarBeteiligten fortlaufend über die Verhältnisse der Arbeiter zuverlässig unter-richtet zu werden und mit den letztern die wünschenswerte Fühlung zu be-halten. Auch die weitere Entwickelung der staatlichen Betriebe zu muster-gültigen Vorbildern einer wirksamen Arbeiterfürsorge bedarf der eingehendstenfachkundigen Erwägung.

Ich vertraue auf die bewährte treue Hingebung des Staatsrates beiden Arbeiten, die ihm jetzt bevorstehen. Ich verkenne nicht, daß gerade aufdiesem Gebiete nicht alle wünschenswerten Verbesserungen allein durch staat-liche Maßnahmen zu erreichen sind. Der freien Liebesthätigkeit der Kircheund Schule verbleibt daneben ein weites Feld segensreicher Entfaltung, durchwelche die gesetzlichen Anordnungen unterstützt und befruchtet werden müssen,um zu voller Wirksamkeit zu gelangen.

Aber wenn es mit Gottes Hilfe gelingt, die berechtigten Interessen desarbeitenden Volkes auf Grund der von Ihnen zu machenden Vorschläge zu