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Auswahl wichtiger Aktenstuecke zur Geschichte des neunzehnten Jahrhunderts
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1888 . Thronrede Kaiser Wilhelms II.

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hoffe, daß es gelingen werde, auf diesem Wege der Ausgleichung ungesundergesellschaftlicher Gegensätze näher zu kommen, und hege die Zuversicht, daßIch zur Pflege unserer inneren Wohlfahrt die einhellige Unterstützung allertreuen Anhänger des Reichs und der verbündeten Regierungen finden werde,ohne Trennung nach gesonderter Parteistellung.

Ebenso aber halte Ich für geboten, unsere staatliche und gesellschaftlicheEntwickelung in den Bahnen der Gesetzlichkeit zu erhalten und allen Be-strebungen, welche den Zweck und die Wirkung haben, die staatliche Ordnungzu untergraben, mit Festigkeit entgegenzutreten.

In der auswärtigen Politik bin Ich entschlossen, Frieden zu halten mitjedermann, so viel an Mir liegt. Meine Liebe zum deutschen Heere undMeine Stellung zu demselben werden Mich niemals in Versuchung führen,dem Lande die Wohlthaten des Friedens zu verkümmern, wenn der Kriegnicht eine, durch den Angriff auf das Reich oder dessen Verbündete, uns auf-gedrungene Notwendigkeit ist. Unser Heer soll uns den Frieden sichern und,wenn er uns dennoch gebrochen wird, imstande sein, ihn mit Ehren zu er-kämpfen. Das wird es mit Gottes Hilfe vermögen nach der Stärke, die es durchdas von Ihnen einmütig beschlossene jüngste Wehrgesetz erhalten hat. DieseStärke zu Angriffskriegen zu benutzen, siegt Meinem Herzen fern. Deutsch-land bedarf weder neuen Kriegsruhmes noch irgend welcher Eroberungen,nachdem es sich die Berechtigung, als einige und unabhängige Nation zu be-stehen, endgültig erkämpft.Hat.

Unser Bündnis mit Öftreich-Ungarn ist öffentlich bekannt; Ich halte andemselben in deutscher Treue fest, nicht bloß, weil es geschlossen ist, sondern,weil Ich in diesem defensiven Bunde eine Grundlage des europäischen Gleich-gewichtes erblicke, sowie ein Vermächtnis der deutschen Geschichte, dessen Inhaltheut von der öffentlichen Meinung des gesamten deutschen Volkes getragenwird, und dem herkömmlichen europäischen Völkerrechte entspricht, wie es bis1866 in unbestrittener Geltung war. Gleiche geschichtliche Beziehungen undgleiche nationale Bedürfnisse der Gegenwart verbinden uns mit Italien. BeideLänder wollen die Segnungen des Friedens festhalten, um in Ruhe der Be-festigung ihrer neu gewonnenen Einheit, der Ausbildung ihrer nationalenInstitutionen und der Förderung ihrer Wohlfahrt zu leben.

Unsere mit Ostreich-Ungarn und Italien bestehenden Verabredungengestatten Mir zu Meiner Befriedigung die sorgfältigste Pflege Meiner persön-lichen Freundschaft für den Kaiser von Rußland und der seit hundert Jahrenbestehenden friedlichen Beziehungen zu dem russischen Nachbarreiche, welcheMeinen Gefühlen ebenso wie den Interessen Deutschlands entspricht.

In der gewissenhaften Pflege des Friedens stelle Ich Mich ebenso bereit-willig in den Dienst des Vaterlandes, wie in der Sorge für unser Kriegs-heer, und freue Mich der traditionellen Beziehungen zu auswärtigen Mächten,durch welche Mein Bestreben in elfterer Richtung befördert wird.

Im Vertrauen auf Gott und die Wehrhaftigkeit unseres Volkes hegeIch die Zuversicht, daß es uns für absehbare Zeit vergönnt sein werde, infriedlicher Arbeit zu wahren und zu festigen, was unter Leitung Meinerbeiden in Gott ruhenden Vorgänger auf dem Throne, kämpfend erstrittenwurde.

280. Rede Kaiser Wilhelms II. bei Eröffnung des Staatsrates.11. Februar 1890.

Meine Herren Mitglieder des Staatsrates I Durch Meinen Erlaß vom4. ds. sind Sie davon unterrichtet worden, daß es Mein Wille ist, das Gut-achten des Staatsrates über diejenigen Maßnahmen zu hören, welche zur