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Auswahl wichtiger Aktenstuecke zur Geschichte des neunzehnten Jahrhunderts
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M8. Proklamation und Erlaß Kaiser Friedrichs.

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277. Proklamation und Erlaß Kaiser Friedrichs an den Reichs-kanzler. 12. März 1888.

An mein Volk!

Aus seinem glorreichen Leben schied der Kaiser. In dem vielgeliebtenVater, den Ich beweine und um den mit Mir Mein Königliches Haus intiefstem Schmerze trauert, verlor Preußens treues Volk seinen ruhmgekröntenKönig, die deutsche Nation den Gründer ihrer Einigung, das wiedererstandeneReich den ersten deutschen Kaiser! Unzertrennlich wird sein hehrer Name ver-bunden bleiben mit aller Größe des deutschen Vaterlandes, in dessen Neube-gründung die ausdauernde Arbeit von Preußens Volk und Fürsten ihrenschönsten Lohn gefunden hat. Indem König Wilhelm mit nie ermüdenderlandesväterlicher Fürsorge das preußische Heer aus die Höhe seines ernstenBerufes erhob, legte er den sicheren Grund zu den unter seiner Führung er-rungenen Siegen der deutschen Waffen, aus denen die nationale Einigunghervorging, er sicherte dadurch dem Reiche eine Machtstellung, wie sie bis da-hin jedes deutsche Herz ersehnt, aber kaum zu erhoffen gewagt hatte.

Und was er in heißem, opfervollem Kampfe seinem Volke errungen, daswar ihm beschieden, durch lange Friedensarbeit mühevoller Regierungsjahrezu befestigen und segensreich zu fördern. Sicher in seiner eigenen Kraft ruhend,steht Deutschland geachtet im Rate der Völker und begehrt nur, des gewonnenenin friedlicher Entwicklung froh zu werden. Daß dem so ist, verdanken wirKaiser Wilhelm, seiner nie wankenden Pflichttreue, seiner unablässigen, nurdem Wohle des Vaterlandes gewidmeten Thätigkeit, gestützt auf die von dempreußischen Volke unwandelbar bewiesene und von allen deutschen Stämmengeteilte opferfreudige Hingebung. Auf Mich sind nunmehr alle Rechte undPflichten übergegangen, die mit der Krone Meines Hauses verbunden sind undwelche Ich in der Zeit, die nach Gottes Willen Meiner Regierung beschiedensein mag, getreulich wahrzunehmen entschlossen bin.

Durchdrungen von der Größe Meiner Aufgabe, wird es Mein "ganzesBestreben sein, das Werk in dem Sinne fortznführen, in dem es begründetwurde, Deutschland zu einem Horte des Friedens zu machen und in Über-einstimmung mit den verbündeten Regierungen sowie mit den verfassungs-mäßigen Organen des Reiches wie Preußens die Wohlfahrt des deutschenLandes zu pflegen. Meinem getreuen Volke, das durch eine Jahrhundertelange Geschichte in guten wie schweren Tagen zu Meinem Haufe gestanden,bringe Ich Mein rückhaltloses Vertrauen entgegen, denn Ich bin überzeugt, daßauf dem Grunde der untrennbaren Verbindung von Fürst und Volk, welche,unabhängig von jeglicher Veränderung im Staatenleben, das unvergänglicheErbe des Hohenzollernstammes bildet, Meine Krone allezeit ebenso sicher ruht,wie das Gedeihen des Landes, zu dessen Regierung ich nunmehr berufen bin,und dem Ich gelobe, ein gerechter und in Freud' wie Leid ein treuer Königzu sein.

Gott wolle Mir seinen Segen und Kraft zu diesem Werke geben, demfortan mein Leben geweiht ist.

Berlin, den 12. März 1688. Friedrich III.

Mein lieber Fürst I

Bei dem Antritt Meiner Regierung ist es Mir ein Bedürfnis mich anSie, den langjährigen vielbewährten, ersten Diener Meines in Gott ruhendenHerrn Vaters, zu wenden. Sie sind der treue und mutvolle Ratgeber gewesen,der den Zielen seiner Politik die Form gegeben und deren erfolgreiche Durch-führung gesichert hat. Ihnen bin Ich und bleibt Mein Haus zu warmemDank verpflichtet. Sie haben daher em Recht, vor allem zu wissen, welches