>8?s. Brief des Grafen Lhambord.
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Punkte ich ihm durchaus nicht nachstehe, aber ich möchte wohl wissen, welcheLektion der Unkluge sich zugezogen hätte, der dreist genug gewesen wäre, demKönige Heinrich IV/die Verleugnung der glorreichen Fahne von Jvry an-raten zu wollen? Sie gehören, mein Herr, der Provinz an, in der KönigHeinrich IV. geboren wurde, und Sie werden meine Ansicht teilen, daß ereinen Ratgeber dieser Art sofort entwaffnet und ihm in seiner schwunghaftenBearner Ausdrucksweise zugerufen haben würde: Mein Freund, tragen Siemeine weiße Fahne, sie wird Sie immer auf den Weg der Ehre und desSieges fuhren. Man wirft mir vor, daß ich die Tapferkeit unserer Soldatennicht genug schätze und zwar in dem Augenblicke, wo ich darauf ausgehe,ihnen das Teuerste, was ich besitze, anzuvertrauen. Man vergißt demnach,daß die Ehre ein gemeinschaftliches Erbteil des bourbonischen Hauses und derfranzösischen Armee ist und daß auf diesem Gebiete es an einer Verständigungnicht fehlen kann.
Nein! Ich verkenne keine der Lorbeeren meines Vaterlandes und Gotrallein hat jedesmal, sowohl in guten wie in bösen Tagen, meine Thränen,meine Dankbarkeit gesehen, auch wenn ich fern im Exil weilte. Die SöhneFrankreichs haben sich ihres Vaterlandes würdig gezeigt, aber wir haben ge-meinschaftlich ein großes Werk zu vollbringen. Ich bin bereit, vollständigbereit, dasselbe zu unternehmen, sobald man es will, sei es morgen, sei es andiesem Abend, sei es in diesem Augenblicke. Deshalb aber eben will ich ganzund gar derselbe bleiben, der ich bin. Heute erniedrigt, würde ich morgenohnmächtig sein. Es handelt sich um nicht Geringeres als darum, die tieferschütterte Gesellschaft auf ihren natürlichen Grundlagen wiederherzustellen,die Herrschaft des Gesetzes mit Energie zu sichern, den Wohlstand im Innernzurückzuführen, nach außen dauerhafte Allianzen zu schließen, vor allem abervor Anwendung von Kraft und Stärke im Dienste der Ordnung und Ge-rechtigkeit nicht zurückzuscheuen. Man spricht von Bedingungen. Hat miretwa dieser junge Prinz dergleichen auferlegt, dessen Mitteilungen ich mit soloyaler Freude entgegennahm und der mir anzuhören gab, daß ihn freiwilligsein Patriotismus zu mir führe und der mir im Namen aller der Seinigendie Versicherungen des Friedens, der Ergebenheit, der Versöhnung überbrachte?Man verlangt Bürgschaften. Hat man dergleichen etwa von diesem modernenBayard verlangt in jener denkwürdigen Nacht des 21. Mai, wo man seinerBescheidenheit die Mission auferlegte, sein Land durch eines jener Worte von„Ehrlichkeit als Mann und als Soldat" zu beruhigen — welche den gutenBürgern wieder Zutrauen einflößen und die Schlimmen zittern lassen? Esist wahr, ich habe nicht, wie er, auf 20 Schlachtfeldern den Degen Frankreichsgeführt, aber ich habe während eines Zeitraumes von 43 Jahren das heilige,mir anvertraute Pfand unserer Traditionen und Freiheiten intakt erhalten.Ich habe demnach ein Recht, auf das nämliche Vertrauen wie er zu zählen,und darf das nämliche Sicherheitsgefühl einflößen. Meine Person ist nichts,mein Prinzip ist alles. Frankreich wird das Ende aller Prüfungen sehen,die es gemacht hat, sobald es das nur begreifen will. Ich bin der Pilot, dernotwendig und allein im stände ist, das Schiff in den Hafen zu führen, weilich die Miission und die Autorität zur Ausführung besitze. Sie können, meinHerr, viel dazu beitragen, das Mißverständnis zu beseitigen, Abtrünnigkeitenin der Stunde des Kampfes zu verhindern. Die tröstenden Worte, die Siebeim Abschiede in Salzburg an mich richteten, sind fortwährend in meinenGedanken. Frankreich kann nicht untergehen, denn unser Heiland liebt nochseine Franzosen, und wenn Gott die Rettung eines Volkes beschlossen hat, sowacht er auch darüber, daß das Szepter der Gerechtigkeit nur in solche Händegelegt werde, die stark genug sind, dasselbe zu führen.