stände stehen uns ebensowohl zu Gebote, wie ihm, aber unsere fort-schreitende Kenntniss des Avesta erlaubt uns gar manche Folgerungenaus denselben zu ziehen, dieAnquetil bei seinem mangelhaftenVerständ-nisse des Textes entgehen mussten. Nicht geringer ist es anzuschla-gen , dass die Lehren des Avesta selbst nach dem mehr berichtigtenTexte und dessen Ueberselzung besser und genauer hervortreten. Einenicht minder wichtige Stellung nehmen unter unsern Quellen dieGlossen zur Huzväreschiiberselzuug des Vendidäd ein. Diese hat nunAnquetil fast durchaus missverstanden und darum auch gar nicht be-nutzt, gerade sie sind aber höchst wichtig, weil sie an den Text desAvesta anknüpfend uns zeigen, was ursprünglich und was Weiterbil-dungist, nichtselten erhallen wirauch durch die Anführung der abwei-chenden Ansichten der einzelnen Lehrer einen Einblick in die leiten-den Gedanken der Ceremonie. Genau an sie sehliessen sich nun dieRiväiets an, die zum Theil würllich oder doch dem Sinne nach wie-derholen, was die eben genannten Glossen vorschreiben, zum Theilaber auch noch weiter forlbilden, wodurch die Untersuchungen aller-dings nicht selten in eine kleinliche Casuislik ausarten. Die Rivdielsund die an sie sich anschliessende Literatur der neuern Parsen habeneinen nicht unbedeutenden Zuwachs an Material mir zur Verfügunggestellt, erschöpft ist diese Quelle auch jetzt wohl schwerlich, da ichfür diese Arbeit eben nur meine Abschriften benutzen konnte, diebei-weilem nicht Alles umfassen, was selbst in europäischen Bibliothe-ken von diesem Zweige der Literatur vorhanden ist. Darum dürfenkünftige Forscher auf diesem Felde getrost sich noch eine reicheNachlese versprechen.
Mit diesen Materialien ausgerüstet, wollen wir nun versuchen,nicht blos die Liturgie und das Ceremoniel der Parsen darzuslellen,sondern auch kritisch zu erforschen. Nur diejenigen Ceremonienwerden wir mit Sicherheit für alt halten dürfen, die sich entwederaus dem Avesta selbst als alt herausstellen oder durch Zeugnisse derAlten und anderer unzweifelhafter Zeugen des Allerthums sich bestä-tigen lassen. Wo diese Zeugnisse mangeln, wird man wenigstens vor-sichtig prüfen müssen, ob vielleicht innere Gründe des gesammlenliturgischen Systems die Ceremonie nöthig erscheinen lassen odernicht.