Druckschrift 
1 (1889)
Entstehung
Seite
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Braunschwcig — und des Spinnrades — Hans Jürgen daselbst— hätten mehr für die Menschheit gethan, als die Verfasser vonOden und Epopöen."

Dieser Ausspruch ist durchaus onm Zrnno snlis zu verstehen;denn erstlich war er nur ein Erguß des Unwillens über die Land-plage der Dichterlinge, sowie zweitens eine „Bloßstellung des Schnupfen-fiebers der empfindelnden Schöngeisterei seiner Zeit". Nie hatCampe das holde Schoßkind der Phantasie, die Dichtkunst, ver-achtet, vielmehr hat er den Kamönen häufig selbst nicht mit Un-geschick geopfert. Sein stets für alles Große und Schöne schwär-mender Geist umfaßte auch die Kunst mit liebevoller Wärme, hätteer sonst wohl der Antike im Louvre in seinen „Pariser Briefen"eine solche Fülle schöner Gedanken widmen, Ramlers Kantaten sooft citieren und zum Dichter des Messias in einem wahrhaft brüder-lichen Freundschaftsverhältnisse stehen können? — Campe betontwohl das fürs Leben Nützliche und Praktische, aber so weit versteigter sich entschieden nie, daß er dem Utilitätsprincip alles Erhabeneund Schöne geopfert hätte. Wer dies behauptet, kennt Campe nicht,ist nicht in den Geist seiner Schöpfungen eingedrungen. Ein bloßerNützlichkeitskrämer war er niemals, er blieb ein Verehrer der gött-lichen Kunst bis ans Ende; auch war er stets ein begeisterter Patriotbis zu seinem Tode. Seine religiöse Stellung gestattete chm aller-dings keinen Rassenhaß; wenn man ihn denn durchaus einen Kos-mopoliten nennen will, so war sein Kosmopolitismns doch einedler, seltener und vom Christentums durchgeistigter. Doch hieraufkommen wir noch später bei Einführung in seine sprachlichen Werkezurück.

Die Anregungen zu den später von Campe so machtvoll be-herrschten pädagogischen Studien erhielt er unstreitig zuerst durchJohn Locke und Jean Jacques Rousseau; darum auch seinschnelles Eingehen auf Basedows Pläne! Die Lockesche Schrift:„8oins DIiouAÜts eoirosrninA Dcluontion" hat Campe, früh gelesenund stets mit Hochachtung citiert. Sie ist frisch geschrieben und bautnur auf wirkliche Erfahrung ihr System auf, welches in dem Satzegipfelt: eine gesunde Seele in einem gesunden Leibe.