Druckschrift 
1 (1889)
Entstehung
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wirkte, herrschte bei ihm selbst doch der erkennende philosophischeGeist vor, und die fühlende, für Schönheit begeisterte Seeletrat weniger hervor: erhabener Schwung der Phantasie, poetischeGemiitstiefe, Begeisterung für die Kunst und Freude an feinen Um-gangsformen lagen ihm ferner. Ihn beseelte die Liebe Rousseauszum naturgemäßen Leben und dessen Abneigung gegen die Künste(welche nach Campe „entnerven") und die „verfeinerten Leute," „diegroße Welt" mit ihren gefälligen Umgangsformen (welche ihm nurSchein und Verstellung sind). Abhärtung, Erforschung derWahrheit, Aufklärung, gesunder Menschenverstand,nützliche Kenntnisse und Fertigkeiten, Berufstüchtig-keit, Lebe usklug heit, Rechtschaffenheit, das alles, umschließlich die Glückseligkeit auf Erden zu erlangen, das sind dieKernprodukte seines Wesens und zugleich die Zielpunkte seiner Er-ziehung. Wenn wir hiernach in Campes Charakterbilde auch einenkleinen Schatten nicht unbemerkt lassen können, so sprechen wir da-mit nur ein Urteil aus, welches derselbe so ehrlich ist über sich selbstzu fällen. „Alle Menschen," sagt er am Schlüsse seines Theo-phron, — „also auch wir, Du und ich sind unvollkommneWesen. Alle haben ihre Schwächen und Fehler;aber auch alle — ihre gute Seite. Ta ist kein Reinerunter den Unreinen, unter den Unvollkommenen kein Vollendeter."Bei dieser Schwäche war und blieb Campe doch stets einer echthumanen Gesinnung ergeben.

Daß Campe ein echter P h ilanthropist, d. i. ein Menschen-freund und zwar einer von Gottes Gnaden war, beweist selbst nochsein Testament, welches anordnete, daß die Kosten eines standes-gemäßen Begräbnisses, 200 Reichsthaler, unter die Armen der Stadtverteilt werden sollten; auch mußten zugleich je 2000 Exemplarevon „Robinson" und „Theophron" unentgeltlich an arme Kinderausgcgeben werden. Er selbst wollte in einen schlichten Mantel ge-hüllt in einem offenen Sarge aus drei ungehobelten Brettern be-stehend zu früher Morgenstunde ohne Ceremonieen in das Grab unterden Pappeln des Gartens gesenkt werden. Einen Geistlichen hatteer sich verbeten, schlichte Handwerker mußten ihn tragen. So