Druckschrift 
1 (1889)
Entstehung
Seite
30
Einzelbild herunterladen
 

30

Zu den übrigen im Zimmer gewandt setzte er hinzu:

„Er wird zur Börse wollen, er hat es eilig!"

Schnback war schon längere Jahre begraben. Die Dunkelheitseines Geistes sollte sich nicht mehr erhellen! — Im allgemeinenblieb dieser Zustand derselbe, nur ward der bis dahin schmaleKörper dabei rund und kräftig: er sah ans wie ein Pamphlet,welches die Natur verbrach. Man ließ den Kranken übrigens ge-währen: er schrieb Briefe, die nie abgesandt wurden, berichtigte nachseiner Meinung Rechnungen, die längst bezahlt waren, und begingandere ähnliche Ungereimtheiten. An Liebe und sorgfältiger Pflegefehlte es ihm natürlich nicht.

Am 22. Oktober 1818 erlöste ihn endlich ein sanfter Tod: erwar in den Hafen ewiger Ruhe eingelaufen.

In seinem Charakter hatte Campe nur große und edle Züge:er konnte leidenschaftlich erregt werden; nie aber starb die christlicheLiebe in seinem edlen Herzen. Als Schubert auf den Hohenasperggeführt ward, reichte er unerschrocken eine Bittschrift um Begnadigungdes Dichters beim Herzog von Württemberg ein. Bei dem Gerücht,Kant sei seiner Stellung enthoben, bot er ihm ein Asyl in seinerFamilie an. Er war der Vater aller Armen und Bedrängten,wozu in seinem Nachlaß noch manches bestätigende Blättchen ge-funden ward. Seinen traurigen Zustand erkannte man zuerst anseiner übertriebenen, maßlosen Freigebigkeit, da er einige Maleohne Börse und Uhr heimkehrte: er hatte beides verschenkt. AlsMensch liebenswürdig, war er ohne Falsch und ebenso tolerant, wieer ein Feind von Heuchelei und Lüge war. Sein Ruf ging überDeutschland weit hinaus.

Beurteilen wir Campe rein objektiv, so erscheinen sein unermüd-liches Streben nach Erkenntnis und sein Drang, Aufklärung zu ver-breiten, als die Grnndzüge seines, der Menschenliebe zugewandtenWesens. Dieses wurzelte mit jeder Faser in seinem Zeitalter,dem der Philosophen und Philanthropen; er ist vor-zugsweise ein klarer, nüchterner Denker, mit einem aufsNützliche und Praktische gerichteten klugen Sinne. Ob-wohl er eifrig für eine harmonische Ausbildung der Jugend