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Die Einführung des Jmpfens stieß im Ravensbergischenund Mindenschen ebenfalls auf große Schmierigkeiten und dieRegierung mußte durch Flugblätter, Ermahnungen und Beleh-rungen, Drohungen und Strafen die Bewohner geneigt machen,sich zu fügen. Der Historiker Weddigen unterstützte sie dabei,indem er in Prosa und Dichtung das neue Verfahren als heil-sam anpries, doch mährete es lange, ehe man sich fügte.
Kirche, Schule und nicht weniger die Militürzeit habenviele der alten Vorurteile hinivegerünmt, völlig ausgerottetaber nicht. Der Ravensberger hängt am Alten. Alles Neue undUnbekannte betrachtet er voll Mißtrauen. Er ist fleißig, aufErwerb erpicht und jede Scholle Landes ausbeutend. Der Durch-schnitt der Bevölkerung ist von mittlerer Größe. Die Be-schäftigung des Spinnens und Webens, die seit Jahrhundertenim Ravensbergischen herrschend war, mag dazu beigetragenhaben, die untere Bevölkerungsklasse körperlich zu beeinträchtigen.Des Ravensberger Nahrung, so schreibt Seemann vor 70Jahren, ist Milch, Pumpernickel, geräucherter Schinken, Speckund Gnrteufrüchte, welche auf die einfachste Art zubereitet wer-den. Im Sommer geht er früh gegen drei Uhr an seine Arbeit.Zum Frühstück ißt er eine Suppe, welche ans feinem Gersten-mehl oder aus Buchweizenmehl, mit Milch eingerührt, bestehtund das Jmt (Imbiß) genannt wird. Zumeist liebt er dieReinlichkeit sehr, wenngleich im Winter hierin eine Ausnahmegemacht wird, denn in dieser Jahreszeit trifft man oft 10—15Personen in engen Stuben an, in welchen die Luft durch diestarken Ausdünstungen und den Qualm der Oel- und Thranlam-pen sehr unrein ist. Daher entstehen nicht selten gefährlicheKrankheiten unter ihnen, welche Folgen der eingeschlossenenund unreinen Luft sind. In diesen bedienen sie sich selteneines Doctors. Viele sind ihre eigenen Aerzte und gebrauchenoft Kuren, die ihnen sehr nachteilig werden könnten, wenn ihregute Natur ihnen nicht zu Hülfe käme.
Ihre Kleidertrachten sind nach den Dorfschaften sehr voneinander unterschieden. An den Kleidungen hat man das sichersteKennzeichen, zu welchem Kirchspiel dieser oder jener gehört;auch leiden ihre Moden selten eine Aendernng. Jedes Dorfbleibt bei der Sitte, welche zu den Zeiten seiner Groß- undUrväter in dem Dorfe üblich war. Die Männer haben ihreWesten, Röcke und Beinkleider mit mehreren Dutzend Knöpfenbesetzt. Sie tragen 4 bis 5 Jacken und lassen in ihreSonntagskleider eine unzählige Menge von Falten nähen. Auchdie Frauen ahmen hierin den Männern nach und tragen an