Druckschrift 
Geschichte der Stadt Bielefeld und der Graffschaft Ravensberg
Entstehung
Seite
10
Einzelbild herunterladen
 

->- 10

Hauses und einzelner Gebäude der Krönigschen Anlagen wurdenzwei Ausgänge aus der Stadt nach den Gärten und den Straßengewonnen, die sich außerhalb des Grabens seit 1862 zu ent-wickeln anfingen. Nunmehr begann die Ueberwölbung des letzte-ren und die Abtragung des Walles, wodurch, nach verschiedenenAnkäufen, das Terrain zu dem Neumarkte allmählich gewonnenwurde, der im Laufe der letzten zwanzig Jahren 'ich zum Mittel-punkte der Stadt gestaltete.

Es entstanden alsdann eine Reihe von Straßen, die inwestlicher Richtung auf den Neumarkt zu laufen und mit deralten Stadt verbunden wurden.

Auch nach Westen hin erweiterte sich der Ort, wiewohlder Bahnkörper hier sehr hindernd sich zeigte. Auf dem Platze,den heute das schöne Kriegerdenkmal ziert, befand sich 1869noch das Thorschreiberhaus, das aber in diesem Jahre abge-brochen wurde. Nachdem überhaupt die Thore gefallen waren,dehnte sich die Stadt rasch nach allen Richtungen aus, die Feld-marken mit sich verbindend und zu einem Gesamtbilde gestaltend,das zur Zeit die Bewunderung aller Beschauer erregt.

Bist du, geneigter Leser, ein Freund schöner Landschaf-ten und ein Freund historischer Erinnerungen und poetischerGenüsse, schreibt jemand um 1840, so begleite mich einmal aneinem duftigen klaren Spätsommer- oder Herbsttage aufeiner Wanderung über die Kuppen und den Kamm des Teu-toburgerwaldes, wo Hermann den Varus schlug. Wenn du denBlick nach Norden richtest, überschaust du eine blühende, fruchtbareEbene, welche sich ansieht wie ein großer herrlicher Garten, wieein Park im großen Stil. Die unzähligen Häuser mit denen siewie übersäet ist, sind mit dichtbelaubten Baumgruppen umgebenund die roten Ziegeldächer blicken anmutig und freundlich ausdem dunkelgrünen Blätterkranze hervor. Die Häuser liegenmeist vereinzelt in geringer Entfernung auseinander, größereGehöfte treten unter ihnen hervor und bringen Abwechslunghinein; an vielen Stellen ziehen sich die Häuser um eine hohedünne Turmspitze zu Dörfern zusammen und bilden so in demLandschaftsgemälde einen Nebcrgang zu den Städten mit Tür-men und Kirchen. Die ganze fruchtbare Ebene ist sorgfältig be-baut, aber weit entfernt, den trostlos einförmig nützlichen An-blick einer Ackerfläcbe im Magdeburgischen zu gewähren; diezerstreuten Häuser, die Baumgruppen, welche sich hier und dazu größeren Gehölzen verdichten, bringen die anmutigste Man-nigfaltigkeit hervor, die das Land überall durchschneidendenWallhecken geben ihm ein gartenartiges Ansehn.