L.
Ludwig Rhland an A. v. Chamiffo.
Paris, den 23. Dccember 1610.
Wenn dieser Brief zu Ihnen gelangt, lieber Chaimsso! so hater von Glück zu sagen, denn ich bin nicht einmal Ihres Wohnortsversichert. Die wenigen Zeilen, die Sie mir mit meinen Liedernschickten, Hab« ich erhalten, aber keinen spätern Brief, wozu Siemir dort Hoffnung gemacht hatten. Doch kann auch ich mir den gegen-wärtigen Brief nicht zum Verdienst anrechnen, da er nichts alsBitten und Fragen enthält.
Freund Kerner schrieb mir kürzlich, daß er auf 1812 einen Al-manach herausgeben werde. Je weniger ich selbst werde beitragenkönnen, um so erwünschter wäre cs mir, wenn ich ihm Beiträgevon andern Freunden verschaffen könnte. Wie sehr würde es michfreuen, wenn ich ihn durch Beiträge von Ihnen überraschen könnte,was Sie gerade haben, etwa Einiges aus Ihrem trefflichen For-tunat, denn aus dem Eindrücke, der mir geblieben, weiß ich, daßschon die Fragmente dieses Gedichtes sich lebendig genug aussprechen.Uebrigens kann ich Ihnen diesen Almanach nicht weiter empfehlen,da ich selbst die Beiträge nicht alle kenne und nur etwa so viel zusagen weiß, daß sie dort wol nicht viele welke Blüten alter bekannterDichter, wol aber einige frische junger unbekannter antreffen dürften.
Mit meinen Studien der altfranzösischen -Poesie würde ichsehr zufrieden sein, wenn ich nicht zu spät erst zu dem gelangt wäre,was mir nun als das Wichtigste erscheint. Man muß sich nehm-