und bald dem Liede, zum Erstaunen, eine Erhabenheit und Fülleder Poesie verleiht, die man vergeblich bei den französischen Klas-sikern sucht, so kann man andererseits nicht umhin, der Lauter-keit seiner Gesinnung und der Reinheit seines Charakters Gerech-
tigkeit widerfahren zu lasten. Er ist ein Mann, dem man wohlals Gegner feindlich entgegentreten, dem man aber nicht seine ganzeAchtung versagen kann.
Aber Gesinnung und Charakter sind eben die Wurzeln seinerPoesie, ohne dieselben würde er nur ein Mann von Talent sein, wie
es deren andere giebt, nicht der Dichter, der alle überragt, n^los
obausous, o'est woi. — I-e pouxls o'est ML muss." Meine Liedersind ich selbst, das Volk ist meine Muse; diesem schlichten Zeugniß,welches er von sich selber ablegt, ist nichts hinzuzufügen.
Beranger, in gutem Kriege mit der Geistlichkeit begriffen, anwelcher er des Weltlichen so viel zu strafen hat, und spöttisch denmenschlichen Aufputz der Religion (In livres äu aatbolieisme) abzu-reißen bemüht, ist darum nicht der Gottlosigkeit zu zeihen. Erzeichnet sich vielmehr durch religiöse Ueberzeugung vor den gleich-zeitigen französischen Literatoren aus, und die christlichen Tugenden,Glaube, Hoffnung und Liebe, liegen offenbar der Philantropie, dieer eindringlich einprägt, zum Grunde*).
Der Gegensatz, in welchem die verschiedene Volksthümlichkeitder Franzosen und der Deutschen sich in Hinsicht auf Sitten in ihrerVolkspoeste und in ihrer Literatur abspiegelt, müßte zuvörderst wohlerwogen werden, bevor Beranger unter diesem Gesichtspunkt beur-theilt werden könnte. Das französische Volkslied ist wesentlich fri-vol. I-es rouäeo (Reigen, das allein echt französische Volkslied, nachwelchem getanzt wird) sind ohne Ausnahme der Art, daß sich derFremde höchlich verwundert, sie auch in gesitteten Kreisen ohne Argim Schwange zu finden. In der höhern Literatur besingt derFranzos los kaveuro elo Oh-oers und so. belle maitresso, wo derehrbare Deutsche in der Regel seine Liebe, seine Braut, seineFrau und seine Kinder meint; das alles kann der Franzos auch ha-ben, aber es fällt ihm nicht ein, daß man es besingen könne. In
*) Siche unter andern Liedern: Alt-Mütterchen.