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Gedichte von Ferdinand Freiligrath.*)
(Stuttgart und Tübingen. Cotta'sche Buchhandlung. 1838.)
Diese im Jahre 1836 veranstaltete Sammlung ist jetzt ersterschienen, und während sie uns die Verlagshandlung vorenthaltenhat, haben die in Taschenbüchern und Tagesblättern zerstreuten Ge-dichte Freiligrath's so allgemeine Anerkennung gefunden, daß einebloße Anzeige des Buches die Beurtheilung und Anpreisung dessel-ben überflüssig macht.
Es ist erfreulich, daß in unserer Zeit, wo, wie im politischenLeben der Völker, so auch in Wissenschaft und Kunst, die WaffenTheil an der allgemeinen Bewegung nehmen, die zu leiten sonsteinzelnen Hochgestellten Vorbehalten war, sich doch der gottbegabteDichter Bahn bricht und von seiner Nation gewürdigt wird.
Allerdings lmbsnt SIIU lata libolli; allerdings können die Um-stände den Dichter begünstigen. Auf die Frau von Stael und aufByron zogen schon ihr Name und ihre Stellung die Augen derWelt; aber nicht minder als ihnen ist dem Sohne seiner Lieder,Beranger, ein europäischer Ruf zu Theil geworden, und die Schrif-ten von Lucian und Joseph Bonaparte sind unbeachtet untergegan-gen. Parteien und Coterien mühen sich vergebens, ihre gekürtenGünstlinge mit falschem Purpur zu bekleiden; wird auch diesenAftcrfürsten die Aufmerksamkeit eines Tages zugewendet, rächt sichdoch bald an ihnen der Hohn, und die Nacht der Vergessenheitschließt sich über ihnen zu.
Die Kunst, die Blüthe des Volkslebens, muß in ihm lebendigeWurzeln haben und sich darüber erheben, um wiederum auf dasselbe
>) Aus dem Gesellschafter 1838. 30. Juni. Nr. 1V1.