Druckschrift 
6 (1864)
Entstehung
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Ucber Censur und Preßfreiheit.*)

Bei der Censur, wie sie zur Zeit besteht, machen sich die Re-gierungen selbst für die Unterbeamten verantwortlich, durch welchesie sie ausüben lassen. Verantwortlich für alles, was unter ihremSchirm gedruckt wird, verantwortlich für alles Gehässige und Al-berne, was jene Unterbeamten bei Ausführung ihres Amtes ver-schulden; und da schreit das sich anhäufende Jämmerliche und Lächer-liche so laut, daß unnöthig wird, über einmüthig Anerkanntes einWort mehr zu verlieren.

Und dennoch möchte jeder Redlichgesinnte wünschen? daß denRegierungen eine väterliche verständige Beaufsichtigung der Pressemöglich gemacht und gesichert werde, auf daß das Bestehende gegenfeindliche Angriffe geschützt werde, durch welche eine unbesonneneUmwälzungssucht dessen zeitgemäße ruhige Fortentwickelung stört undgefährdet.

Aber ist denn der Zweck nur auf dem Weg der verrufenen prä-ventiven Censur zu erreichen, welche doch immer nur von Menschen,und zwar von untergeordneten Menschen gehandhabt wird, welche, zukeiner Selbstthätigkeit in der Literatur befähigt, sich zu Beaufsich-tigern des Gedankens verdingen?

Ich bin der Meinung nicht.

Sprecht jedem Beamten, Gelehrten und Bürger, dessen Stellungim Staate eine hinreichende Bürgschaft für seine Anhänglichkeit andas Bestehende gewährt, das Recht zu, unter seiner persönlichen vol-

"1 Dieser Aufsatz fand sich in Chamiffo'S Papieren. Wahrscheinlich um1830 geschrieben, ist er für die damalige Anschauung überhaupt, wie für dieChamisso's charakteristisch; die Darstellung eigenthümlich. Ob er schon irgend-wo veröffentlicht worden, hat der Herausgeber nicht ermitteln können.