Druckschrift 
6 (1864)
Entstehung
Seite
252
Einzelbild herunterladen
 

252

gehrt Volljährigkeitsrecht, ich bin dem Katholicismus entwachsen unddennoch soll eine Kirche sein, und ein Glaube, scheint es mir, istnur auf katholischem Wege zu erzielen; mit dem Schlüssel des Ge-wölbes stürzt das Gebäude ein und ist eingestürzt. Der Zopfpredi-ger, der vom Seidenbau predigt, und der protestantische Mystikerund Zelot (ein widervernünftiges Ding, das es doch giebt) sind nichtmehr von einander zu sichten. Worin soll denn das Christenthumbestehen? Jeder antwortet anders und zieht willkürlich seinen Kreis,sprechend bue usgus. Ist Christus nur ein ehrlicher Mann gewesen(Rationalisten); der war auch Epiktet und am Ende auch Rabelais,deren Werke dem oder jenem besser munden mögen als das Evange-lium; giebt es keine Fortdauer des Jch's nach dem Tode (Schleier-macher, wenigstens zu früherer Zeit), wozu dann all das Wesen?Christ möchte ich (mein eigengezogener Kreis) nur den nennen, deran die göttliche Sendung, an die Gottheit oder Göttlichkeit Christiund an diejFortdauer des Jch's glaubt. Bin ich selber ein Christ? Ich weiß es nicht.

Hitzig ist ein wahrhaft frommer Christ, tolerant und inPhilanthropie seine Frömmigkeit prägend, nützend, Gutes wirkend,überall da, wo es gilt.

Nachdem ich obiges Kapitel abgehandelt, bleibt mir nur, meinenBrief abzuschließen, den ich nicht wohl abschicken würde, ließe ichihn liegen. Lebe Du wohl und erzürne Dich gegen irgend eine Ar-beit, wie ich gegen das Hawaiische, das ich doch untergekriegt habe.

Ewig Dein

Ad. v. CH.