Druckschrift 
6 (1864)
Entstehung
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50.

An Sophie Bornes in Greifswald.

Berlin den 4. Juni 1868.

Verehrtest?, theuerste Freundin!

Ich bin durch mein kleines Volk gehemmt worden, als ichIhren herzigen Gruß erwidern wollte, und nun ist die Zeit hinge-gangen, und nun werde ich in schlafmütziger Stunde gemahnt, undliefere nur so dumm hin meinen Umschlag zu dem Allgemeinen.Sie werden aus Allem so viel ersehen, daß wir noch auf dem altenFlecke stehen, und mehr vermöchten im Wesentlichen meine Redens-arten nicht kund zu geben. Es wird um mich herum gewachsen,und mir alten Invaliden über den Kopf. Ernst schickt sich an, inden Königl. Dienst zu treten. Max will Künstler werden und istebenfalls flügge. Ich huste und recke mich in der Sonne, wennsie scheint; so weit sind wir gekommen. Ich habe aber auchEiniges gedichtet, wovon im Musenalmanach mehr, und auch außerdemselben. Der Musenalmanach, falls er wirklich erscheint, wirdein Lied (das letzte) von Diotima mitbringen. Ihr Gedicht, dasist mir wohl zu Herzen gegangen. Gott lohn' es!

Wenn ich mich selber nicht reich schreiben kann, so kann ichdoch Andere reich machen. II lait äos sonvernins st äsäniAnsäs 1'Ltre. Beikommendes Blatt hat bei 150 Rthlr. eingebracht,ein schönes Honorar für 30 Zeilen*).

Ich grüße den Gatten herzlich, küsse Ihnen zärtlichst und ehr-erbietigst die Hand und bitte Sie, des alten Freundes im Gartenzu gedenken.

Ad. v. Eh.

») Das erste und zweite Lied von der alten Waschfrau, das zum Besten der-selben einzeln gedruckte und vielfältig verbreitete und bezahlte Blättchen. (Bd. 1S. 61-64)