Druckschrift 
6 (1864)
Entstehung
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gehabt. Er war auf einem Auge halb blind er hat sein gutesAuge gänzlich verloren, und demzufolge hat er auf seine Stellungals Richter verzichten wollen. Man hat ihm aber den Abschiedverweigert, ihm Gehalt und Sitz und Stimme im Kriminal-Senatgelaffen, und nur der Arbeiten entbunden, die er zu leisten unfähiggeworden. Er hat im vorigen Jahre eine flüchtige Reise nach Parisgemacht.

Der dritte der Gleichzeitigen, unser stiller Neumann, ist vor-angegangen, er ist nicht mehr. Er hinterläßt eine Wittwe undfünf unerzogene Kinder und diesen allen nichts als seinen Na-men. Es findet sich Alles; auch für die Waisen wird gesorgt,und sie werden das Leben nicht unter schlimmeren Bedingungenerleben, als ihr Vater. Varnhagen giebt in zwei Bänden eineSammlung von Neumann's Schriften heraus. Neumann hatte beiseinem nicht beträchtlichen Gehalt und seinem sauer verdienten Hono-rar als Rezensent in verschiedenen Zeitschriften fast mit dem Mangelzu kämpfen gehabt und manchen Kummer erduldet, worüber er miteiner gewissen leichten Gewöhnung zu gleiten wußte.

Varnhagen, unser Jüngster, ist jetzt auch ein alter Mann, derdie Blüthe seines Lebens hinter sich hat. Seine Frau, Robert'sSchwester, die wundersam geistreiche Rahel, war sein Halt, seineKraft, sein Geist; er hat sie verloren und war die erste Zeit ganzzusammengesunken. Er hat sich ermannt, um ihr zu leben, aber derKerntrieb ist abgebrochen. Er hat aus den Briefen und nachge-laffeneu Papieren Rahel's einen starken Band auf eigene Kostendrucken lasten und die ganze Auflage verschenkt. Das Buch istwirklich, wie die Individualität, die es hegt, ein wunderbares, undhat eine außerordentliche Sensation gemacht, man hat sich danachgerissen. (Er hatte Dir auch ein Exemplar bestimmt; ob er eineGelegenheit gefunden hat, Dir es zu schicken, weiß ich nicht.)

Robert, der Dichter Robert, der einzige, der den Titel einesDichters anbehalten hatte ist noch vor seiner Schwester dererste aus dem Musenalmanach, gestorben, und auch die junge reizendeFrau, die er später geheirathet hatte, ist ihm bald gefolgt.

Das ist, mein lieber Freund, was ich Dir aus dem Berlin,