Druckschrift 
6 (1864)
Entstehung
Seite
211
Einzelbild herunterladen
 

211

Blickes zuzuschauen mich nicht erwehren kann. Ich spiele in derneuen Literatur nicht mit, und der Zeitungsschaum bespült nichtmeinen Strand. Ich ziehe alte Freunde, Shakespeare, Uhland,Goethe, neueren Bekanntschaften in der Regel vor. Doch erfahreich hier und da von dem, was geschieht, durch einen Dichtervercin,von dem ich Mitglied bin, und den das Grundgesetz zusammenhält,daß Neues und Gutes vorgelegt oder vorgelesen wird, nur nichtsvon dem, was die Mitglieder selbst Hervorbringen. — Heinrich Heinegehört gewiß zu den ausgezeichnetsten Männern des neuen Ausschusses;wie er mir Achtung und Aufmerksamkeit gebietet, freut michauch sein freundliches Andenken. Ich würde Ihnen Grüße an ihnauftragen, und vielleicht, meine Trägheit bezwingend, an ihn schrei-ben, wenn man ihn nicht schon in England wissen wollte. —

Ich habe zwei Söhne, der älteste sechs, der jüngste fünf Jahralt, beide schon auf den niedrigsten Sitz der Schule eingeführt; einernster, traun! und gewichtiger Schritt. Nur noch beiläufig zwan-zig Jahre!! auf das mühsame Hinaufrücken gerechnet, bis das: tsvootoreiu erso den jungen Menschen in das erst zu beginnendeLeben entläßt. Und was wird mittlerweile aus uns, unfern Ein-richtungen, unserer Welt geworden sein? Entwerfe einer Plane aufdiese Zeit hinaus. Wie der Vater sich die vor ihm verhüllte Welteröffnet hat, werden es auch wohl die Söhne sollen, jeder für sichund auf eigenthümliche Weise. Auch glaube ich wenig an Erziehung,an die nämlich, die planmäßig von dem bestellten Erzieher aus-gehend den zu Erziehenden so und so willkürlich gestalten will.Die Jungen erziehen einander in der Schule, wie die Männer inder Welt. Der Vogel in der Luft, der Fisch im Teiche wirken aufdas junge Gemüth mehr ein, als unsere ausstudirten Anreden. Werkann dem Zufalls befehlen und seinem Werke Vorspannen? Eins,denke ich, kann mau erhalten, und damit viel, und das Eine habeich, das ist die Liebe der Kinder, und so bilden sie sich, wie wir,nach selbstgewähltem Muster; was wollen wir mehr verlangen?Der älteste, eine Zeit lang kränklich, hat keine kräftige Natur, docharbeitet er sich zusehends heraus. Der zweite ist ein gewaltigerBursch, stark, fest, unbändig, liebe- und anmuthsvoll. — Dieser

14 *